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Kirche in WDR 3 | 18.01.2014 | 07:50 Uhr

Reicher Sonntag

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!

Die Woche geht zu Ende. Die meisten freuen sich auf den Sonntag, einige fürchten ihn, obwohl der Sonntag keine herausragende Rolle mehr spielt. Heute wünschen sich die Menschen ein schönes Wochenende. Für meine Neffen ist der Samstag der Tag, an dem man sich trifft. Wenn sie in ihrem Freundeskreis etwas zu feiern haben, dann steigt die Party in der Nacht zum Sonntag. Anderntags können sie schlafen, solange sie wollen. Der Sonntag wird zum Ausschlaftag.

Ich stamme aus einer Generation, für die der Sonntag ein besonderer Tag in der Woche war. Mein Vater musste bis Samstagmittag arbeiten. Erst danach begann die Einstimmung auf den Sonntag, den damals einzigen freien Tag der Woche. Einstimmung hieß für meine Mutter die Wohnung zu putzen, während der Rest der Familie badete. Alte Leute erzählen sich die Geschichte von der Zinkbadewanne, die samstagnachmittags in die Küche geschoben wurde. Ein Kind nach dem anderen hatte in das heiße Wasser einzusteigen.

Dagegen begann der Sonntag in unserer Familie mit einem außergewöhnlichen Frühstück. Auf dem Tisch standen Marmelade, Eier und Schinken. Wir hatten viel Zeit zu erzählen, bis der Spätgottesdienst begann. Alle gingen wir hin. Wer dagegen heute den Gottesdienst mitfeiert, stammt aus einer anderen Welt. Meine Neffen wüssten gar nicht, wo die nächste Kirche zu finden ist. Dabei hat sich die katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten bemüht, den Gottesdienst menschenfreundlicher zu machen. Das II.Vatikanische Konzil, dessen Jubiläum wir begehen, hat mit einer Erneuerung des Gottesdienstes begonnen. Ich erinnere mich: Sonntagsmorgen, gegen 11 Uhr, schnappten mich meine Eltern und zogen mit mir nach St.Josef. Ein bequemer Sitzplatz war nicht mehr zu haben. Mein Vater und ich standen an einer Säule und quälten uns durch eine lange Zeit. Ab und zu lief vorne ein würdevoller Mann herum, der von zwei rot gekleideten Jungen begleitet war. Er trug ein glitzerndes Kleid, was aber nicht gerade Mode war. Selten öffnete er den Mund, um in einer komischen Sprache zu reden. Mein Vater verstand sie genauso wenig wie ich. Die Wortfetzen erinnerten mich an die Lateinstunden auf dem Gymnasium. Ich verstand nichts, ich sah nichts, es passierte nichts. Einzig riechen tat es gut, wenn Weihrauch in die Luft stieg. Deshalb hatte sich das Konzil vor 50 Jahren auf den Weg gemacht. Der Gottesdienst sollte verständlicher werden. In Folge wandte sich der Pfarrer den Menschen zu. Er trat ihnen Auge in Auge gegenüber. Damit sie ihn verstehen konnte, sprach er plötzlich Deutsch. Die evangelischen Christinnen und Christen waren es gewohnt, in ihrer Sprache Gottesdienst zu feiern. Zum ersten Mal hörte ich im Gottesdienst die Geschichten von Jesus in meiner Muttersprache. Es war für mich eine neue Erfahrung, einem Gottesdienst von vorne bis hinten folgen zu können. Heute brauchen viele den Gottesdienst nicht mehr. Wer ihn dagegen braucht, freut sich über das gottesdienstliche Sonntagsangebot.

Für ihn gilt ein Dichterwort: Gottesdienst ist da, wo Menschen reicher gehen, als sie gekommen sind. Es stimmt, jeder Gottesdienst macht reich. Doch der Reichtum ist von einer anderen Art als ein Vermögen auf der Bank.

Einen reichen Sonntag wünscht Ihnen Albert Damblon aus Mönchengladbach.

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