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Hörmal | 28.02.2016 | 07:45 Uhr

Pauling und die Physiker

Linus Pauling ist ein besonderer Mensch – nicht nur, weil genau heute sein 115. Geburtstag wäre. Nein, das Besondere an Linus Pauling ist, dass er als bisher einziger Mensch zwei Nobelpreise bekommen hat, die er mit niemandem geteilt hat: einen 1954 für seine Forschung als Chemiker und dann noch den Friedensnobelpreis 1962 für seinen Protest gegen die Atombombe. Und dann gibt’s da noch ein Theaterstück, das große Ähnlichkeit mit dem Leben dieses genialen Nobelpreisträgers hat: Friedrich Dürrenmatts Drama „Die Physiker“. Hauptfigur in diesem Theaterstück ist ein erfolgreicher Naturwissenschaftler, der in einem Irrenhaus lebt – weil er hofft, dass ihn dort keiner findet. Denn er ist auf der Flucht, und das Irrenhaus ist sein Versteck: ein Versteck für ihn selbst und für seine neueste Erfindung. Die ist genial und gefährlich. Wenn diese Erfindung in die falschen Hände gerät, passiert eine Katastrophe. Linus Pauling musste sich nie so verstecken, aber immer stärker warnte er vor einer unbegrenzten Forschung, die unsere Welt zerstört. Pauling sagte: „Wenn der Mensch so viel Vernunft hätte wie Verstand, wäre alles viel einfacher.“

Denn jede Forschung hat Risiken und Nebenwirkungen, die mit bedacht werden müssen. Am deutlichsten wird das für mich heute bei der Gentechnologie. Im Wettlauf um das erste menschli-che Klon-Baby nimmt sich kaum einer die Zeit, um über das weitere Schicksal eines solchen Klons nachzudenken. Wahrscheinlich will man sich auch lieber gar nicht vorstellen, was für ein Leben so ein geklonter Mensch führen muss – wenn man ihn überhaupt leben lässt und nicht nur als Ersatzteillager benutzt: ein geklontes Leben ohne echte Eltern, dafür aber mit vielen total identischen Geschwistern, die allerdings unterschiedlich alt sein können oder als identische Reservestammzellen immer noch im Kühlschrank liegen.

Die Bibel rechnet von Anfang an damit, dass wir Menschen immer mehr wollen: immer mehr wissen, immer mehr beherrschen. Gezeigt wird das in der Paradiesgeschichte mit Adam und Eva, die einen Apfel von einem Baum essen, der ihnen eigentlich verboten ist. Diese Geschichte zeigt Chance und Risiko menschlicher Freiheit und menschlichen Forschergeistes. Eigentlich ist es richtig, Neues auszuprobieren – und seien es eben Früchte, die man noch nie gegessen hat. Trotzdem warnt die Bibel vor übertriebener Neugier – und das ist durchaus weise. Es geht also um einen verantwortlichen Umgang mit unserer eigenen Intelligenz. Gerade weil wir so viele Fortschritte machen können, müssen wir sorgfältig überlegen, in welche Richtung der Fortschritt gehen soll. Die Bibel ist da ziemlich pessimistisch: Adam und Eva verlieren durch ihren Fortschritt das Paradies.

Dürrenmatts Irrenhaus-Geschichte geht übrigens auch schlecht aus. Denn das Geheimnis des scheinbar geisteskranken Naturwissenschaftlers ist bald enttarnt: Die Chefärztin der Anstalt durchschaut ihn schnell. Sie kopiert seine Unterlagen und gründet damit eine weltbeherrschende Firma.

Ich finde, es ist wieder Zeit, auf einen wie Linus Pauling zu hören. Der Wissenschaftler und Frie-densnobelpreisträger mahnte aus eigener Betroffenheit: „Man muss nicht unbedingt mehr Ideen haben als andere, sondern vor allem die Fähigkeit besitzen, um zu unterscheiden, welche dieser Ideen wirklich gut ist.“

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