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Kirche in WDR 2 | 18.04.2015 | 05:55 Uhr

Selig sind (Matthäus 5,9)

Manchmal ist es gut, sich zu erinnern, woran man selbst noch glaubt.

Vor ein paar Tagen stolperte ich über die sog. Bergpredigt Jesu. Diese Rede ist nicht irgendeine Stelle in der Bibel. Sie ist das Programm des Nazareners. So stellte er sich die Welt Gottes vor. So stellte er sich der Welt vor. Er beginnt:

Selig die Armen

Selig, die auf Gewalt verzichten

Selig, die nach Gerechtigkeit lechzen.

Dieses „Selig“ war damals eine poetische Begrüßungsformel: selig der Mann, dessen Frau gut kochen kann. Selig die Frau, deren Mann trotzdem nicht dick geworden ist. Glücklich die Eltern, deren Kinder gelungen zu sein scheinen. Mit diesem respektvollen Gruß gratulierte man dem Wohlhabenden zu seinem Reichtum, dem Gastgeber zu seiner Familie usw. Es war zugleich eine Art Wunsch: es möge so bleiben, wie es ist bzw. noch besser werden.

Interessant ist nun, wen Jesus zu Beginn seiner programmatischen Rede auf diese Weise, mit solcher Wertschätzung begrüßt. Jesus hielt seine erste öffentliche Rede in seiner Heimat Galiläa. Viele kamen. Galiläa war übrigens eine Gegend, in der man besser nicht wohnte, wenn man Arbeit suchte. Die frommen Juden und vor allem die Römer hielten die Gegend für gottverlassen. Galiläa war ein bekanntes Rückzugsgebiet der damaligen Aufständischen gegen Rom. „Was kann aus Galiläa schon Gutes kommen?“ so ein Sprichwort.

Bei den neugierigen Zuhörerinnen und Zuhörern muss man sich Leute vorstellen, von denen viele nicht nur arm, sondern auch politisiert waren. Aus seinem unmittelbaren Freundeskreis wissen wir von einfachen Fischern, Außenseitern, Handlangern der Besatzungsmacht genauso wie von Aufständischen. „Terroristen“ in den Augen der Römer. „Freiheitskämpfer“ in den Augen der Einheimischen. Und Jesus beginnt seine Rede und begrüßt alle Umstehenden mit der poetischen Formulierung: „Selig seid Ihr!“ Glücklich. Wertvoll. Geschätzt.

Selig die Armen und Leidtragenden

Selig, die auf Gewalt verzichten

Selig, die für den Frieden arbeiten

Selig, die verfolgt werden, weil sie sich für Gerechtigkeit einsetzen.

Unmissverständlicher geht es nicht! Allein diese Begrüßung am Anfang seiner Rede war für die einfachen Leute ein Programm. Jesu Wertschätzung gilt Menschen, die unter Ausbeutung und Armut leiden. Die nicht wissen, was sie ihren Kindern morgen zu essen geben können. Vor ihm stehen Leute, die sich nach Freiheit sehnen. Menschen, die über die Anwendung von Gewalt nachdenken, um endlich zu ihrem Recht zu kommen.

Die politische und religiöse Elite wird erst gar nicht begrüßt. Die Wohlhabenden werden nicht ihres Reichtums, die Frommen nicht ihres Glaubens gerühmt. Wer auf Kosten anderer lebt, wird nicht „Selig“ gesprochen.

Rückblickend wundert es nicht, dass sich das Grundsatzprogramm Jesu auch in 2000 Jahren nicht durchsetzen konnte. Seine eindeutige Parteinnahme lässt sich nur schwer verkaufen.

Heute meinen Menschen, das sog. christliche Abendland bzw. das, was sie dafür halten, verteidigen zu müssen. Sie plädieren für Abschottung und Ausgrenzung. Mit dem Programm des Nazareners hat das Null zu tun.

Manchmal ist es gut, sich zu erinnern, woran man selbst noch glaubt.

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