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Kirche in WDR 3 | 20.04.2015 | 07:50 Uhr

Richtig Lesen

Guten Morgen!

Erst als junger Mann habe ich richtig lesen gelernt. Damit Sie mich nicht falsch ver-stehen. Natürlich habe ich in der Schule lesen gelernt – also das Entziffern von Buchstaben, Wörtern und Sätzen. Das war eine mühsame Pflicht. Aber zwischen lesen und lesen besteht ja ein Unterschied. Das Lesen, von dem ich sprechen möchte ist mehr und das erschloss sich mir erst später: Lesen als Gewinn für das Leben- wenn sich aus den tieferen Schichten eines Textes neue Welten erschlie-ßen.

Dieses Lesen würde ich allen Menschen wünschen. Mit Genuss und Gewinn ein Buch zu lesen habe ich in der Schule nicht gelernt. Es gab keinen, der mich auf den Gewinn hinwies. So erging es mir wie vielen, die eine Buchhandlung nur von außen kennen.

Trotzdem faszinierten mich Menschen, die im Zug in einem Buch schmökerten. Sie vergaßen, dass das Abteil übervoll war. So intensiv beschäftigten sie sich mit dem Buch. Ich konnte es mir nicht vorstellen, mit dem Lesen alles zu vergessen. Aus dem Grund wollte ich es genau wissen. Richtig lesen musste doch zu lernen sein. Also ging ich in eine kleine Buchhandlung, die nur aus einem Raum bestand. Der grauhaarigen Buchhändlerin eröffnete ich mein Problem. „Ich möchte gern lesen lernen.“ Sie wunderte sich und wusste nicht, ob sie mich in die Schule zurück schi-cken sollte. „Ich möchte gerne ein Buch mit Lust und Gewinn lesen! Ja, mir fehlt die Ausdauer. Ich beginne und nach einigen Seiten wird alles so langweilig.“ Jetzt verstand die Frau. Sie ging an ein Regal und holte ein kleines Buch heraus. „Hier. Das müssen Sie zu Anfang lesen!“ Ich las den Titel: Siegfried Lenz, So zärtlich war Suleyken. Ich gebe zu, das Wort Suleyken war fremd. Doch die hundert Seiten müssten zu schaffen sein. Deshalb vertraute ich der erfahrenen Buchhändlerin und kaufte das Werk. Von Siegfried Lenz hatte ich schon einmal gehört. Kaum hockte ich in meiner Bude, begann ich zu lesen. Der Großvater des Erzählers ist ein Leseteufel, der sich mühsam das Lesen beigebracht hatte. Überall und zu jeder Zeit liest er. Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe entziffert er den Text. Selbst der Krieg kümmert ihn nicht, er liest weiter, aber mit Gewinn. Als der Feind ihm die Flin-te an den Hals setzt, bettelt er: „Bitte, bitte lass mich noch die zehn Zeilen lesen. Dann wird alles geregelt werden, wie es sein soll.“ Mitten im Kampf packt den Feind blankes Entsetzen vor der sanften Macht des Lesens, und er flieht. Ich hatte meinen Spaß. Das Buch war meine erste richtige Leseerfahrung. Spät, aber nicht zu spät. Seitdem lese ich, und ich habe in meinem Leben viel gewonnen.

Der heilige Augustinus war ein großer Gelehrter, der in seinem Leben viel gelesen hat. Als vor ihm eine Bibel lag, hörte er eine flüsternde Kinderstimme: „Nimm und lies!“ Sofort las er, und er begann ein neues Leben. Wer liest, kann sein Leben än-dern. Wer in der Bibel liest, kann ganz neu anfangen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie lesen können. Richtig lesen. Dass Ihr Leben Anteil hat an jenen Welten, die über unseren Alltag hinausgehen. Ihr Albert Damblon aus Mönchengladbach

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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