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Kirche in WDR 5 | 05.08.2015 | 06:55 Uhr

Sich ändern können

Guten Morgen! „Menschen ändern sich nicht“, dieser Satz ist oft zu hören. Das lehrt vermeintlich die Erfahrung. Aber die Bibel lehrt etwas anderes: Menschen können sich sehr wohl ändern! Der Glaube an Gott ist eine große Kraft, die Berge versetzen kann.

Nur: So ganz einfach ist das nicht, wie Psychologen und Hirnforscher heute immer wieder bestätigen.

Die Persönlichkeit eines Menschen wird einerseits durch seine Gene geprägt, andererseits durch die Familie und die Umwelt. Und Experten bestätigen: Schon im Alter von zehn bis zwölf Jahren hat sich eine relativ gefestigte Persönlichkeitsstruktur entwickelt. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass sich Charaktereigenschaften und Einstellungen in jeder Lebensphase ändern können. Nicht umsonst sagt man ja: Er oder sie ist „altersmilde“ geworden. Leute, die ihr Leben lang grantig waren, können im Alter ganz anders sein.

Aber auch besondere Erlebnisse können offensichtlich die Persönlichkeit beeinflussen. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehören zum Beispiel Auslandsaufenthalte zu solch prägenden Ereignissen.

Im Neuen Testament der Bibel ist immer wieder davon die Rede, wie der Glaube an Jesus Christus Menschen grundlegend verändert hat. Dass das möglich ist, verkündet Jesus schon in seiner ersten Predigt: “Das Himmelreich ist nahe herbei gekommen. Kehrt um und glaubt an die gute Botschaft!“ (Markus 1,15) Jesus traut den Menschen allerdings Veränderung nicht nur zu, er fordert sie geradezu. Bei Jesus gilt der schöne Satz: „Jeder kann zu mir kommen, so wie er ist.“ Das heißt aber nicht, dass jeder unbedingt so bleiben muss, wie er ist.

Der Glaube an Gott verändert. Der Apostel Paulus schreibt einmal an die junge christliche Gemeinde in Galatien: „Durch die Liebe diene einer dem andern. Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet.“ (Galater 5,15)

Und dann fordert Paulus dazu auf, so manche Charakterschwäche über Bord zu werfen: Hader, Zorn, Zank, Neid oder Zwietracht beispielsweise. Paulus fordert allerdings nicht nur dazu auf, sondern er sagt auch, wie man das schaffen kann; was hilft: Der Heilige Geist unterstützt dich, wenn du dich verändern willst. Die Früchte, die du erntest, sind die so genannten „Früchte des Geistes“. Die heißen: Liebe, Friede, Geduld und Freundlichkeit.

Dabei geht es allerdings nicht um ein simples „Friede, Freude, Eierkuchen“. Denn es gibt ja zum Beispiel auch die Charakterschwäche Harmoniesucht. Dann ist es vielleicht eine „Frucht des Geistes“, wenn ich es schaffe, kantiger, lauter oder widerständiger zu werden - sofern die Liebe das Vorzeichen bleibt.

Vorbilder für Veränderungen bietet die Bibel reichlich. Ein prominenter Vertreter aus der Bibel ist sicher der Zöllner Zachäus. Er zockte die Leute mit zu hohen Zöllen ab und änderte sein Leben grundsätzlich, nachdem er Jesus getroffen hatte. Oder der Apostel Paulus. Der war ein fanatischer Christenverfolger, bevor er sich durch ein Bekehrungserlebnis sprichwörtlich „vom Saulus zum Paulus“ wandelte.

Die schlechte Nachricht lautet also: Mich zu ändern ist nicht einfach. Und die gute: Dass ich mich ändere ist immer möglich - nicht zuletzt durch die Kraft und die Freiheit des Glaubens, durch das Gebet und den Heiligen Geist. Und das gilt ganz sicher bis ins hohe Alter.

Guten Mut zur Veränderung - und wenn nötig, zur Umkehr, wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.

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