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Kirche in WDR 3 | 15.08.2017 | 07:50 Uhr

Platz da und aufgestanden!

Guten Morgen!

Wir hatten uns ein Jahr nicht gesehen. Ein Freund und ich waren in der Straßenbahn in ein Gespräch vertieft. Bei der nächsten Station stiegen ein paar Leute ein, die sich an uns vorbeischoben. Plötzlich lautes Gebrüll: „Sehen Sie nicht, dass hier alte Leute sind? Machen Sie gefälligst Platz und stehen Sie auf!“ Ein 70-Jähriger schrie uns mit hochrotem Kopf an. Etwas verdattert versuchte ich zu erklären: „Entschuldigung, wir waren einfach nur in unser Gespräch vertieft.“

Eine alte Dame nahm dankbar meinen angebotenen Sitzplatz ein. Der ältere Herr war aber immer noch nicht zufrieden. Es ergab sich ein kurzes Gespräch über „Werte und Anstand heutzutage“, bis er – etwas ruhiger – an der nächsten Station wieder ausstieg. Für einen alten Menschen aufstehen ist zu allen Zeiten ein Zeichen des Respekts. Damit nehme ich ernst, dass ein älterer Mensch oft in einer schwächeren Verfassung ist als ein junger. Ich finde das gut! Wenn ich eines Tages so alt bin, wünsche ich mir, dass andere auch rücksichtvoll mit mir umgehen. In der Bibel heißt es darum auch:

Sprecherin: „Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott. Ich bin der HERR.“ (3. Mose 19,32)

Die Alten ehren, da komme ich mit. Warum steht da aber gleichzeitig, ich soll Gott fürchten? Gottesfurcht – das heißt Respekt vor Gott haben. Gemeint ist also: Die Alten oder Eltern sind zu ehren – aber nicht an die Stelle Gottes zu setzen. Die Alten ehren bedeutet: Ich darf das nicht zu meinem Vorteil ausnutzen, wenn die Sinne nachlassen: das Sehen, das Hören und vielleicht auch die Geisteskraft. Ganz gleich, ob es um Geld, Vollmachten, Wohnen oder medizinische Versorgung geht. Umgekehrt ist es aber auch nicht in Ordnung, die nachlassende Kraft im Alter auszunutzen, um andere herumzukommandieren. Der Respekt vor Gott soll mich erinnern, gut mit meinen Mitmenschen umzugehen. Ob alt oder jung, alle sind Gottes Geschöpfe.

In der Bibel finde ich aber nicht nur Gebote zum Umgang mit den Alten, sondern da steht auch einiges zum Umgang mit dem Alt-werden. So lese ich in einem Weisheitsbuch:

Sprecherin: „Wenn die Jahre sich nahen, wirst du sagen: Sie gefallen mir nicht.“ (Prediger 12,1)

Für den Fall, dass es mir so gehen wird, gibt es dann gleich das passende Gebet in den Psalmen dazu:

Sprecherin: „Gott, verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.“ (Psalm 71,9)

Gottes Antwort darauf finde ich beim Propheten Jesaja:

Sprecherin: „Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will tragen und heben und retten.“ (Jesaja 46,4)

Dieses Heben und Retten – das kann sich in vielem zeigen. Vor allem aber an Ostern. Da siegt Jesus über den Tod. Das Grab ist leer! Der gekreuzigte Jesus lebt. Mit Jesus darf auch ich auferstehen in Gottes neuer Welt.

Zurück zum Vorfall in der Straßenbahn: Warum der Senior so zornig wurde, kann ich nicht sagen. Und darauf angemessen zu reagieren, ist gar nicht so leicht.

Sprecherin: „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, damit ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.“ (Kolosser 4,6),

lese ich in der Bibel. Salz konserviert, reinigt und heilt. Das bedeutet, dass der andere durch mich auch etwas von meiner Hoffnung auf Auferstehung spüren soll - weil er die genauso so braucht wie ich, um nicht bitter zu werden. Mich entschuldigen, wo es nötig ist, dem anderen Gutes sagen – das ist es, was jede und jeder von uns brauchen kann. Zurückgiften ist kein guter Weg. Verstehen, was es heißt jung zu sein und alt zu sein – und erst einmal wohlwollend aufeinander zu zu gehen – das wäre respektvoll.

Dem Menschen gegenüber und Gott gegenüber.

Ihr Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund

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