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Kirche in WDR 3 | 17.07.2018 | 07:50 Uhr

Recht und Gerechtigkeit

Guten Morgen!

Mal ehrlich, wer hat schon die ganze Bibel gelesen? Wer das mal ausprobieren möchte: Es gibt so genannte Jahresbibellesepläne. In meinem (1) steht da heute ein Text mit der Überschrift: „Rechtssachen unter Christen“. Und darum geht es:

Sprecher: Wie ist es möglich, dass ihr als Christen eure Streitigkeiten vor Richtern austragt, die Gott nicht kennen, statt die Gemeinde um Rat zu bitten? Ihr solltet euch schämen! Gibt es denn in der ganzen Gemeinde keinen Einzigen, der genug Verstand hat, um einen Streit zwischen euch zu schlichten? Stattdessen zieht ein Christ den anderen vor Gericht und verklagt ihn, und das auch noch vor Ungläubigen. (1. Korinther 6,1.5-6; Hoffnung für Alle)

Ein Text vom Apostel Paulus an die christliche Gemeinde in Korinth. Christinnen und Christen sollen also nicht vor Gericht ziehen, sondern die Sache unter sich klären.

Beim Lesen dieser Zeilen regt sich bei mir Widerspruch. Und ich verstehe es auch nicht: Denn an anderer Stelle sagt Paulus doch selbst: Der Staat ist von Gott eingesetzt, um das Recht durchzusetzen. Paulus hatte dabei sehr konkret das damalige Römische Reich vor Augen.

Soll die Kirche sich 2000 Jahre später an den Vorgaben des römischen Bürgers Paulus orientieren? Die Rechtsgeschichte hat sich weiterentwickelt und wir können heute mit Recht stolz und froh sein, in einem Rechtsstaat zu leben.

Auch die evangelischen Kirchen in Deutschland unterhalten eigene Kirchengerichte. Die Richter, die ehrenamtlich an diesen Kirchengerichten arbeiten, sind in den meisten Fällen hauptberuflich Richter im Staatsdienst. Die evangelische Kirche ist zu Recht stolz auf die Qualität ihrer Gerichte. Andererseits: die Kirchen heute holen sich damit staatlich-juristisches Know-How bis in ihre Strukturen hinein. Und diese Strukturen orientieren sich auch insgesamt an den staatlichen Strukturen. Das ist eigentlich das genaue Gegenteil von dem, was der Apostel Paulus gefordert hatte!

Ich denke, die Mahnung des Apostels Paulus macht vor allem deutlich: Gerichte sind immer etwas Vorläufiges. Das gilt schlussendlich auch für die modernen Kirchengerichte. Gerichtsurteile mögen gerecht sein, zur Versöhnung unter den Parteien führen sie alleine jedoch nicht. Dazu ist mehr nötig. Und der wirkliche, eigentliche Richter, ist ein anderer. Den Gang vor den himmlischen Richter kann kein irdischer ersetzen. Paulus hatte die vorsichtige Ahnung, dass Gott nach anderen Kriterien Recht schaffen könnte, als irdische Gerichtsbarkeit es tut.

Der Text von den „Rechtssachen unter Christen“ steht zufällig heute auf meinem Leseprogramm. Das passt gut. Heute ist ja der Internationale Tag der Gerechtigkeit, der an die Anfänge des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag erinnert.

Denn bei der Grausamkeit, zu der Menschen fähig sind, geht es nicht ohne Gerichte.

Gut, dass wir heute eine Rechtsprechung haben, die Paulus sich zu seiner Zeit noch gar nicht vorstellen konnte!

Ihre Mareike Heidenreich aus Münster.

(1) Jahresbibelleseplan der Deutschen Bibelgesellschaft; www.dbg.de

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