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Kirche in WDR 5 | 31.03.2014 | 06:55 Uhr

Selbstwachsende Saat

Mitten im Frühling – Sommerzeit, lieber Hörer, liebe Hörerin!

In der Nacht zum Sonntag wurden die Uhren vorgestellt. Ich hab´s heute Morgen gespürt. Gefühlt klingelte der Wecker eine Stunde zu früh. Die innere Uhr kommt nur allmählich mit. Sie braucht noch Zeit.

In den Gärten und auf den Feldern dagegen herrscht Aufbruchsstimmung. Die ganze Natur macht sich auf in die Sommerzeit. Das Grün sprießt aus den Zweigen. Die Vögel haben Nester gebaut und vorgesorgt. Der Nachwuchs kann kommen. Jetzt im Frühling wird gesät und gepflanzt. Äcker werden gepflügt und geeggt. Frühling ist Aufbruchszeit. Es gibt viel zu tun.

Und was für die Bauern Pflicht ist, bereitet auch den Hobbygärtnern nicht nur das reine Vergnügen. Alle, die gern säen, pflanzen, ernten, wissen sofort, worum es geht, wenn Jesus erzählt: „Ein Mensch streut Samen aus.“

Noch ehe Jesus weiterspricht, geht es in den Köpfen der Leute um ihn herum schon los. Wie eine Art inneres Kino: Mit dem Säen ist es ja nicht getan, Jesus. Wer sät, auf den kommt jede Menge Arbeit zu. Er muss den Boden lockern und wässern. Er muss Steine wegräumen, den Acker jäten und die Saat beobachten. Kurzum: Er muss sich kümmern. Wer will, dass etwas wächst und blüht und gedeiht, muss sich richtig Mühe geben. Das ist nicht nur im Garten und auf dem Feld so. Wer Erfolg haben will, muss sich anstrengen. Im Beruf, in der Schule, in menschlichen Beziehungen. Von nichts kommt schließlich nichts, weiß der Volksmund aus Erfahrung. Und: Jeder ist seines Glückes Schmied.

„Ein Mensch streut Samen aus.“ Wer Jesus zuhört, ahnt die Mühe, die nun folgt. Und ist verblüfft, wenn Jesus dann ganz anders fortfährt: „Der Mensch schläft und steht wieder auf, Nacht und Tag. Er schläft und steht auf, schläft und steht auf, Nacht und Tag, Nacht und Tag, schläft und steht auf. Und der Same geht auf und wächst.“ (Markus 4,26-29) Das überrascht. Das irritiert. Die Jesus damals zuhören, haben damit nicht gerechnet. Ich auch nicht. Und ich stelle mir vor:

Bei manchen kommt Widerspruch auf. Hier und da sogar Ärger. Bei Landwirten zum Beispiel: Ja, so mögen sich ahnungslose Stadtmenschen das Leben eines Bauern vorstellen. Ländliche Idylle mit lila Kühen; ein bisschen auf dem Traktor sitzen, fröhliche Lieder pfeifen, sich von der Sonne bräunen lassen - und alles andere geschieht von selbst. Schön wär´s! Von alleine wachsen nur die Schulden.

Oder bei Unternehmern. Wirtschaft braucht Wachstum. Das muss aktiv angekurbelt werden. Man muss den Bedarf anleiern. Den Wettbewerb fördern. Ohne Wachstum keine Arbeitsplätze. Wer heute mithalten will, der muss hellwach und flexibel sein. Eher fünf Stunden Schlaf als acht. Sonst fegt der Markt dich weg. Von alleine wächst gar nichts.

„Ein Mensch streut Samen aus“, erzählt Jesus. „Und schläft und steht auf. Nacht und Tag. Der Same geht auf und wächst – und der Mensch weiß nicht wie.“

Von selbst wächst die Saat. Niemand kann ihr Wachstum erzeugen oder beschleunigen. Es ist unserem Machen entzogen. Ein Wunder. Kein Bauer kann die Halme aus der Erde ziehen. Keine Mutter macht ein Kind groß. Kein Orchideenfreund bringt die wunderbaren Blüten an den Pflanzenstängeln hervor. Ich kann nicht selbst bewirken, dass mein Rat, mein Trost, meine Warnung bei anderen etwas auslösen. Es geschieht – und wir wissen nicht wie.

„Ein Mensch streut Samen aus.“ Und dann braucht’s vor allem Ruhe und Gelassenheit. Zeit für Gottes Segen. Vor allem deshalb wurden die Uhren in der Nacht zum Sonntag vorgestellt: Damit es am Abend noch helle Stunden gibt, um nach allem Tun auch das Lassen zu genießen.

Was immer Sie heute säen werden: Vertrauen Sie darauf, dass auch Ihre Saat Frucht bringt!

Das wünscht Ihnen

Ihre Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.

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