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Kirche in WDR 4 | 18.04.2014 | 08:55 Uhr

Opfer

Wir wissen jetzt nicht genau, wie es in ihm ausgesehen hat. Auf seinem letzten Gang. Der so ganz anders aussah, als die Wanderungen davor. Noch im beginnenden Frühling war er mit seinen Freunden über die galiläischen Höhen gezogen. Frei wie ein Vogel. Eine feste Adresse brauchte er nicht. Und schon gar nicht jemanden, von dessen Anweisungen er abhängig war. Außer natürlich den himmlischen Ratgeber von ganz Oben.

An den hatte er sich immer gehalten. Von Bethlehem über Kapernaum nach Jerusalem. Aber dabei fühlte er sich nie gegängelt. Begleitet und bewahrt – das hätte schon eher gepasst. Ein hilfloses, abhängiges Opfer wollte er nie sein. Fühlen, wer gerade am meisten seine Hilfe brauchte, das bestimmte seinen Tagesablauf. Als alle an dem Blinden vorüber eilten, blieb er stehen. Als sich alle schnell beim Krämer mit Essen versorgen wollten, hielt er zwei Fische und fünf Brote zum Himmel – und alle wurden satt.

Ich stelle mir Jesus als einen glücklichen Menschen vor. Heute aber stößt das große Glück von Freiheit und Selbstbestimmung an eine harte Grenze. Von jetzt auf gleich hatte er seinen Weg nicht mehr in der Hand. Gespürt hatte er das schon in der vergangenen Nacht. Da legte sich nach dem letzten Essen mit Freunden eine dunkle Wolke auf seine Seele. War das schon die Henkersmahlzeit gewesen?

Er ahnte jedenfalls etwas davon. Deshalb auch wollte er nach dem Essen im Garten nicht alleine bleiben. Wer sich ängstigt, braucht Freunde. Sein Unglück war, dass diese einschliefen. Statt ihn zu unterstützen bei seinem beklemmenden Gebet: „Gott, da braut sich etwas über mir zusammen.“ Zwar wusste er schon längere Zeit, dass andere neidisch waren auf ihn. Auf seine Menschennähe und die Begeisterung, die ihm entgegenschlug wo immer er sich aufhielt. Aber wenn feindsinnige Autoritäten dann wirklich zuschlagen, ist es immer etwas anderes.

Viele, die Jesus später nachfolgten, bestätigten das: Eine wirkliche Verhaftung ist immer etwas anderes als die Drohung damit. Jetzt konnte Jesus nicht mehr über seine Wegrichtung bestimmen. Und mitschuldig daran war ein alter Freund, den er irgendwie enttäuscht haben mochte. Ein verräterischer Kuss – und die Handfesseln sitzen. Dann läuft die Prozedur einfach so ab. Die Priester beschuldigen Jesus der Gotteslästerung. Der römische Statthalter unterschreibt die Hinrichtung. Die Soldaten spielen mit ihm. Sehen in ihm nur noch ein Opfer. Dass man auslachen und quälen darf.

Ganz genau wissen wir nicht, wie er sich dabei gefühlt hat. Gebunden, eingeengt, wehrlos. Aber auf ganz eigenartige Weise scheint sein Verhalten auf seinem letzten Weg so gar nicht zu einem wehrlosen Opfer zu passen. Er hat immer noch Augen und Herz offen für Menschen neben sich: Einen während der Verhaftung verletzten Soldaten heilt er, seiner Mutter stellt er seinen besten Freund zur Seite. Ich sage nicht, dass er nicht Schmerzen hatte. Ich behaupte nicht, dass er am Kreuz nicht auch an Gott gezweifelt hätte.

Aber zum Opfer irgendeiner willkürlichen Macht lässt Jesus sich bei allem trotzdem nicht machen. Den Gefallen tat er ihnen nicht. Es gibt Erzählungen, da sind später manche seiner Nachfolger ganz ähnlich standhaft geblieben. Gefesselt - waren sie dennoch sehr frei. Wahrscheinlich wird sich Jesus an seinem letzten Lebenstag auch so gefühlt haben, wehrlos. Und selbstbewusst, dass er mit dem, was er erleiden musste, Gott auf seiner Seite hatte. Wer weiß, vielleicht hat er dann auch gebetet: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?“ (Ps 27,1)

Einen gesegneten Karfreitag wünscht Ihnen Pfarrer Max Koranyi aus Königswinter.

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