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Kirche in WDR 2 | 31.12.2013 | 05:55 Uhr

Silvester und „Zeitkartons“

Wenn ich große Kartons packe, steht meist ein Umzug bevor. Tagelang sortiere ich meine Sachen, um sie sorgfältig in den Pappkartons zu verstauen. Jeden Karton beschrifte ich einzeln. So weiß ich in der neuen Wohnung gleich, in welchem Raum ich welchen Karton auspacken muss. Tatsächlich: Für mich gehören das Einpacken und das Auspacken der Umzugskartons zusammen. Anders war das für den Gegenwartskünstler Andy Warhol: Er packte Kartons mit dem Vorsatz, die eingelagerten Gegenstände für immer darin zu belassen. Das war komisch, überraschend und daher ist das Kunst. Vom vielleicht wichtigsten Vertreter der sogenannten „Pop-Art“.

Was hat den Amerikaner nur auf seine seltsame Idee gebracht? Wollte er vielleicht ein Archiv aufbauen? Nein! Er wollte sich einfach von überflüssig gewordenen Dingen des Alltags befreien, nachdem er sie zuvor noch ein letztes Mal gewürdigt hatte.

Auf die Umzugskartons war Andy Warhol wahrscheinlich 1974 anlässlich des Umzugs aus seinem „Studio 33 Union Square“ in neue Atelierräume am „Broadway“ aufmerksam geworden. Obwohl er seitdem auch ohne weiteren Ortswechsel viele Umzugskartons packte, bezeichnete er sie nicht länger als Umzugskartons. Stattdessen nannte er sie „Time Capsules“. Auf Deutsch: „Zeitkapseln“. Und dahinter steckt eine gewisse Ordnung: Jeder Karton enthält die Alltagsgegenstände, die für Warhol in einem bestimmten Zeitabschnitt seines Lebens wichtig waren.

611 dieser „Zeitkapseln“ hat Andy Warhol in den letzten 15 Jahren seines Lebens gepackt, bevor er 1987 starb.

Was findet sich in den Kartons? Alles das, was Andy Warhol in den jeweiligen Monaten seines Lebens wichtig war: Zettel, Bücher, Zeitungen, Fotos, Broschüren, Quittungen, Kataloge, Tonbänder, Filme, Postkarten, Schuhe, Unterhosen, Kinderbücher, Briefe, Einladungskarten, Plakate, Plattencover und noch vieles mehr.

Andy Warhol war getrieben von der Sorge, dass ihm die Fülle überflüssig gewordener Alltagsgegenstände die Luft zum Atmen nahm. Genau aus diesem Grund packte er den Alltagskrempel in seine „Zeitkartons“ und schaffte sie fort. Er wollte sich einen klaren Blick bewahren – in die Zukunft und – so seltsam es vielleicht klingt – auch in die Vergangenheit. Er hatte Angst davor, dass die Vergangenheit im ‚KleinKlein‘ des Alltags stecken bleibt und ihm die wirklich wichtigen persönlichen Entwicklungen im Rückblick entgingen.

Heute ist Silvester. Haben Sie schon überlegt, was Sie in Ihren „Zeitkarton 2013“ packen? Wovon Sie sich verabschieden? Schauen Sie liebevoll auf das, wovon Sie sich äußerlich und innerlich trennen. Denn solche Abschiede machen Sie freier und bleiben bedeutsam für das, was an Neuem auf Sie zukommt. In diesem Sinne: guten Umzug: ins Jahr 2014!

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