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Kirche in WDR 3 | 03.04.2014 | 07:50 Uhr

Schatz im Acker

Eine der kürzesten Geschichten, die Jesus erzählt, handelt von einem Schatz. Eine seltsame und zugleich faszinierende Geschichte ist das. Hören Sie selbst, lieber Hörer, liebe Hörerin:

„Das Himmelreich ist wie ein Schatz, im Acker vergraben. Den findet ein Mensch und versteckt ihn wieder. In seiner großen Freude verkauft er alles, was er hat, und kauft den Acker.“ (Matthäus 13,44)

Die Jesus damals zuhörten, werden sofort an ganz bestimmte Schätze gedacht haben. Mir geht das auch so. Ich denke an meine Großmutter, die gegen Ende des Krieges mit ihrer Familie aus Ostpreußen flüchten musste. Nur das Allernötigste konnten sie mitnehmen. Den Schmuck, das Silberbesteck, das Sonntagsgeschirr und andere wertvolle Gegenstände haben sie sorgfältig in Kisten gepackt und vergraben. Und sich die Stelle genau gemerkt. Sie hofften ja wiederzukommen. Meine Oma ist nie in ihre Heimat zurückgekehrt. Oft habe ich mich als Kind gefragt: Ob die Kisten dort immer noch im Boden schlummern? Oder ob diesen Schatz längst jemand gefunden und ausgegraben hat?

Nun ist der Schatz, von dem Jesus erzählt, offenbar von anderer Natur. Keine Kiste mit Wertsachen kann so kostbar sein, dass ein Mensch bereit wäre, alles andere dafür herzugeben. „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“, sagt Jesus. Nicht der Wert macht einen Schatz zum Schatz. Sondern die Bedeutung, die er für einen Menschen hat. Woran du hängst, was dich lockt, wonach nach du dich sehnst, das ist dein Schatz. Worum deine Gedanken Tag und Nacht kreisen;

was du unbedingt erreichen oder besitzen willst; wonach du unermüdlich Ausschau hältst; wodurch du glücklich zu werden hoffst: Das alles ist dein Schatz.

Manche sind unermüdlich und rastlos auf der Suche danach, immerzu. Einige verpassen darüber ihr ganzes Leben.

„Komm, wir finden einen Schatz“, heißt ein Bilderbuch von Janosch. Der kleine Bär und der kleine Tiger ziehen gemeinsam los. Sie suchen das Glück der Erde. Etwas Ungeheuerliches stellen sie sich darunter vor. Etwas Außergewöhnliches, Großartiges. Reich wollen sie werden. Unterwegs finden sie goldene Äpfel, werden tatsächlich reich, verlieren schließlich alles wieder – und kehren ernüchtert und enttäuscht nach Hause zurück. Da, zu Hause, finden sie das Glück der Erde. Bei Blumenkohl und Kartoffeln; im Gesang des Zaunkönigs und im Besuch des Maulwurfs.

Der Mensch, von dem Jesus erzählt, hat nicht gesucht. Er hat nicht geforscht und nicht gegraben. Er findet den Schatz. Zufällig. Es ist, als sei der Fund ihm zugefallen von einem, der es gut mit ihm meint. Ob daher seine große Freude kommt; das tiefe Glück?

Es gibt Situationen, da spürt ein Mensch plötzlich, dass er wertvoll ist. Geliebt und gewollt. Dass es Hoffnung für ihn gibt. Dass sein Leben einen festen Grund hat. Und ein gewisses Ziel. Ganz unscheinbare Momente können das sein. Zeichenhaft leuchtet ein kostbarer Schatz in ihnen auf: Augen sehen dich an. Du hörst ein erlösendes Wort. Jemand lässt dich nicht im Stich. Verlorene Kraft kehrt plötzlich zurück. Und auf einmal weißt du: Gäbe es solche Momente nicht, wäre alles andere nichts. Du würdest alles geben, um niemals auf Liebe verzichten zu müssen, auf Grund unter den Füßen und auf Hoffnung für dein Leben.

Dies alles gibt es nur zu-fällig. Niemand kann es machen. Es muss uns zufallen. Von Gott. Wie der Schatz im Acker, den einer unerwartet fand und alles dafür verkaufte.

Vielleicht stoßen Sie heute zufällig auf einen unerwarteten Schatz?

Wache Sinne dafür wünscht Ihnen

Ihre

Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.

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