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Kirche in WDR 4 | 15.03.2014 | 08:55 Uhr

Plädoyer gegen den Perfektionismus

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer.

Morgen erlischt in Sotschi endgültig das Feuer der Olympischen Winterspiele. Denn morgen enden die Paralympics, die internationalen Wettbewerbe für Menschen mit körperlichen Behinderungen. Ganz egal, mit wievielen Medaillen unsere deutschen Athleten nach Hause kommen - ich finde es großartig, dass es in dieser so auf körperliche Perfektion ausgerichteten Welt des Sports auch Platz für Menschen gibt, die diesen Idealen nicht entsprechen - und dennoch mit gewaltigem Ehrgeiz grandiose Leistungen abliefern. Ein wichtiges Signal in die ganze Welt - für die Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen.

Und doch mischt sich ein ungutes Gefühl in meine Begeisterung: Ob Menschen mit Handicaps für vermeintlich nicht-behinderte Menschen besser zu akzeptieren sind, wenn sie Leistungen wie in Sotschi bringen? Machen ausgerechnet körperliche Spitzenwerte den Umgang mit körperlichen, geistigen, seelischen Beeinträchtigungen leichter?

So gesehen ist es erstaunlich und bezeichnend zugleich, dass das Evangelium voll ist von Menschen, die so gar nicht dem Normalen, der Norm entsprechen: angefangen bei Leuten, die nicht gehen oder sehen können, die taubstumm sind oder von Dämonen besessen - also unter einer psychischen Krankheit leiden. Bis hin zu denen, die aus anderen Gründen aus der Gesellschaft ausgestoßen sind: Aussätzige (vielleicht wären das bei uns immer noch Aidskranke), Prostituierte, korrupte Beamte, gescheiterte Existenzen, Betrüger und andere Verbrecher. Sie gehören in dieselbe Reihe wie Überfallene, wehrlose Kinder und Frauen, Menschen ohne Geld und Brot, Menschen ohne Orientierung, Verleumder und Verleugner. Kurzum: Jede und jeder, dem etwas fehlt zu einem wirklich erfüllten Leben. Anders gesagt: Wir alle.

Für Jesus sind sie alle gleich, Schwestern, Brüder - Menschen, Geschöpfe Gottes. Jesus nimmt sich ihrer an, er berührt sie, spricht ihnen gut zu, spricht ihnen das Beste zu, das man einem Menschen sagen kann: Liebe. Er nimmt sie an - nicht weil sie ausgestoßen wären, nicht einmal, weil sie leiden, sondern weil sie Menschen sind. Und darum der Liebe bedürfen, eines unumstößlichen, durch nichts in Frage gestellten „Ja“. Die Bibel nennt das „Heil“. Ohne Vorleistung, ohne Kleingedrucktes. Einfach so: Liebe.

Nun sagen manche Hartgesottene auch unter Christen: Alles schön und gut - aber Jesus weist etwa die Ehebrecherin doch sehr wohl an, sich zu bekehren und künftig anders zu leben. Das stimmt - aber das ist keine Bedingung für seine Zuwendung, sondern die aus dieser Zuwendung stärkende Ermutigung: „Ich habe dir gezeigt, dass du gut bist. Und nun sei so gut und sei gut - sei so du selbst, lebe aus deinem Ursprung als geliebtes Gottesgeschöpf.“ So in etwa.

Barmherzigkeit, liebe Hörerinnen und Hörer, Barmherzigkeit ist etwas anderes als gnädig sich herablassendes Mitleid. Unser griechisches Lehnwort „Sympathie“, das ausdrückt, dass wir jemanden „leiden können“, meint im Wortsinn vielmehr „mit einem Leidenden mitleiden“. Ganz so, wie es der berühmte Barmherzige Samariter getan hat, der den Schwerverletzten nicht nur sieht, wie all die anderen, die dennoch vorrübergingen, sondern ihn ansieht, ihn berührt, pflegt und sogar noch Geld für seine weitere Behandlung da lässt. Aus Mitleid, ja, womöglich - aber die Rede ist „nicht von einem Mitleid, das den Liegengebliebenen unten lässt, sondern das ihn aufrichtet im wahrsten Sinn des Wortes“.

Ansehen und Aufrichten - das sind die Stichwörter. Weil in jedem Gott durchscheint, auch in denen, die anders sind als das Normale, die Norm.

Ich wünsche Ihnen diesen Durch-Blick. Heute. Aus Münster verabschiedet sich Markus Nolte.

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