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Kirche in WDR 2 | 20.03.2018 | 05:55 Uhr

Schweigekönner

Können Sie schweigen? Ich meine jetzt nicht für fünf Minuten die Klappe halten oder den Drang unterdrücken die Kollegen in der Kaffeepause vollzuquatschen, sondern ich meine: „Können sie schweigen, wenn ihnen jemand ein Geheimnis anvertraut?“. Können sie schweigen, wenn jemand Ihnen sein Herz ausschüttet? Wenn dieser jemand sich einfach Luft machen will, weil er es einfach nicht mehr erträgt mit seinen Gedanken allein zu sein? Können Sie der Versuchung wiederstehen solche Neuigkeiten zu verbreiten, auch wenn sie Ihnen unter den Nägeln brennen oder ihr Chef oder einer ihrer Freunde sie unbedingt von Ihnen erfahren will? Wenn Sie das können, dann haben sie einiges mit dem Heiligen Johannes Nepomuk gemeinsam, der heute vor 625 Jahren in Prag gestorben ist.

Johannes Nepomuk war der Sage nach Beichtvater der Königin von Böhmen, die mit einem sehr eifersüchtigen Ehemann geschlagen war. Dieser König mit Namen „Wenzel des Faule“ wollte nun Johannes Nepomuk zwingen, dass dieser das Beichtgeheimnis bricht und ihm alles berichtet, was die Königin in der Beichte erzählt hat, um zu erfahren, ob seine Frau ihn betrügt. Johannes Nepomuk weigerte sich standhaft und wurde schlussendlich auf Anweisung des Königs in der Moldau ertränkt. Diese Standhaftigkeit machte Johannes Nepomuk zu einem Star unter den Heiligen. Er wurde unheimlich beliebt und zu einem der meist verehrten Christen des Mittelalters und der Neuzeit. Dabei hat er kein Leben gerettet, keine Hungersnot beendet oder wenigstens die Staatsschulden gesenkt, sondern „nur“ das Ideal des Beichtgeheimnisses verteidigt. Bis zum Ende. Und das ist eben etwas, was Menschen begeistert. Jemand der gewaltlos zu seinen Überzeugungen steht, auch wenn es ihm Schaden einbringt.

Mit dem Beichtgeheimnis hat Johannes Nepomuk einen wichtigen Teil der Beichte verteidigt, über den heute wenig gesprochen wird. Für die meisten ist die Beichte ein vergessenes oder gar überflüssiges kirchliches Sakrament. Dabei bietet sie, neben ihrer eigentlichen Bedeutung, eine einmalige Chance. Sie können zu jemandem gehen und ihm tiefe und vielleicht sogar unangenehme Geheimnisse anvertrauen und sie können völlig sicher sein, dass er den Inhalt ihres Gesprächs niemanden verraten wird. Sie müssen dafür nichts bezahlen, keine Folgetermine vereinbaren und sie können die Sache völlig anonym erledigen, wenn sie das wollen. Im Idealfall werden sie sogar Steine los, die ihnen auf der Seele liegen.

Natürlich kann man auch sehr gut ohne Beichte leben und ich selbst gehe auch nicht besonders oft hin, aber ich bin trotzdem froh, dass ich die Möglichkeit dazu habe.

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