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Kirche in WDR 5 | 20.03.2018 | 06:55 Uhr

Positives Spekulieren

Guten Morgen!

„Positives Spekulieren“ – das hat nichts mit Börsenwerten zu tun, sondern ist eine echt spannende Übung, um Menschen kennen zu lernen. Wenn Sie in dieser Woche einmal was erleben wollen, versuchen Sie es mal!

Ich habe das „positive Spekulieren“ bei einer Fortbildung für kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen gelernt. Und glauben Sie mir: wir bei Kirchens wissen oft viel zu wenig voneinander. Da hilft die Übung ungemein. Worum es geht?

Zwei sich fremde Personen sollen munter über die andere drauflos phantasieren. Und wie der Name schon sagt positiv. Das die Idee.

Ich sitze also einer Frau gegenüber, die ich bis vor einem Tag noch gar nicht kannte und die ich bisher nur in der Gruppe erlebt habe. Kein persönliches Wort, kein Gespräch, nichts! Und dann bin ich auch noch als erster dran mit dem Spekulieren. Drei Minuten lang soll ich etwas über diese Frau sagen. In meinen Kopf rattert es, wie bloß anfangen. Na gut, ein paar Informationen hatte ich schon aufgeschnappt. Sie überlegte wieder in den Beruf einzusteigen, hatte Kinder bekommen. Also ich glaube, du bist ein nachdenklicher Mensch, der Entscheidungen gut abwägt, sage ich. Mein Gegenüber hat ein Pokerface. Keine Reaktion, an der ich erkennen könnte, ob ich richtig liege. Meine Augen scannen etwas hilflos ihr Äußeres und bleiben an ihrer Hand stehen. Ein Ehering, da kann ich nicht falsch liegen: Du bist verheiratet. Wenigstens jetzt könnte sie doch mal nicken, denke ich. Und so werden die drei Minuten endlos lang. Ich merke wie ich mit jeder spekulierten Eigenschaft innerlich nervöser werde. Doch gleichzeitig steigt die Neugier: Liege ich richtig? Oder total daneben?

Dann kommt endlich das Signal: die drei Minuten sind vorbei. Jetzt sagt sie mir: Du hast dich ganz gut geschlagen. Ich bin tatsächlich ein abwägender Mensch. Rollenwechsel! Jetzt spekuliert die Frau über mich. Sehr vorsichtig – das tut gut. Du kannst gut in Distanz zu einer Sache gehen und sie analysieren. Ich merke, wie verletzlich ich bin, der Meinung einer anderen Person ausgesetzt zu sein. Und ich merke, ein Pokerface wie sie habe ich nicht: Denn ich nicke leicht. Abermals ertönt das Signal: jetzt darf ich mich zu ihren Spekulationen äußern. Respekt, sie war echt ziemlich nah dran an mir. Wir fühlen uns beide erleichtert und auch ein wenig glücklicher, so positiv wahrgenommen worden zu sein und ganz gut übereinander spekuliert zu haben.

Liebe Hörerinnen und Hörer, ich spekuliere jeden Tag über fremde Menschen und ich vermute ihnen geht es ähnlich. Wir können gar nicht anders: in der der Kassenschlange, der Bahn, in der Fußgängerzone oder wo auch immer. Wie positiv das Spekulieren ist? Nun ja, das hängt von vielen Faktoren ab wie der augenblicklichen Laune, der Persönlichkeit oder den Vorerfahrungen. Mir hat jedenfalls ein Zitat zu denken gegeben, welches uns die Kursleitung mit in die Übung gegeben hat: Der Satz stammt von Pfarrer Wilhelm Bruners, der Menschen in vielen Einzelgesprächen begleitet. Er lautet: „Nirgendwo bist du größer als im barmherzigen Blick deines Nächsten“.

Ich wünsche Ihnen und mir diesen barmherzigen Blick mit dem wir gesehen werden und andere sehen.

Ihr Pastor Simon Schwamborn aus Lippstadt

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