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Kirche in WDR 4 | 01.11.2014 | 08:55 Uhr

Sehnsucht nach der Stadt der Heiligen

Wenn ich San Francisco höre, denke ich nicht gleich an den Heiligen Franziskus. Ich denke vielmehr an die Stadt in Kalifornien mit der Golden Gate Bridge. Aber – kein Zweifel, die Stadt trägt den Namen des Heiligen Franz von Assisi. Franziskanermönche haben das bewirkt. Ab 1769 haben sie nämlich an der Westküste Amerikas einundzwanzig Missionsstationen errichtet, jeweils einen Tagesritt voneinander entfernt über fast 1000 Kilometer hinweg. Und alle Stationen bekamen Namen von Heiligen: San Diego, Santa Barbara, San Jose, oder auch San Gabriel Arcángel, das heutige Los Angeles. Damals ging es den Missionaren nicht bloß um Glaubensverbreitung unter den einheimischen Indios. Es ging auch darum, spanische Besitzansprüche zu sichern, denn die Mönche bauten auch im Auftrag der spanischen Krone: Dieser Teil Amerikas war nämlich noch nicht von den Europäern erobert worden.

Wahrscheinlich wollte man damals die einzelnen Gründungen unter den besonderen Schutz dieser Heiligen stellen. Das Tragische mit diesem Schutz ist: Ausgerechnet Los Angeles, also die Stadt der Engel, hat heute eine der höchsten Kriminalitätsraten in den USA. Vielleicht müsste man Los Angeles deswegen eher Sodom oder Gomorra nennen. Was könnte man dann übrigens von Sankt Pauli in Hamburg sagen – aber das erspare ich mir jetzt einmal, es mir auszumalen – immerhin der Stadtteil ist ja auch nach einem Heiligen benannt, dem Apostel Paulus nämlich.

Mir kommt da ein anderer Gedanke. Namen von Heiligen für Städte zu verwenden könnte doch auch eine andere Bedeutung gewinnen: Wie mir eine Stadt zur Heimat wird, wo ich mich zu Hause fühle, so soll mir dieser Heilige eine Heimat bereiten – in einer ewigen Stadt. Also kein Schutz hier auf der Erde – aber Geborgenheit für immer, im Jenseits. Das hört sich – zugegebenermaßen – etwas seltsam an, aber dahinter steht ein ganz altes christliches Motiv – und das hat mit dem heutigen Fest Allerheiligen zu tun.

Allerheiligen ist das Fest, wo es auch um die Beheimatung in einer Stadt im Jenseits geht. Es heißt, die Heiligen wären bei Gott, und dafür wird das Bild vom „himmlischen Jerusalem“ verwandt. Die Bibel spricht sogar davon, dass die Namen der heiligen Apostel auf den Grundsteinen dieser Stadt eingeschrieben sind (Offb 21,14). Die Stadt selber besteht aus reinem Gold, wie aus klarem Glas. Ihre Grundsteine sind kostbare Edelsteine und ihre Tore sind Perlen. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, sondern Gott selbst ist ihr Licht, so dass es dort keine Nacht mehr gibt (vgl. Offb 21,19ff.).

Die Bibel überschlägt sich hier bei der Beschreibung dieser Stadt der Heiligen. Aber die Vorstellung, dass ich für immer ein echtes Zuhause habe, eine Heimat im Bild einer Stadt, die keine Nacht kennt, das finde ich großartig. Das klingt für mich, wie die Hymne von Frank Sinatra an New York: “I want to wake up in that city that doesn't sleep!” Eines Tages aufzuwachen in der Stadt, die niemals schläft – nicht in New York aber in der Stadt der Heiligen, im himmlischen Jerusalem, das wäre doch eine Erfüllung der Sehnsucht nach Heimat und Zuhause – und zwar nicht nur an Allerheiligen.

Ihnen einen guten Tag.

Ihr Pater Philipp Reichling aus Duisburg

Copyright Vorschaubild: CCO Public Domain Pixabay

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