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Kirche in WDR 3 | 20.06.2018 | 07:50 Uhr

Seelsorge auf dem Wochenmarkt

Guten Morgen.

Heute ist in meiner Stadt Markt. Der Markt von Bottrop ist ziemlich groß und weit über die Stadtgrenze hinaus beliebt.

Dort gibt es nicht bloß billige Schuhe, Pullis und Kleider, sondern vor allem Obst und Gemüse. Und vieles direkt vom Bauernhof. Willis eigene Apfelzüchtung oder köstliches Schwarzbrot. Auch die Verkäufer kommen gerne her wie die betagten Eltern eines Bauern. Sie stehen immer noch gerne selbst hinter dem Stand. Der Kontakt zu den Kunden ist für sie Lebenselixier.

Der Fischhändler hat manchmal mehr Freude am Erzählen als am Verkaufen. Er kennt die halbe Stadt und wäre vielleicht lieber Musiker geworden. Man kennt sich oder lernt sich kennen. Das ist das Schöne, wenn ich auf den Markt gehe. Ich fülle nicht nur meine Vorräte auf. Sondern ich begegne interessanten Menschen. Wie der Käsefrau. Bis vor zwei Jahren hatte sie hier ihren Wagen. Bei ihr gab es nicht nur viele interessante Käsesorten. Sie hatte ihre Käsetheke gut im Griff, genauso wie ihren Schwiegersohn. Der stand mit ihr hinter der Theke. Oder auch schon mal neben dem Wagen. Eine rauchen. Die Käsefrau kannte ihre Kunden gut. Sie wusste, wer zu Hause jemanden zu pflegen hatte, wer allein für die Kinder sorgen musste, oder wen gerade wieder das „Zipperlein“ gepackt hatte. Die Käsefrau hörte zu. Und am Ende gab´s ein Stück Käse für den Weg.

Den gab´s genauso umsonst wie das geduldige Zuhören.

Einmal sagte sie augenzwinkernd zu mir: „Na, als Pastor sind sie ja fast ein Kollege von mir.“ Ich konnte ihr nur zustimmen. Außerdem widersprach man ihr auch besser nicht.

Sie war tatsächlich so etwas wie eine Seelsorgerin für ihre Kunden und hat an Markttagen wahrscheinlich mehr Gespräche geführt als ich am gleichen Tag. Mittlerweile hat die Käsefrau ihr Geschäft übergeben und sich zur Ruhe gesetzt.

Wo ihre Kunden jetzt wohl hingehen, wenn sie nicht bloß Käse suchen?

Direkt hinter dem Käsewagen steht die Hauptkirche von Bottrop, St. Cyriakus. Während der Marktzeit gehen immer wieder Menschen hinein, für ein Gebet. Einige zünden Kerzen an. Doch die Beichtstühle sind verwaist.

Seelsorge findet heute häufig woanders statt, nicht nur bei professionellen Seelsorgern der Kirchen.

Die braucht es auch, bei Unfällen zum Beispiel oder in besonderen Lebenssituationen. In der Begleitung von Kranken oder wenn es darum geht, Abschied zu nehmen.

Aber viel öfter braucht es schlicht Menschen, die einfach nur zuhören. Männer und Frauen wie die Käsefrau, die sich anderen zuwenden, die freundlich, vertrauenswürdig und lebenserfahren sind.

Es braucht nur zwei offene Ohren und etwas Zeit. Mehr nicht. Alles andere wird sich geben. Alles andere wird Gott geben. Darauf vertraue ich, bei jedem Gespräch.

Ich wünsche Ihnen heute ein gutes Gespräch. Sei es, dass Sie jemandem zuhören, oder dass Ihnen jemand zuhört. Und vielleicht hören Sie dabei nicht bloß Ihr Gegenüber, sondern auch Gottes Stimme.

Ihr Pastor Heinz-Bernd Meurer aus Bottrop.

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