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Kirche in WDR 5 | 01.12. 2018 | 06:55 Uhr

Sitzen bleiben

Vor vier Wochen ging ein Video viral aus einem Ryanair-Flug von Barcelona nach London. In dem Video zu sehen: ein hellhäutiger älterer Mann sitzt an einem Fensterplatz. Dann setzt sich eine dunkelhäutige ältere Dame zwei Plätze daneben. Der Mann wird richtig ausfallend, beschimpft die Dame als „häßlicher schwarzer Bastard“ und will, dass sie sich wegsetzt. Das überforderte Bordpersonal weiß nichts anderes zu tun, als die Dame nach dieser rassistischen Tirade umzusetzen, anstatt den Mann zur Polizei zu bringen. Gut, dass ein Mann aus der Reihe hinter dem Geschehen irgendwie dazwischen gegangen ist und die Frau vor ihrem Sitznachbarn geschützt hat, der immer aufgeregter schimpfte und Gewalt androhte. Gut, dass es mehrere Zeugen gab, die nicht nur spontan das Video gedreht, sondern auch Anklage erhoben haben. Sie haben nicht weggeschaut. Jetzt konnte es die ganze Welt sehen.

Unglaublich, dass so etwas heute, im Jahr 2018 noch möglich ist. Unglaublicher umso mehr, was heute vor 63 Jahren eine schwarze Frau in einem Bus in Alabama gemacht hatte. Rosa Parks war nämlich einfach sitzen geblieben. Dafür wurde sie damals verhaftet, am 1. Dezember 1955, weil sie sich weigerte, ihren Platz frei zu machen für einen Weißen. Rosa Parks wurde zur mutigen Symbolfigur für die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA. Rosa Parks war sitzen geblieben. Und meine Gedanken zu diesem Jahrestag:

Einfach sitzen bleiben. Einfach den Mund aufmachen. Einfach sich zu der stellen, der/die blöd angemacht wird. Einfach nicht weggucken, wenn Leute aus irgendeinem Grund ungerecht behandelt werden. Einfach nicht weggucken, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer Religion angemacht, benachteiligt oder sogar angegriffen werden.

Das ist die Aufforderung für alle, die wir in Frieden und Demokratie und Sicherheit leben wollen. Und denen uns die Rechte und das Wohlergehen aller Menschen wichtig sind.

Und, klar, haben wir schon Dinge erlebt, wo wir dachten: da kann ich mich doch jetzt nicht einmischen, ohne selber in Gefahr zu kommen. Auch dann kann man was tun. Zivilcourage zeigen geht immer. Schon dadurch, dass man beobachtet und einfach mitbekommt, was wo passiert. Aufmerksam sein, wo andere in gefährliche Situationen geraten.

Manchmal hilft es einfach, andere Leute mit einzubeziehen. Über Blickkontakt oder mit der Frage: „Sehen Sie das auch?“ Oder: Hilfe holen. Oder jemanden anderes bitten, Hilfe zu holen oder die Polizei anzurufen und selber beim Opfer bleiben. Das ist sowieso oft wichtig: Einfach dableiben. Einfach sitzen bleiben. Mit dem Menschen, der in Not ist, reden. Und eben: Zeuge sein. Sich alles gut merken. Und auf diese Art: aufstehen, gegen das Unrecht, das manchmal vor den eigenen Augen passiert.

Rosa Parks, Du mutige Frau, die damals im Bus sitzen blieb, um Unrecht nicht länger zu dulden, mach uns Mut, wo wir gefordert sind, nicht wegzugucken oder uns einzumischen.

Bleiben Sie wachsam, schauen Sie nicht weg und: bleiben Sie im Zweifel sitzen - das wünscht Ihnen Susanne Moll aus Aachen.

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