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evangelisch

Choralandacht | 17.03.2018 | 07:50 Uhr

O Haupt voll Blut und Wunden (eg 85)

Musik 1: Spiel mir das Lied vom Tod

Autor: Ein Heldengesicht. Hart, kantig, durchdringender Blick, angstfrei.

Wie soll man mich sehen, was sehen? Gestählt von unzähligen Lebenskämpfen, vom vielen Siegen hart geworden? Narben ja, aber keine Wunden? Verletzungen ja, aber geheilt.

Ich sehe, wie ich mich sehen will. Schaue mich an, träume ein Heldenleben, fühle mich unbesiegbar und höre doch nur

das Lied vom Tod.

Kreuzblende

Musik II (O Haupt voll Blut und Wunden)

Autor: Ein Opfergesicht. Blutig geschlagen, geplatzte Haut, geschwollen die Augen, die Wangen. Schmerzen außen und innen. Die Seele wie das Gesicht, geschunden von Kränkungen. Ein Gesicht zum Mitleiden bestimmt, das nach Erbarmen ruft.

Wie sehe ich mich? Mein Leben ein einziger Hindernislauf? Über glühende Kohlen? Zu oft die Dornenkrone getragen? Zu viel gesehen, was nicht gut war? Zu viel gespürt, was hätte besser sein können?

Ich sehe, was ich sehen will: mein Gesicht, das getröstet werden will, das hören will, es ist gut, es ist genug, es wird aufhören. Und höre doch nur

Das Lied vom Tod.

Musik III: Choral :O Haupt voll Blut und Wunden / Voll Schmerz und voller Hohn,/

o Haupt zum Spott gebunden mit einer Dornenkron. / O Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, /jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir.

Sprecher: Meditieren hilft, wenn ich mir Klarheit verschaffen will über mich. Meditieren gelingt über die Vorstellung. Wenn ich mir etwas „vor-stelle“.

Musik III: Choral: Du edles Angesichte, / davor sonst schrickt und scheut, / das große Weltgewichte, / wie bist du so bespeit, / wie bist du so erbleichet! / Wer hat dein Augenlicht, / dem sonst kein Licht nicht gleichet, / so schändlich zugericht?

Sprecher: Vor allem im Mittelalter wurde der leidende Christus. Während der Jahrhunderte des Mittelalters beherrschte die Menschen in Europa ein Gefühl besonders: die Angst. Sie speiste sich aus vielen Quellen: der Kampf ums tägliche Überleben, die Willkür der Mächtigen gegen die Armen und Wehrlosen, Hungersnöte, Kriege, Krankheiten, die Pest. Und über allem thronte die Angst, das ewige Leben zu verspielen.

Aber woher kam diese Angst?

Musik III: Choral: Nun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last; / ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast. /Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat. / Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad.

Autor: Meine Last, mein Verschulden. Die Hoffnung auf ein seliges Ende verspielt, der Eingang ins Paradies zunichte gemacht. Durch meine Sünden, meine übergroßen Sünden. So wurde es gebetet, eingetrichtert, endlos wiederholt in hunderten, tausenden Beichtgebeten in so vielen Leben bis auf den heutigen Tag. Von der Kirche gewollt, gefordert. Der Preis, den ein jeder zu zahlen hat, der so glaubt und dazu gehören will. Ein Bekenntnis der eigenen Verworfenheit.

Sprecherin: Allmächtiger Gott, barmherziger Vater!

Ich armer, elender, sündiger Mensch bekenne dir alle

meine Sünde und Missetat, die ich begangen mit

Gedanken, Worten und Werken, womit ich dich erzürnt

und deine Strafe zeitlich und ewiglich verdient habe.

Autor: So beginnt Martin Luthers Beichtgebet. Ich sage: Schluss damit. Endlich Schluss damit, uns als nichtswürdige, elende, verworfene Kreaturen zu sehen-und das auch noch von Geburt an. Endlich aufhören damit, Gott zu einem rachsüchtigen, leicht zu beleidigenden Kerkeraufseher unserer Seelen zu machen; der mit strengen Augen darüber wacht, ob wir auch ja moralisch einwandfrei leben. Besteht die wahre Beleidigung, die einzig wirklich Sünde nicht darin, dass wir ihn genau zu diesem unerbittlichen, rachsüchtigen Vater machen?

Nein, ich bin nicht schuld an Jesu Tod, nicht schuld an einem „Haupt voll Blut und Wunden“, bin nicht verantwortlich, dass das „edle Angesichte“ so zugerichtet wurde. Ich nicht! Und keiner von uns! Jesus wurde Opfer der damaligen religiösen und politischen Verhältnisse, die nicht ertragen konnten, seine Botschaft von einem liebenden Gott zu hören:

Sprecherin: Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt

und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden

und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

Autor:So formuliert es ein Psalm aus dem Alten Testament, der hebräischen Bibel, die schon Jesus benutzt hat. Deshalb Schluss mit vielen unserer Passionslieder. Sie sind oft nichts anderes als der furchtbare Ausdruck eines Angst besessenen Zeitalters, Lichtjahre entfernt von dem Gott, den uns unser Herr Jesus Christus ans Herz legen wollte.

Unser Gott ist barmherzig. Er weiß, dass wir keine Helden sind. Er will weder unser Opfer noch brauchte er das Opfer seines Sohnes. Er ist nicht der gefühlskalte Buchhalter unserer großen und kleinen Verfehlungen. Er ist ein Gott des Lebens, der selbst dem Tod –auch unserem Tod- die Macht nehmen wird:

Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir,

wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür;

wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein,

so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

Damit wir gerade auch an unserem Lebensende, wenn die Angst groß werden will nur ein Lied hören: das Lied vom Leben.

Musik IV: Choral: Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, / wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; / wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, / so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

Musikinformationen:

Musik I.

CD: Movie Memories- Music From the Greatest Films

Track-Titel: Spiel mir das Lied vom Tod

Komponist: Ennio Morricone

Texter: unbekannt

Interpret: Ennio Morricone

Verlag: unbekannt

LC-Nr.: 99999

Label: Colosseum Records

Musik II.

CD: Dieter Falk – A Tribute to Paul Gerhardt

Track-Titel: O Haupt voll Blut und Wunden

Komponist: Hans Leo Hassler

Texter: Paul Gerhardt

Bearbeitung: Dieter Falk

Interpret: Dieter Falk

Verlag: Gerth Medien

LC-Nr.: 13743

Label: Gerth Medien

Best.Nr.: 939339

EAN: 4029758764619

Musik III.

CD: Ich bete an die Macht der Liebe – CD1

Track-Titel: O Haupt voll Blut und Wunden

Komponist: Hans Leo Hassler

Texter: Paul Gerhardt

Chor: Heinrich-Schütz-Kantorei Freiburg

Leitung: Martin Gotthard Schneider

Verlag: Hänssler Verlag

LC-Nr.: 06047

Label: hänssler

Best.Nr.: 98912

EAN: 4010276003526

Musik IV

Matthäuspassion

CD: Bach: Matthäus Passion

Track-Titel: Matthäus-Passion: Wenn ich einmal soll scheiden

Komponist: Johann Sebastian Bach

Texter: unbekannt

Chor: Concentus Musicus Wien

Leitung: unbekannt

Verlag: unbekannt

LC-Nr.: 02822

Label: Warner classics international

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