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Kirche in WDR 5 | 02.09.2017 | 06:55 Uhr

Schöpferisch

Guten Morgen!

Die Party ist vorbei. Auf der Fahrt nach Hause denke ich über ein Ehepaar nach, das ich kennengelernt habe.

Er: Technisch bestens ausgestattet. Mit SmartWatch am Handgelenk. Ein kleiner Computer, der anzeigt: sind Emails eingegangen oder eine SMS, gibt’s was Neues auf Facebook oder Twitter. Interessiert frage ich mit einigen anderen Partygästen nach. Künftig werden solche Uhren noch mehr können: Ich muss mir zum Beispiel nicht mehr merken, wo ich geparkt habe. Via Uhr werde ich Kontakt zu meinem Auto aufnehmen und auf dem kleinen Display die Parkposition angezeigt bekommen. Und wenn ich meinem Liebsten zeigen will, wie verliebt ich bin: Meine Uhr wird ihm meinen Herzschlag übermitteln. Den hat sie am Handgelenk gemessen… Ich schwanke zwischen Faszination, Begeisterung und einem mulmigen Gefühl. Doch jetzt landen wir erstmal von der Uhr beim Smartphone des Gastes. Und da ist ein sehr hübsches Foto drauf zu sehen. Eine Märchenfigur. Ein Prinz, dessen offener Blick mich gleich in seinen Bann zieht. Und der führt uns zur Ehefrau des Uhren-Besitzers. Eine junge Illustratorin. Sie kreiert Puppen. Die fotografiert sie und gestaltet daraus Bildergeschichten. Und daraus stammt nun der wunderschöne, junge Prinz. In grünen Samt gekleidet. Lange, rotblonde Wuschelmähne. Große freundliche blaue Augen. Verschmitztes Lächeln. „Der lebt ja richtig“, sage ich erstaunt.

Seine Schöpferin freut sich über meine Begeisterung und erzählt mit leuchtenden Augen, wie sie die Puppen erschafft. Die Nase des Prinzen zum Beispiel. Die ist nicht von vornherein geplant. Nein. „Ich fange an und modelliere“, sagt die Künstlerin. „Und dann fängt irgendwann die Puppe an zu leben und mit mir zu sprechen. `Nein, nicht diese Nase. Länger muss sie sein`, sagt sie mir. Und dann mach ich ihr halt eine längere Nase.“

Tatsächlich erinnert die Nase des Prinzen ein bisschen an Pinocchio. Aber gerade diese Besonderheiten geben den Puppen ihr unverwechselbares Gesicht.

Nun kann man ja sagen: Das ist mal wieder typisch weiblich. Typisch männlich. Der Mann interessiert sich für die Technik und die Frau für Puppen. Aber bitte, das ist hier gar nicht der Punkt. Es geht um das, worüber gestern Christen am „Ökumenischen Tag der Schöpfung“ nachgedacht haben: Der Mensch hat die Aufgabe, mit der Umwelt gut umzugehen. Sie nicht so auszubeuten, dass am Ende der Kollaps der Erde steht.

Und: Der Mensch hat die Fähigkeit, diese Erde zu gestalten: Technik, Kunst und Wissenschaft können Mensch und Umwelt helfen und Gutes bewirken.

Um die Grenzen, wo aus Segen Fluch wird, müssen wir immer wieder ringen. Was auf keinen Fall passieren darf: Dass wir uns so sehr von der Technik bestimmen lassen, dass wir wichtige Fähigkeiten verlieren:

Wenn ich mich ständig via Bildschirm mit den Nachrichten meiner Facebookfreunde beschäftige und nicht mal selbst mit eigenen Händen kreativ werde oder in den direkten menschlichen Kontakt gehe – verliere ich vielleicht meine Antennen für alles, was nicht mit technischen Mitteln messbar ist. Meine Intuition. Meine schöpferischen Kräfte, die muss ich manchmal erst wie einen Schatz heben und mir Zeit und Ruhe dafür nehmen. „Nicht diese Nase. Ich will eine andere“ – diese Stimme muss ich ja erst einmal wahrnehmen. Und wenn ich dann die Technik nutze, um Schönes und Wertvolles mit anderen zu teilen – da freut sich der Schöpfer der Welt ganz sicher mit dran.

Das meint Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.

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