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Kirche in WDR 5 | 13.12. 2018 | 06:55 Uhr

Sehnsuchtszeit

Der Advent ist eine Sehnsuchtszeit: Und wenn ich die Lichterketten sehe, die schöne Musik höre und mir das Gebäck in die Nase duftet, dann sehne ich mich in meine Kindheitstage zurück.

Ich erinnere mich dann ans gemeinsame Plätzchenbacken mit meinem Bruder und meiner Mutter. Diese Zeit ist in meiner Erinnerung eine unbeschwerte Zeit. Ich hatte noch keinen Kalender und schon gar nicht jemanden, der über meinen Kalender bestimmt, wie das heute ist. Was waren schon meine Sorgen damals im Vergleich zu meinen Sorgen heute? Es war eine freie und gelöste Zeit, die ich mir heute als Erwachsene wünsche.

Die Adventszeit ist Sehnsuchtszeit: Viele Menschen wünschen sich in dieser Zeit Frieden – und ja keinen Streit.

Ja, und weil wir das dann gerade so erwachsen-perfekt und auf Knopfdruck haben wollen mit dem Frieden, kommt gerade dann Streit auf.

Ganz schön kindisch? Na ja, vielleicht nicht kindisch – aber utopisch. Denn die Utopie gehört zur Sehnsucht.

Wenn wir uns nach etwas sehnen, dann heißt das zugleich, dass es noch nicht da ist und nicht jetzt gegeben ist. Gedanklich gehen wir entweder in die Vergangenheit – also zurück in die Kindertage – oder in die Zukunft. Sehnsüchtig bin ich anderswo aber nicht da, wo ich jetzt bin.

Tja, das klingt jetzt gar nicht so erstrebenswert: Jemand, der nicht im hier und jetzt ist, mit dem arbeite ich zumindest nicht sonderlich gern zusammen.

Und mancher könnte jetzt auch noch anfügen: Sehnsucht macht abhängig: Ich mache die Erfüllung meiner Wünsche abhängig von anderen Menschen.

Jeder, der eine gescheiterte Beziehung erlebt hat oder gerade erlebt, weiß das: Die Hoffnung, die man für ein Leben zu zweit hatte, ist zerstört und die Sehnsucht dem anderen gegenüber wird jetzt zur offenen Flanke. Im schlimmsten Fall ist man bloßgestellt, weil all das Anvertraute jetzt Verhandlungsmasse ist für den Scheidungsanwalt.

Wäre es dann nicht besser, nur als Realist und Pragmatist durch die Welt zu gehen? Schön bodenständig zu bleiben und möglichst unabhängig von anderen?

Der Advent ist Sehnsuchtszeit und er sagt mir etwas Anderes zu: Traue deinen Sehnsüchten! Zum Advent gehören die Lesungen aus dem Altentestament. Diese uralten Sehnsuchtslieder, des Volkes Israel. „Das Volk, das im Dunkeln wandelt, sieht ein großes Licht“, heißt es beim Propheten Jesaja.

Und ja: es ist eine Utopie, die da besungen wird. Aber sie trägt. Auch wenn das Volk Israel jetzt noch im Dunkeln unterwegs ist, so sieht es jetzt schon ein Licht. Es ist das Licht, so der biblische Text, das von der Dunkelheit nicht verschluckt wird. Das ist da und das bleibt. Dieses Licht ist für Christen Jesus Christus. Meine Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit findet bei ihm ihre Erfüllung. Gott hält seine Zusage. Mit ihm wage ich es, meine Sehnsucht zu leben: Meine Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit, weil ich glaube, dass ich sie in ihm habe.

Kommen Sie gut in den Tag, Ihre Bernadette Schwarz-Boenneke aus Köln.

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