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Kirche in WDR 4 | 31.10.2014 | 08:55 Uhr

Niemanden abhängen - Reformation und Politik. Manfred Rekowski

O-Ton Rekowski: Wir sind kein Selbstzweck als Kirche, sondern wir sind für die Menschen da. Das muss im Vordergrund stehen, also für die Mühseligen und Beladenen. Wir sind Lobbyisten für die Abgehängten, für die Vernachlässigten.

Autorin: sagt Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Für ihn ist Theologie nie politikfrei.

O-Ton Rekowski: Wir sind Lobbyisten für die Abgeschobenen. Und dass da unser Herz schlägt, das muss man auf den ersten Blick erkennen und nicht erst auf den zweiten oder auf den dritten Blick.

Autorin: Manfred Rekowski spricht beherzt aus, was andere kaum zu denken wagen. Er ist offen – für Veränderung, weil er will, dass es gerechter zugeht. In Kirche und Gesellschaft:

O-Ton Rekowski: Für mich ist wichtig Teilhabegerechtigkeit, unabhängig von der sozialen Herkunft her, unabhängig vom Geschlecht, unabhängig von der Nationalität. Menschen müssen Teil dieser Gesellschaft sein und müssen teilhaben können. Das gelingt uns an manchen Stellen überhaupt nicht. Ich sehe das in dem Stadtteil, in dem ich lebe, wo viele sozialschwache Menschen aus sozialschwachen Bezügen wirklich abgehängt sind, und das, finde ich, können wir uns nicht leisten.

Autorin: Um seine Vision von Gerechtigkeit zu leben, braucht Manfred Rekowski eine Kirche, die sich erneuert. Ganz im Sinne der Reformation.

O-Ton Rekowski: Unsere Kirche ist veränderungsbedürftig und ist veränderungsfähig. Von Luther und von der Reformation haben wir gelernt: Gott im Alltag, der Welt dienen, also da, wo die Lebensbezüge sind.

Autorin: Gott im Alltag dienen, ganz konkret auch vor Ort:

O-Ton Rekowski: Ich denke zum Beispiel an eine ungenutzte Kirche, die wird jetzt von der Diakonie übernommen, mitten im Stadtteil gelegen. Und da zum Beispiel in einer solchen Kirche ein christlich-islamisches Frauenfrühstück …. zu etablieren und da zu sagen, da erfolgt ganz kontinuierlich Lernen durch Begegnung. Das wäre gut für den Stadtteil, auch gut für die Kirche.

Autorin: Für mehr soziale Gerechtigkeit zu kämpfen – das geht nur zusammen mit dem Staat. Welche Rolle die Kirche dabei spielt, weiß Präses Manfred Rekowski - höchster Repräsentant der Evangelischen. Kirche im Rheinland – sehr genau:

O-Ton Rekowski: Die Kirche hat die Regierenden und die Regierten an Recht und Gerechtigkeit zu erinnern… Und so gesehen gibt es immer auch eine kritische Dimension gegenüber dem Staat und vor allen Dingen auch gegenüber der konkreten Politik.

Autorin: Manchmal reicht es nicht aus, wenn Kirche nur für eine Position wirbt. Dann bleibt nichts anderes übrig, als dem Staat gegenüber ungehorsam zu sein.

O-Ton Rekowski: Ich nenn das Beispiel Kirchenasyl. Wenn wir merken, dass die Rechtsprechung, geltende Gesetze Menschen in Not nicht gerecht werden, dann ist es unsere Christenpflicht, auch einen Rechtsbruch zu begehen, das heißt dann eben, den Weg des Kirchenasyls zu beschreiten, und wir haben auf diese Weise auch Menschen zu ihrem Recht verhelfen können.

Autorin: Die Freiheit Dinge zu tun oder zu lassen, die Freiheit des Gewissens trotz aller vermeintlichen Zwänge, das ist für Manfred Rekowski vielleicht das wichtigste Erbe der Reformation.

O-Ton Rekowski: Ich bin als Mensch, so wie ich bin, jemand, der Stärken hat, der Schwächen hat, mein Leben ist auch ein Auf und Ab, und zu wissen, ich muss nicht erst mal mir ne Position erarbeiten, sondern von Gott trennt mich nichts, kein Gedanke, den ich denke, keine Tat, die ich tue, auch keine Frage, die ich stelle, da, finde ich, weht dann auch der Geist der Freiheit, der sich für mich mit Reformation verbindet.

Autorin: Diese Freiheit erleben und leben zu dürfen, das wünsche ich uns allen – heute am Reformationstag, Ihre Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius aus Wuppertal.

"Zuerst Gerechtigkeit": Weitere Interviews mit den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern aus Politik und Kirche finden Sie auf einer CD, dort ergänzt durch Texte der Theologin und Poetin Dorothee Sölle sowie Musik. Die CD mit dem Titel „zuerst Gerechtigkeit – Stimmen, Einwürfe und Visionen", wird herausgegeben von der Gender- und Gleichstellungsstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland, Telefon 0211/4562-680, E-Mail: gender@ekir.de, Schutzgebühr: 5 Euro, ab zehn CDs je 2 Euro.

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