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Hörmal | 06.11.2016 | 07:45 Uhr

Schlumpf-Niveau

Bei den Schlümpfen ist das mit der Rolle der Frau einfach. Denn es gibt nur Eine: Schlumpfinchen. Und die wurde ursprünglich vom bösen Zauberer Gargamel geschaffen, um Neid und Zweitracht unter den männlichen Schlümpfen zu sähen. Schlumpfinchen hat da noch kurzes, struppiges Haar und ist ein kaltes, hinterlistiges Wesen.

Dann aber schreitet Papa Schlumpf ein – um größeren Schaden von Schlumpfhausen abzuwenden. Und er verwandelt Schlumpfinchen in die dralle Blondine, die sie bis heute ist: Harmlos, ein Sweetheart, jeder Schlumpf will ihr an den Rock.

Ganz schön schlumpfig, dieses Frauenbild, oder? Entweder ist die Frau die hinterlistige Schreckschraube oder das dralle Objekt der Begierde. Dazwischen gibt’s nix.

In zwei Tagen wird in den USA gewählt. Und diese Wahl könnte tatsächlich historisch sein, denn das erste Mal könnte eine Frau ins wohl mächtigste Amt der Welt gewählt werden.

Aber wenn ich auf den Wahlkampf schaue, dann ist dabei ausgrechent das Thema Frau nie übers Schlumpf-Niveau hinausgekommen. Jedenfalls das, was vom Wahlkampf bei mir ankam,jenseits des Atlantiks.

Sei es in den Medien oder direkt bei Donald Schlumpf, pardon, Trump: Entweder ging die Frau als düstere Spielerin der Macht, Hillary Clinton, die als kalt, unsympathisch, spalterisch dargestellt wurde, oder wie Donald Trump es sagte als „crooked Hillary“, als „krumme Clinton“. Oder Frauen wurden herangezogen als Kanonenfutter für Schlammschlachten, bei denen es einzig um die Frage ging, wer mehr Frauen an die Wäsche ging: Bill Clinton oder Donald Trump?

Beides sind Karikaturen: Entweder die Frau als eiskalte Intrigantin oder als schutzloses Objekt der Begierde. Und beides empfinde ich extrem niveaulos, Schlumpf-Niveau, eben.

Jetzt könnten Sie sagen: Als Mann von der Kirche, der katholischen obendrein, sollte ich mich mal nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen, was das Frauenbild anbelangt. Und da würde ich Ihnen in Teilen sogar Recht geben. Oberflächlich betrachtet könnte da was dran sein: wie oft wurden da zwei Karrikaturen gezeichnet: entweder das sündige Weib oder die eherne Jungfrau. Wer es so einfach macht, der ist auch kirchlich auf Schlumpf-Niveau.

Aber: Die Geschichte meiner Religion ist geprägt von starken Frauen. Und die haben ihre Stärke meist daraus gezogen, dass sie sich gerade nicht auf das Schlumpf-Niveau herunter gelassen haben. Sie haben ihren Glauben und ihre Überzeugungen gelebt, aus einem gewissen Stolz heraus. Hildegard von Bingen ist nur ein Beispiel. Sie haben bei Widerständen etwas davon gezeigt, was Jesus predigte, als er sagte: „haltet auch die andere Wange hin“. Denn Jesus sagte damit nicht: „seid mal schön weiter das Opfer“. Sondern dieses Hinhalten ist ein Demonstration voll Stolz: „Du kannst mich nicht brechen“ - eine höchst kluge Irritation.

Genau diese kluge Strategie habe ich auch im US-Wahlkampf entdeckt. Es war Michelle Obama, die für die Frauen die Parole ausrief „when they go low – we go high!“. Frei übersetzt: wenn das Niveau unterirdisch wird, zeigen wir gerade dann unsere Klasse und behalten Stil.

Ich denke, keine Sache sollte auf Schlumpf-Niveau diskutiert werden, weder die Rolle der Frau, noch andere Themen, wie z.B. hierszulande die Flüchtlingsfrage. Und was dagegen hilft ist sicherlich: Stil-Bewahren. Aber auch: es sich nicht zu einfach machen.

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