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Das Geistliche Wort | 24.11.2013 | 8:40 Uhr

Selig sind die Toten

Musik: Ein deutsches Requiem (Johannes Brahms)

2. Symphonie „Auferstehung“ (Gustav Mahler)

Air, Orchestersuite Nr. 3 (Johann Sebastian Bach)

Autor: Guten Morgen. Ich heiße Gerd Höft, bin evangelischer Pfarrer und wohne in Düsseldorf.

Seit einigen Tagen haben in manchen Städten bereits die Weihnachtsmärkte geöffnet. Glühwein, Lebkuchen, Bratwürste, Poffertjes, Geschenkebuden, Weihnachtsmusik. Die Älteren unter uns mögen das nach wie vor mit etwas Unbehagen beobachten. Aber auch nur die, die noch im christlichen Jahreskalender zuhause sind. Die wissen, wir stehen am Ende der stillen Woche: begonnen hat sie mit dem Volkstrauertag. Der soll an die Toten von Krieg und Gewalt erinnern. In der Mitte der Bußtag. Der mahnt an eine ganz persönliche Umkehr vom falschen in ein richtiges Leben. Und heute der Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag genannt. Der ist der unangenehmste von allen. Er erinnert unmissverständlich an die Endlichkeit von allem, auch an unsere, an unseren unausweichlichen Tod.

Mitten im beginnenden Weihnachtstrubel steht er da, sperrig und quer und lässt sich nicht weichspülen. Unerbittlich in seiner Wahrheit, wie sie im ersten Petrusbrief steht:

„Alles Fleisch, es ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen.“ (1. Petrus 1,14)

Musik: Einsatz Chor: „Denn alles Fleisch…“

Autor: Wuchtig die Sätze wie die Musik wie das Thema: der Tod. Unabwendbar, unaufhaltsam. Die Herrlichkeit des Menschen? Nichts! All unser Tun und Schaffen? Nichts. Verdorrtes Gras, abgefallene Blumen - das sind wir, irgendwann. Können wir damit leben? Mit dieser Erkenntnis? Normalerweise verdrängen wir ja gerne diese Gedanken. Das ist auch nicht verkehrt. Solange wir leben, sollen wir leben. Es ist gefährlich, im Leben zu viel an den Tod zu denken – es könnte das Leben kosten. Und doch ist es auch nicht gut, die Augen zu verschließen.

Musik: Herr, lehre doch mich…

Sprecher: Herr, lehre doch mich, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss. Siehe, meine Tage sind eine Handbreit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es einbringen wird.

(Ps. 39,5-7)

Autor: Wissen wir alles. Vom Kopf her. Klar, niemand ist unsterblich. Einmal ist Schluss. Schon. Aber was tun wir dennoch nicht alles, um unserem Tod noch etwas Zeit abzutrotzen. Die Medizin hat sich zum Teil in eine gigantische Lebensverlängerungsmaschinerie entwickelt. Immer neue Medikamente, immer neue Apparate, neue Organe, von irgendjemandem gespendet, der es hinter sich hat. Nur um das Unausweichliche noch etwas hinauszuschieben. Unser Leben währt 80 Jahre, 90 Jahre und immer weiter – und doch nach wie vor die Angst. Angst ohne Ende vor dem Ende.

Sprecherin: Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.

Autor: Ach, Rainer Maria Rilke! Selbst deine wundervollen Verse können uns über die unabdingbare Endlichkeit unseres Lebens nicht hinwegtrösten. Er wird mehr tun, der Tod, als in uns weinen. Mit leichter Gebärde nimmt er alles.

Das alles ist schwer auszuhalten. Und doch muss gerade das sein. Wer den Tod nicht wahrhaben will, wer Zeit seines begrenzten Lebens immer so tun will als müsse man nur die Augen fest verschließen, und dann würde er, der Tod, uns nicht mehr sehen; der Tod, der selbst ohne Augen einen jeden von uns finden wird. So werden wir Zeit unsres Lebens auch unserer Angst vor dem Tod nicht Herr werden. Und die Weisheit jener biblischen Zeilen wird uns nicht erreichen:

Sprecher: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. (Hebr. 13,14)

Autor: Die zukünftige Stadt. Der Ort, an dem alles aufgehoben sein wird: die Angst, der Tod, das Leben. Der Ort des großen Ausblicks, der Ruhe, der Erfüllung. Ja, es ist Zeit von ihr zu reden, der Auferstehungshoffnung, von der Hoffnung, dass alles in den Armen Gottes enden wird und nicht unter den Knochenhänden des Sensenmannes. So hat es der Apostel Paulus versprochen:

Sprecher: Christus ist auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: wir werden alle verwandelt werden, die Toten werden auferstehen unverweslich, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit; dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht. Der Tod ist verschlungen vom Sieg. (1. Kor. 15)

Musik: „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“

Autor: Große Worte, wuchtige Worte. Der Tod des Todes. Auferstehung. Unsterblichkeit.

