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Kirche in WDR 4 | 31.03.2015 | 08:55 Uhr

Schöne Taten

Guten Morgen. Es ist die letzte Woche der Passionszeit. Eine Zeit, in der Christen den Weg Jesu ans Kreuz und sein Sterben bedenken. Passion heißt „Leiden“. Passion heißt auch: „Leidenschaft“. „Ich habe eine Passion für etwas“, sagen wir und meinen: „Dafür schlägt mein Herz. Dafür brenne ich. Dafür setze ich mich ein mit Leib und Seele.“

Leidenschaft brauchen wir, um eine Sache wirklich gut zu machen. Wenn ich ein gestecktes Ziel erreichen will; wenn ich andere begeistern und für etwas gewinnen möchte, wird es ohne Leidenschaft nicht gehen.

Ich erinnere mich an eine meiner Deutschlehrerinnen. Die schwärmte für Lyrik. Wenn es um Gedichte ging, kam sie von diesem zu jenem Text, vergaß Zeit und Stunde, schwelgte förmlich in der Poesie. Sie blieb damals nicht lange an unserer Schule. Ihr Stil entsprach nicht den Anforderungen an modernen Unterricht; ihr vermittelter Lernstoff nicht den Vorgaben des Lehrplans. Sie erfüllte die gängigen Erwartungen nicht – und musste gehen. Ich habe von dieser Frau so viel gelernt wie kaum von einem anderen Lehrer. Wir alle in der Klasse haben sie geliebt.

Wer leidenschaftlich für eine Sache brennt, muss oft unter den Folgen leiden. Leidenschaft kann buchstäblich Leiden schaffen. Passionszeiten sind Zeiten zwischen Leiden und Leidenschaft. Jesus, der Sohn Gottes, hatte eine Leidenschaft für Menschen. Sein Herz schlug für diejenigen, die ihm begegneten. Besonders für die Kleinen hatte er eine Vorliebe; für die Gescheiterten und Verlierer - und für die Leute am Rande. Diese Leidenschaft hat ihn auf seinen Leidensweg geführt. Und ihn letztlich ans Kreuz gebracht.

Mitten auf diesem Leidensweg ans Kreuz erzählt die Bibel von einer seltsamen Begebenheit.

Da ist eine Frau, deren Herz brennt für Jesus. Vielleicht hat er ihr früher einmal geholfen, wir wissen es nicht. Sie will nur dies: Ihm ihre Liebe zeigen. Dafür hat sie kostbare Parfüms und Öle besorgt. Hat jede Menge Geld ausgegeben, um Jesus etwas Gutes zu tun. Etwas überflüssig Gutes, zweifellos. Wir hören, wie die Frau Jesus mit den sündhaft teuren Parfüms und Ölen übergießt. Einfach so. Er soll ihre Leidenschaft spüren, es sich gut gehen lassen – keinen weiteren Sinn erfüllt diese verrückte Aktion. Die Frau will Jesus, den Sohn Gottes, ehren.

Bei denen, die das sehen, regt sich lautstarker Protest. Wie lässt sich solche Verschwendung verantworten? Wieviel Gutes hätte man mit dem Geld tun können! Die Welt ist voller Armut. Viele haben nicht einmal das Nötigste, um satt zu werden und sich zu kleiden. Jeder Cent könnte da helfen – und hier wird Geld mit vollen Händen zum Fenster hinausgeworfen.

Sinnfreier Luxus - auf Kosten dringend nötiger Fürsorge. Wem nützt solche Leidenschaft? Vielleicht nützt sie gerade denen, die nichts beitragen können zu einer Welt, in der alles auf Nutzen und Gewinn aus ist – und in der jeder etwas bringen muss.

Jesus sagt: Lasst die Frau, sie hat eine schöne Tat an mir getan. Das sagt der, der immer klar auf der Seite der Armen und Benachteiligten war. Der freut sich an einer „schönen Tat“. An einer Geste der Leidenschaft. Nicht gewinnbringend, aber rundherum wohltuend. Nicht nützlich, aber mit umso mehr wärmendem und leuchtendem Glanz.

Ohne gute und nützliche Werke der Vernunft wäre unser christlicher Glaube tot. Ohne die schönen und überflüssigen Taten der Leidenschaft verlöre der Glaube seinen Glanz, seine Wärme und seine Ausstrahlung.

Einen leidenschaftlichen Tag wünscht Ihnen Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.

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