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Hörmal | 21.05.2017 | 07:45 Uhr

Position beziehen - Margot Käßmann und die Hassmails

Sprecher: „Volksverräter“, „Schande für das christliche Abendland“.

Autor: Nicht nur Politiker und Journalisten, auch viele Kirchenleute sind zunehmend Pöbeleien und Drohungen ausgesetzt, nur weil sie sich für Migranten und Flüchtlinge einsetzen.

Sprecher: „Ihr Gutmenschen seid klinisch geisteskrank“, „dieses ganze Pfaffengesindel gehört liquidiert“.

Autor: Auch Margot Käßmann ist betroffen, ehemals Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, zur Zeit Botschafterin für das Reformationsjubiläum. Ich treffe sie in einem Düsseldorfer Café:

O-Ton Käßmann: Ich krieg persönlich immer noch viele Hassmails und abfällige Bemerkungen in Blogs.

Autor: Wie geht sie damit um?

O-Ton Käßmann: Ich muss sagen, ich bin da inzwischen gelassener geworden. Ich lösch vieles einfach, bevor ich’s anfange zu lesen, weil ich denke, wenn jemand in einem solchen Ton anfängt, ich sag mal „du verfickte Kirchenziege“, wenn eine e-Mail so beginnt, dann drücke ich die Delete-Taste.

Autor: Und wenn sich die Tonlage verschärft, wie im vergangenen Jahr, als sie die Nachricht bekam:

Sprecher: „Dich sollten sie mal über IS-Gebiet aus dem Hubschrauber abwerfen, dann wirst Du schon sehen, was Deine islamischen Freunde von Dir halten“.

Autor: Hat sie dann nicht doch die Sorge, dass ihr jemand etwas Böses tun könnte?

O-Ton Käßmann: Nö, ich bin ein ziemlich gelassener Mensch.

Autor: Die Auseinandersetzung mit der Ablehnung von Fremden erlebt Margot Käßmann fast täglich.

O-Ton Käßmann: Ich bin gestern nach Köln geflogen und ein Mann, der seinen Tomatensaft nicht mit im Handgepäck nehmen durfte, hat die junge Frau, die ihm das untersagt hatte, angeschnauzt und gesagt „Du blöde Kuh, du sprichst ja noch nicht mal richtig deutsch“. Und da hab ich gesagt, „wissen Sie dass das unverschämt ist“? Ja, also die junge Frau stammte vielleicht aus Indien, was weiß ich woher, aber die sprach gut genug deutsch. Also ich finde, wir müssen da auch eingreifen, dass Rassismus keine Chance hat, auch verbal nicht.

Autor: ...erst recht nicht verbunden mit einem rückwärtsgewandten Nationalismus.

O-Ton Käßmann: Ja, ich kann doch sagen, ich bin gerne Deutsche, muss ich wirklich sagen, da hab ich auch lange zu gebraucht, zu sagen, ich steh zur Geschichte meines Landes, ich gehör zu diesem Land. Aber Nationalismus heißt doch nicht, dass nicht viele verschiedene Menschen in diesem Land leben wollen. Also als Herr Gauland gesagt hat, Herrn Boateng hätten viele gerne nicht als Nachbarn, da hab ich ganz klar gesagt: lieber Herrn Boateng als Herrn Gauland.

Autor: Lieber einen farbigen Fußballer aus Berlin als einen ergrauten AfD Politiker aus Chemnitz. Die streitbare Protestantin nimmt kein Blatt vor den Mund. Wer sie live erleben will, kann dies tun – ab Mittwoch auf dem evangelischen Kirchentag in Berlin.

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