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Kirche in WDR 2 | 06.02.2015 | 05:55 Uhr

Sehschule Jesus

Der unförmige, dicke Junge hat es nicht leicht. Im Sport ist er schlecht, zu langsam. Er schwitzt schnell. Immer wieder muss er dumme Kommentare seiner Mitschüler ertragen. Sie nennen ihn den „Wrestler“. Für den 15jährigen traurig wie frustrierend.

An einem Wintermorgen auf dem Weg zur Schule, sieht er vor dem Schulhof einen unbekannten jungen Mann. Der Fremde trägt eine Schuluniform, aber irgendetwas stimmt nicht, das erkennen alle sofort. Einige brüllen voller Panik „Attentäter, ein Attentäter“ und rennen weg. Nicht so Aitizaz. Er geht auf den Angreifer zu und sagt zu seinen Mitschülern „Ich werde ihn aufhalten“.

Der Terrorist, mit den sechs Kilogramm Sprengstoff um den Bauch, hat keine Zeit, nachzudenken als der massige Junge auf ihn zukommt. Er zündet die Bombe. Ein lauter Knall erschüttert den Schulhof, Fensterscheiben bersten. Aitizaz und der Attentäter sind sofort tot. Doch unzähligen anderen rettete der 15jährige Junge mit seinem Eingreifen das Leben.

Nie hätten ihm seine Mitschüler diese Tat zugetraut. Man hatte ihn in eine ganz andere Schublade gesteckt. Das ist der sogenannte Halo-Effekt. Es handelt sich um einen Wahrnehmungsfehler, dem wir alle ständig erliegen. Der Halo-Effekt ist eine unbewusste Wahrnehmungsverzerrung, die sich bei jeder Begegnung mit anderen Menschen unwillkürlich vollzieht, sei es mit einer vertrauten oder unbekannten Person.

Bei der Beurteilung anderer greifen wir uns eine Eigenschaft oder einen Eindruck heraus. Diese von uns gewählte Eigenschaft 'überstrahlt' dann andere Eigenschaften und führt direkt zu einem Gesamturteil über diesen Menschen. Letztendlich kategorisieren wir andere Menschen genauso wie wir z.B. Autos oder Gemüsesorten kategorisieren. Wir wissen ob sie klug, lieb, fair, oder konservativ sind. Im Fall des jugendlichen Lebensretters wussten die Gleichaltrigen wie Dicke angeblich sind. Wir wissen wie unsere Nachbarin, unser Partner oder unser Chef ist. Das ist normal, aber nicht hilfreich.

Schon allein die Tatsache, dass wir um unseren Wahrnehmungsfehler wissen, kann uns helfen, Menschen besser zu beurteilen. Festgefahrene Meinungen zu überdenken. Versuchen wir es mit einem neuen Blick. Gehen wir bei Jesus in die Sehschule. Frei nach dem ZDF Werbespot „MIT DEM ZWEITEN SIEHT MAN BESSER“.

Sein Blick war völlig anders. Die Liste der Leute, die er anders einschätzte als seine Jünger, seine Familie oder die Pharisäer ist lang. Viele Außenseiter: Prostituierte, Zollbeamte, Ausländer hatten im wahren Sinne des Wortes bei ihm ein anderes ANSEHEN.

Wenn wir Menschen wie Jesus in den Blick nehmen, dann schauen wir offen und mit Liebe. Außerdem richten wir unseren Blick in die Zukunft und linsen nicht immer rückwärts. Fragen uns vielmehr: Was hat Gott mit diesem Menschen noch vor? Und was können wir tun, um ihn zu unterstützen.

Wir sollten uns als Experten für die richtige Fragen empfehlen, nicht für die Antworten. Nicht wissen, was Sache ist, sondern sich immer wieder neugierig und fragend nähern. Trainieren wir unsere Sehgewohnheiten. Schauen wir genauer hin. Welche Schatten liegen auf dem Leben meiner Eltern, welche Angst schränkt meinen Kollegen ein, welcher Schmerz meiner Freundin verheilt nicht, welche Wut lässt mein Kind nicht los, welche Zuneigung kann ich nicht zeigen? Es ist gut und richtig, alles zu prüfen und alles in Frage zu stellen, um das Gute, das Göttliche zu sehen und es zuzulassen.

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