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Sonntagskirche | 12.04.2015 | 08:55 Uhr

Neugeboren

Einen guten Morgen! Erzähl noch mal, wie ihr mich bekommen habt! Kinder wollen das hören. Für die vierjährige Anna ist es das große Lieblingsthema. Wie das war, als sie geboren wurde. Erzähl das noch mal: Wie die Mama merkte, dass sie ein Kind bekam. Wie der Papa und die Mama ganz viel eingekauft haben: Babykleidung, eine Badewanne, eine Spieluhr und noch viel mehr. Wie die ersten Bilder aussahen vom Ultraschall aus Mamas Bauch. Habt Ihr Euch dann gefreut, als ich endlich da war? will Anna wissen.

Besonders fasziniert sie ihr weißes Taufkleid. Schon ihre Mutter wurde darin getauft, auch ihre Großmutter und Urgroßmutter. Ein Erbstück, mit selbstgemachter Spitzenborte reich verziert, und immer noch von strahlendem Weiß, dem hellen Farbton des Lebens, des Lichts und der Freude...

In vielen Familien gibt’s noch solche Erbstücke. Durch die Jahrhunderte wurden sie weitergegeben von Generation zu Generation. Weiße Kleider trugen schon die Täuflinge der frühen Christenheit. Meist waren das Erwachsene. Bei Sonnenaufgang wurden sie getauft, vor allem am Ostermorgen. Den Körper dreimal untergetaucht, wurden sie regelrecht gedöppt. Bekamen Atemnot.

Endlich wieder emporgeholt, schöpften sie tief nach Luft, nach neuem Atem. Den Abgrund des Todes hatten sie gespürt, das Nichtige hatte sein Maul aufgetan - für einen kurzen Augenblick. Dann aber strömte die Wohltat neuen Atems in sie ein, die Fülle göttlicher Gnade – sie fühlten sich wie neu geboren. Mit duftendem Öl wurden sie gesalbt- ein Zeichen der Fülle Gottes.

Das weiße Kleid legten sie nicht mehr ab - eine ganze Woche lang. Wie eine zweite Haut gehörte es zu ihnen. Als hätten sie Christus selber angezogen. Wie Christus hatten sie den Abgrund des Todes gespürt, mit Christus waren sie neugeboren zum Leben.

Deshalb trugen sie das weiße Kleid - diesen Farbton der Ostersonne, der Auferstehung und des neuen Lebens – sieben Tage lang, bis sie aufgenommen wurden in die Gemeinschaft aller Getauften, für immer. Am Sonntag nach Ostern.

Weißer Sonntag wird er genannt - bis in unsere Zeit. Heute feiern wir diesen Sonntag. Katholische Kinder gehen zur heiligen Kommunion – zum ersten Mal und in weißen Kleidern. In evangelischen Kirchen feiern wir Tauferinnerung. Auch einen lateinischen Namen hat dieser Sonntag: Quasimodogeniti – auf Deutsch: Wie die neugeborenen Kinder.

Wann fühlten Sie sich wie neu geboren? Bei ersten Schritten nach langer Krankheit? Zum ersten Mal wieder in frischer Luft. Tiefes Atemholen. Oder nach einem großen Streit? Eine zögernde, vorsichtige Geste. der Andere antwortet wieder, lächelt sogar – da fängt was neu an.

Neu anfangen dürfen. Das wird jeder und jedem in der Taufe zugesagt: Was in deinem Leben auch immer geschieht, was dir auch immer widerfährt, was du auch immer anstellst: Du darfst neu anfangen. Denn du gehörst zu Christus, im Leben und im Sterben. Ja, sogar im Sterben - neu anfangen, mit Christus auferstehen zu neuem Leben.

Das alles kann die kleine Anna noch gar nicht fassen. Und doch holt sie die Großen immer wieder zurück in die Kindheit: Erzähl noch mal, wie ihr mich bekommen habt. Noch einmal geboren werden, ins Wasser getaucht wie ganz am Anfang, gesalbt werden, umfangen von der Fülle des Wohllauts und des Wohlgeruchs. Gottes Kind sein mit Haut und Haar. Neu geboren werden.

Einen gesegneten Weißen Sonntag wünsche ich Ihnen Ihr Pfarrer Alfred Buß aus Unna.

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