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Choralandacht | 06.02.2016 | 07:50 Uhr

Nun ruhen alle Wälder (eg 477)

Musik 1 Büroarchiv, Nr. 08 Track 14 – Strophe 1

Autorin: Nun ruhen alle Wälder. Ein Lied, das den Abend besingt. Wenn es dunkel wird und die Nacht anbricht. Wenn die Lichter verlöschen, der Lärm verebbt und Ruhe einkehrt Zeit, die aufgewühlten Gedanken, die Hektik des Tages, das Unerledigte loszulassen.

Musik 1 Büroarchiv, Nr. 08 Track 14 – Strophe 1

Sprecher – (Overvoice)

Nun ruhen alle Wälder,

Vieh, Menschen, Städt und Felder,

es ruht die ganze Welt ...

ihr aber, meine Sinnen,

auf, auf, ihr sollt beginnen,

was eurem Schöpfer wohlgefällt.

Autorin: So dichtete Paul Gerhardt im Jahre 1647. Eine Idylle wie sie im 17. Jahrhundert zur Entstehungszeit des Liedes vorstellbar ist. Menschen, Städte und die ganze Welt kommen zur Ruhe. Und heute? New York gilt als Stadt, die niemals schläft.

Ähnlich auch Großstädte bei uns. Wenn noch bis weit nach Mitternacht Licht in den Wohnungen und Büros brennt. Wenn der Verkehr auf den Straßen weiterfließt. Wenn in Kneipen und Bars Musik bis zum frühen Morgen erschallt. Die Menschen machen „die Nacht zum Tag“. Mit dem Abend kehrt schon längst nicht mehr auch Ruhe ein. Licht, Fernsehen, Computer halten uns meist noch lange wach.

Musik, Nr. 1Büroarchiv, Nr. 008, Track 14 - Strophe 2

Sprecher - Strophe 2 (Overvoice)

Wo bist du, Sonne, blieben?

Die Nacht hat dich vertrieben,

die Nacht, des Tages Feind.

Fahr’ hin, ein andre Sonne,

mein Jesus, meine Wonne,

gar hell in meinem Herzen scheint.

Autorin: „Die Nacht, des Tages Feind“. Die Unruhe des Tages macht auch vor der Nacht nicht halt. Auch wenn Paul Gerhardt von nächtlicher Idylle spricht, erleben Menschen die Nacht heute oft anders. Dann bekommen es viele mit der Angst zu tun. Die Dunkelheit vertreibt, was am Tag sicher und greifbar schien. In der Nacht sind die Menschen viel mehr auf sich selbst geworfen. Nachts kommen die bohrenden Fragen, da wachen Sorgen auf, die tagsuber verdrangt waren: Was wird aus mir? Wie wird die Zukunft sein? Wie geht es weiter in Europa und der Welt? Nachts geht es oft ums Ganze: um Fragen nach dem Sinn, der Suche nach Hoffnung, der Losung von Problemen.

Musik, Nr. 1Büroarchiv, Nr. 08 Track 14 – Strophen 3 + 4

Sprecher - Strophe 3 + 4 (Overvoice)

Der Tag ist nun vergangen,

die güldnen Sternlein prangen

am blauen Himmelssaal;

also werd ich auch stehen,

wenn mich wird heißen gehen

mein Gott aus diesem Jammertal.

Der Leib eilt nun zur Ruhe,

legt ab das Kleid und Schuhe,

das Bild der Sterblichkeit.

Die zieh’ ich aus, dagegen

wird Christus mir anlegen

den Rock der Ehr und Herrlichkeit.

Autorin: Mitten in der Unruhe der Gedanken wirken die Worte Paul Gerhardts beruhigend und wohltuend. Wie ein Ritual vor dem Zubettgehen beschreibt er das Ablegen der Kleider, das Schließen der Augen. Es scheint, als würden sich Text und Melodie zu einem Wiegenlied verbinden. Die Nacht verliert ihre Schrecken.

Sprecher:

„Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond“ (Mascha Kaleko)

In: In meinen Traumen lautet es Sturm. Gedichte und Epigramme aus dem Nachlaß.

Hg.: Gisela Zoch-Westphal, Munchen 1977

Autorin: dichtet Mascha Kaleko. Es gibt in Dunkelheit und Nacht auch immer Licht, dass die Finsternis durchbricht. Als Sterne am Himmel oder den Mond, der leuchtet. Manchmal können es schöne Träume sein. Für Paul Gerhardt ist Jesus Christus Licht und Hoffnung.

Musik 1 Büroarchiv, Nr. 08 Track 14 – Strophe 8

Sprecher Strophe 8 (Overvoice)

Breit aus die Flügel beide,

o Jesu, meine Freude,

und nimm dein Küchlein ein!

Will Satan mich verschlingen,

so lass die Englein singen:

Dies Kind soll unverletzet sein.

Autorin: Wenn Paul Gerhardt hier von „Küchlein“ spricht, dann ist das ein anderes Wort für Küken. Für seine und alle Kinder, die behütet einschlafen und wieder aufwachen mögen. Aber auch er selbst und letztlich alle Menschen. Wie ein Wächter im Schlaf soll Jesus uns behüten und beistehen. Bis hin zum letzten Atemzug, wenn der Schlaf ein ewiger wird.

Der Abend beschließt nicht nur den Tag. Er steht auch für das Ende eines Lebens.

Fast alle Abendlieder im Evangelischen Gesangbuch weisen darauf hin:

Der Abend hat auch etwas mit dem Tod zu tun. Was bei Paul Gerhardt wie ein Ritual vor dem Schlafengehen beschrieben wird, ist auch ein Bild dafür, irgendwann das Leben loszulassen und es abzugeben.

Sprecher: „Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond“ (Mascha Kaleko)

Autorin: Im Lichte dieser Nacht, vertraue ich darauf, am Ende eines Tages und am Ende meines Lebens in einem neuen Licht zu erwachen.

Sprecher Strophe 9

Auch euch, ihr meine Lieben,

soll heute nicht betrüben

kein Unfall noch Gefahr.

Gott lass euch selig schlafen,

stell euch die güldnen Waffen

ums Bett und seiner Engel Schar.

Musik 2: Büro Archiv 165 Track 01

Musik, Nr. 1Büroarchiv, Nr. 08, Track 014

CD-Name: Der Mond ist aufgegangen

Titel: Nun ruhen alle Wälder

Text: Paul Gerhardt

Melodie: Heinrich Isaac

Chor: Wilhelmshavener Vokalensemble

Leitung: Ralf Popken

Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus

Label: edition chrismon

LC-Nr. 16005

Musik, Nr. 2 Büroarchiv, Nr. 165 Track 01

CD-Name: Dieter Falk – A Tribute to Paul Gerhardt

Titel: Nun ruhen alle Wälder

Text: Paul Gerhardt

Melodie: 15. JH. / Geisltich 1505

Bearbeitung: Dieter Falk

Verlag: Gerth Medien GmbH, Asslar

Label: Gerth Medien

LC-Nr. 13743

Best.Nr.: 939 339

EAN: 4029856393391

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