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Hörmal | 21.09.2014 | 07:45 Uhr

Non plus Ultra?

Ich habe das „Non plus Ultra“ gesehen! Ja, das gibt es wirklich – naja, genau genommen: das gab es. Bis vor 500 Jahren wurde der Felsen von Gibraltar das „Non plus Ultra“ genannt. Bei meinem Spanien-Urlaub Anfang September habe ich ihn vom Flieger aus gesehen. Der Felsen von Gibraltar und ein Felsen auf der afrikanischen Seite galten in der Antike als die legendären Säulen des Herakles und markieren ein gigantisches Tor: den Übergang vom Mittelmeer zum Atlantik. Über dieses Tor hinaus sollte keiner fahren, weil dahinter die Welt zu Ende sei – glaubte man. „Nicht darüber hinaus“, so heißt ja auch die Übersetzung von „Non plus Ultra“. Bis ins 16. Jahrhundert stand dieser Spruch auch auf dem spanischen Wappen. Tja, und dann kam Kolumbus. Und segelte im Auftrag der spanischen Krone einfach darüber hinaus und – entdeckte Amerika, Sie kennen das.

Kaiser Karl V. änderte dann kurzerhand den Spruch auf dem spanischen Wappen um in: „plus ultra“ also „darüber hinaus“ und so steht es da bis heute – das andere machte ja keinen Sinn mehr für die Seefahrernation.

Dass das „Non plus ultra“ einst eine Art steingewordenes Warnschild war, das war mir jedenfalls neu, bis ich im Reiseführer über den Felsen von Gibraltar las.

Aus heutiger Sicht, 500 Jahre nach Kolumbus, erscheint diese Warnung irgendwie lustig. Und natürlich reizt jede Warnung zur Übertretung. Kein Wunder also, dass Menschen immer noch etwas weiter gehen, als das „Non plus Ultra“.

Kürzlich habe ich gelesen, dass die Menschheit dabei ist, das nächste „Non plus Ultra“ zu knacken. Diesmal nicht im Auftrag der spanischen Krone sondern im Auftrag einer holländischen Fernsehgesellschaft, die auch „Big Brother“ produziert. Es geht um die Besiedlung des Mars. Genau in 10 Jahren soll die erste Mannschaft dort landen und es soll das größte TV-Ereignis der Menschheitsgeschichte werden. Was bislang immer als Zukunftsträumerei galt, planen die Holländer jetzt ganz konkret. Über 700 Kandidaten haben sich gemeldet und werden ab jetzt ausgesucht und intensiv vorbereitet. War bislang der Mond mit Neil Armstrongs Fußabdruck drauf das „Non Plus Ultra“ für den Menschen, könnte es also 2024 der Mars sein. Ich bin jetzt 35 und wenn die das schaffen, werde ich das sicherlich erleben.

Und ich weiß gerade nicht, ob ich schon mal Vorfreude zeigen soll, oder doch eher Skepsis. Denn dieser Drag der Menschheit, das „Non plus Ultra“ zu überwinden, das ist Fluch und Segen zugleich. Und an vielen Stellen finde ich es gut, dass die Menschheit sich bewusst Grenzen gesetzt hat. Z.B. nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Dabei bin ich mir sicher: Im Grunde kann jede dieser Grenzziehungen irgendwann mal fallen. Jede Generation wird neu festlegen müssen wie sie sich dazu verhält, wo ihre Grenzen liegen. Einfache Warnschilder, ein unbegründetes „Non plus ultra“, helfen da nicht weiter. Die werden rückblickend genauso lustig aussehen wie die antiquierte Warnung des Felsens von Gibraltar. Umso wichtiger scheint mir, die Gründe für das ein oder andere „Non plus ultra“ immer wieder zur Sprache zu bringen und daran zu erinnern. Es muss sich ja nicht alles aus der Geschichte der Menschheit wiederholen – dafür gibt es da zu viel Unrühmliches.

Copyright Vorschaubild: CCO Pixabay

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