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Kirche in WDR 4 | 22.10.2014 | 08:55 Uhr

Selig, die Trauernden.

Guten Morgen!

Im Jahr 1967 veröffentlichten die Psychologen Alexander und Margarete Mitscherlich das Buch: "Die Unfähigkeit zu trauern". Die Autoren zogen darin eine Bilanz über den Umgang der Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit. Ihr Resümee fasst der Titel ihrer Veröffentlichung trefflich zusammen: "Die Unfähigkeit zu trauern". Geprägt vom Trauma des Krieges lebte nach dem Urteil der Psychologen die junge Bundesrepublik in einem gewaltigen Verdrängungsprozess. Eine wirkliche Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit, eine wirkliche Trauer, blieb aus. Dieser Verdrängungsprozess zeigte sich in einem rasanten Wiederaufbau und einem schnell wachsenden wirtschaftlichen Wachstum. Auch wenn man den Autoren in allen ihren Überlegungen und Thesen nicht unbedingt folgen muss, vieles spricht für die Diagnose von der Unfähigkeit zu trauern.

Die Unfähigkeit zu trauern, ist – und das sagen die Psychologen auch – keine gesunde Haltung. Das gilt für die Gesellschaft im Ganzen wie für den Einzelnen. Sie nicht zuzulassen, kann krank machen. Die Trauer zu zeigen hilft dagegen Verlust und Schicksal zu verarbeiten und zu ertragen. Trauern ist aktive Arbeit und nicht nur ein passives Geschehen, das sich automatisch vollzieht.

Das gilt zunächst und vor allem bei persönlichen Schicksalsschlägen wie dem Tod eines lieben Menschen, der Mutter, des Vaters der Partnerin oder des Partners. Ich meine aber, die Frage nach der Trauer muss sich auch weiter erstrecken: Wie ist es bei den vielen Unheilsnachrichten und humanitären Katastrophen, die tagtäglich auf uns einströmen, kann da auch getrauert werden oder setzt da nicht gerade der Mechanismus der Verdrängung ein? Ich beobachte die Folgen dieser Verdrängung daran, dass nach einer Katastrophe die Spendenbereitschaft schon bald abschmilzt die Katastrophengebiete von den Berichterstattern nicht mehr aufgesucht werden und damit die Information, wie es den Menschen in diesen Krisengebieten geht, ausbleibt. Am konkreten Beispiel gesagt: Über Lampedusa spricht heute niemand mehr, das liegt auch in Süditalien, sollen sie doch da mit dem Problem fertig werden. Verdrängen statt trauern.

In der Bergpredigt preist Jesus selig, die trauern können, das heißt denen der Zustand der Welt und des Menschen nicht gleichgültig ist. Gemeint ist damit wohl, dass diejenigen selig sind, die nicht nur an ihrem eigenen Schicksal leiden, sondern auch an dem der anderen mitleiden. Diese Trauer umfasst nach meinem Verständnis auch das Elend der Seelen, das heißt die Verwüstung des menschlichen Verhaltens in der Sünde.

Die Bergpredigt spricht damit von einer Trauer, die nicht halt macht vor der eigenen wie der fremden Erbärmlichkeit. Das Lob der Trauernden ist übrigens die zweite der acht Seligpreisungen. Sie schaut auf den, der ein mitfühlendes Herz hat für seine Mitmenschen und Mitgeschöpfe. Nichts widerspricht dem Evangelium Jesu mehr als eine bleibende und verhärtete Unfähigkeit zu trauern. Denn wer um sich und andere weinen kann, der ist auch mehr empfänglich für wirklichen Trost, der mehr ist als Beschwichtigung, und keine Verdrängung nötig hat. Trost und Zuwendung machen darüber schließlich auch frei, solidarisch mit anderen Menschen zu sein.

Aus Köln grüßt sie Prälat Josef Sauerborn

Copyright Vorschaubild: CCO Public Domain Pixabay

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