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Kirche in WDR 4 | 22.03.2016 | 08:55 Uhr

Petrus war kein Held

Ein Bild des Jammers: In sich zusammengesackt, die Hände vor dem Gesicht, der Körper bebt, unaufhaltsam fließen die Tränen. Petrus, der vermeintlich große Apostel, in seiner dunkelsten Stunde. In der Karwoche taucht diese Szene auf, wenn die Passionsgeschichte erzählt wird.

Anders als alle anderen Apostel war Petrus nach der Gefangennahme Jesu nicht geflohen. Er schleicht sich in der Nähe der Orte herum, an denen Jesus verhört wird. Als Passanten ihn erkennen, reagiert er panisch: „Nein, nein, ich bin keiner von den Jesus-Leuten. Ich kenne den gar nicht!“ Dreimal, erzählt die Bibel, verleugnet Petrus seinen Herrn. Und dann kräht ein Hahn. Schlagartig fällt ihm ein, was Jesus noch vor ein paar Tagen prophezeit hatte: „Noch ehe der Hahn kräht Petrus, wirst du mich in aller Öffentlichkeit verleugnen!“ Kann gar nicht sein, hatte Petrus darauf geantwortet und Jesus rückhaltlose Treue geschworen. Und jetzt das!

Was für eine Demütigung! Der große Petrus, der sich für einen ganz besonderen Apostel hält, versagt so kläglich, als es darauf ankommt. Aus dem vermeintlichen Helden wird ein Häufchen Elend.

Für mich ist das eine tröstliche Szene: Der Mann, der in meiner katholischen Kirche auf so vielen Podesten steht, auf den sich sogar das Papstamt beruft, der als unerschütterlicher Fels und starke Säule des Christentums gilt – dieser Mann war auch nur ein Mensch. Es gibt sie eben nicht, die porentief reinen Helden, die alles richtig machen, die alles können, die alles wissen, die nie versagen.

Das tröstet mich. Vor allem dann, wenn ich mich selbst unter Druck fühle, perfekt sein zu sollen – besser und vollkommener, als ich wirklich bin. Es tröstet mich aber auch, wenn mich Menschen nerven, die sich als Überflieger und Perfektionisten geben. Leute, die alles wissen, die alles können und die alle anderen damit unter Druck setzen – sie sind gar nicht so, wie sie sich geben. Denn es gibt sie nicht – die perfekten und vollkommenen Heldengestalten.

Petrus war nie eine solche Heldengestalt – die Bibel schildert ihn schon vor dem traurigen Karfreitag als einen, der zwar viel will, aber oft an sich selbst scheitert. Er will glaubensstark über das Wasser gehen, versinkt aber schnell in seinen Zweifeln. Manchmal will er es sogar besser wissen als sein Meister – und fängt sich dann eine ordentliche Belehrung ein. Zuweilen wirkt er – so würden wir heute vielleicht sagen – wie ein Schwätzer.

Jesus hat sich solche Menschen ausgesucht. Menschen, die versagen und scheitern, die auch einmal an ihre eigenen Grenzen kommen. Wirklich große und starke Menschen kennen ihre Schwächen und Grenzen – und haben sie erfahren.

Die Nacht des Zusammenbruchs hat Petrus entscheidend verändert. Nur wenige Tage später beginnt sein großes Missionswerk – authentisch, überzeugend und entschieden trägt er die Botschaft Jesu in die Welt. Nur wer durch persönliche Tiefen geht, so lerne ich bei Petrus, wer Zweifel, Fehler und Scheitern kennt, ist zu wirklich Großem im Leben fähig.

Aus Essen grüßt sie Generalvikar Klaus Pfeffer.

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