Sprecherin: Aufersteh’n, ja aufersteh’n wirst du,

Mein Staub, nach kurzer Ruh!

Unsterblich Leben

Wird, der dich rief, dir geben.

Wieder aufzublüh´n, wirst du gesät!

Der Herr der Ernte geht

Und sammelt Garben

Uns ein, die starben.

(Quelle: http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=22726)

Autor: Gustav Mahler hat in seiner zweiten Symphonie diese Verse Friedrich Gottlieb Klopstocks vertont. Aber auch einige Verse aus eigener Feder hinzugefügt. Eine hoffnungsfrohe Verdeutlichung kam dabei heraus:

Musik: „ Was entstanden ist

Das muss vergehen!

Was vergangen, auferstehen!

Hör auf zu beben!

Bereite dich zu leben!“

(Mahler, 2.Symphonie, Track 5, 24.30-26.15)

Sprecherin:(Overvoice)Was entstanden ist,

das muss vergehen!

Was vergangen, auferstehen!

Hör auf zu beben!

Bereite dich zu leben!

Autor: So einfach? Das eherne Gesetz des Sterbens zerbröselt von unserer Glaubenshoffnung? Nicht ganz so einfach. Der recht berühmte Sänger Harry Belafonte wurde einmal in einem Interview kurz vor seinem 80. Geburtstag nach seiner Haltung zum Leben nach dem Tod gefragt. Seine Antwort:

Sprecher: „Ich finde die Vorstellung reizvoll, dass da noch etwas Tolles kommt. Aber ich fürchte, ich werde als Pflanzendünger enden.“

Autor: Ja, das ist sicher: Unser Körper wird im Tod vergehen. Er ist und bleibt ein Madensack, wie Martin Luther so treffend bemerkt. Aber nicht unser Leben wird vergehen. Unser Lebensfaden wird nicht abreißen. Durch den Tod hindurch wird er ins ewige Leben reichen. Weil Gott die Macht des Todes gebrochen hat, wird das Leben immer weiter gehen; meines, Ihres, immer weiter, unaufhörlich. Und darum dürfen wir dem Tod auch die Stirn bieten; mit Furcht und Zittern - aber auch trotzig.

Sprecherin: Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,

hat Gewalt vom lieben Gott,

heut wetzt er das Messer,

es schneid’t schon viel besser,

bald wird er drein schneiden,

wir müssen‘s nur leiden.

Hüte dich, schöns Blümelein.

Trotz!

Tod, komm her, ich fürcht‘ dich nicht!

Trotz!

Eil daher in einem Schritt.

Werd‘ ich nur verletzet,

so werd ich versetzet

in den himmlischen Garten,

auf den alle wir warten.

Freu‘ dich, schöns Blümelein.

(Volksgedicht)

Musik: Air (Bach)

Sprecherin: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. (Off. 14,13)

Autor: Auch wenn wir Christen über den Tod hinaus hoffen, in unserem Leben wird er seinen Schrecken behalten. Wir werden vergehen und fallen. Aber in Gottes Hand, wie geschrieben steht: „Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rührt sie an.“ (Weisheit 3,1)

Dass Sie dies glauben können, ab und an – wünscht Ihnen Pfarrer Gerd Höft von der Evangelischen Kirche.

Musik: Air

Musikinformationen:

Musik 1:

CD-Name:Brahms – Ein deutsches Requiem

Track-Name/-Nr.:2,3+6

Komponist:Johannes Brahms

Textdichter:Die Bibel

Label:00173 – Deutsche Grammophon

Dirigent:Herbert von Karajan

Musik 2:

CD-Name:Sanctus

Track-Name/-Nr.:10, Air aus der Orchestersuite Nr. 3

Interpret:Berliner Philharmoniker

Komponist:Johann Sebastian Bach

Verlag:Deutsche Grammophon Gesellschaft

LC-Nr.0173

Label:unbekannt

Musik 3:

CD-Name:Mahler – 2. Symphonie

Track - Nr.:5

Komponist:Gustav Mahler

Interpret:Milan Horvath

Verlag:zyx classic

LC-Nr.:7256

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