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Hörmal | 03.01.2016 | 07:45 Uhr

Nomen est omen

Ich gehöre wahrscheinlich zu den ganz wenigen Menschen auf der Welt, die sich ihren Vornamen selbst ausgesucht haben. Das war so: Vor über dreißig Jahren bin ich ins Kloster eigentreten. Und damals war es üblich, dass man als Zeichen für diesen Schritt einen neuen Namen erhielt. Der damalige Abt fragte mich dann, ob ich eine Idee hätte, und so entschied ich mich für Philipp, den Apostel. Und seitdem trage ich diesen Namen.

Was ich mir mit der Änderung des Vornamens eingehandelt hatte, das wurde mir direkt bewusst nach der Einkleidung, also dem Eintritt ins Kloster. Die Mitbrüder im Kloster sprachen mich nur mit dem neuen Namen an, aber ich – ich fühlte mich gar nicht angesprochen, stand irgendwie neben mir. Das dauerte einige Tage und Wochen, bis ich damit klarkam. Der Namenswechsel war ein echter Einschnitt: Name und Person gehören einfach sehr eng zusammen.

Früher – also lange vor der Zeit der Klöster – wurden sogar bestimmte Namen vergeben, weil man aus der Bedeutung des Namens dem Namensträger Eigenschaften übertragen wollte, ganz nach dem Motto: „Nomen est omen“. Der Name ist Zeichen, also eine Vorbedeutung für etwas. Naja, bei meinem selbstgewählten Namen stimmt das nicht: Philipp kommt aus dem Griechischen „philos hippos“ und bedeutet „Pferdefreund“. Ich habe den Namen aber nicht gewählt, weil ich Pferde so lieb hätte: Mir ging es damals beim Klostereintritt darum, dass Philipp einer der zwölf Apostel war, also zu den engeren Freunden von Jesus gehörte. Außerdem – ich gebe es ehrlich zu – ich fand auch den Wortklang ganz schön: Philipp.

Sympathisch war mir dann vor allem, dass dieser Philipp in der Bibel immer wieder Fragen stellt, weil er diesen Jesus nicht auf Anhieb versteht. Dafür wird er sogar einmal von Jesus gerüffelt. Da sagt Jesus (Joh 14,9): „Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?“

Als ob das so einfach wäre, Gott zu erkennen in Jesus. Vielleicht ist das ja eine lebenslange Aufgabe, die der Philippus da anspricht? Jedenfalls denke ich mir das so und finde den Philippus da ganz realistisch mit seiner Bitte an Jesus, den Vater zu sehen.

Aber vielleicht hätte Philippus auch einmal über den Namen Jesu nachdenken sollen. Denn auch dieser Name ist wie ein Omen, ein Zeichen. Den hat sich Jesus auch nicht selbst ausgesucht, sondern es heißt, der Name sei seinen Eltern von Gott mitgeteilt worden (vgl. Lk 1,31; 2,21; Mt 1,21). Jesus bedeutet so viel wie: Gott rettet, Gott befreit. Wenn das mal kein Programm ist. Wahrscheinlich hat das der Philippus später auch kapiert nach seinem ganzen Fragen und Bitten. Namen sind eben nicht Schall und Rauch, sondern können einem ganz schön zu denken geben, egal ob man sich den Namen selbst ausgesucht hat oder nicht. Und nach jemandem benannt zu sein, der nach Gott gefragt hat, gefällt mir.

Da ist übrigens noch etwas: Der Name Jesu wird in der katholischen Kirche genau heute gefeiert. Dabei sollte nicht die Namensgebung, sondern die Namensbedeutung im Vordergrund stehen: Gott rettet, Gott befreit. Das ist ein echt trostreiches Programm, was eigentlich jeden Tag im Jahr bedacht und gefeiert werden sollte, nicht nur heute.

Copyright Vorschaubild: CCO Pixabay

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