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Choralandacht | 01.10.2016 | 07:50 Uhr

So nimm denn meine Hände (eg 376)

Autor: Seine Musik geht ins Ohr … und bleibt dort. Friedrich Silcher - Komponist und Musikpädagoge, lebte im 19. Jahrhundert und ist verantwortlich für Hits wie ´Der Mai ist gekommen´ oder ´Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus´. Seine Komposition des Liedes ´So nimm denn meine Hände´ hat einen großen Anteil daran, dass der Choral so bekannt geworden und geblieben ist.

Musik 1:

So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

Autor: Das Silcher überhaupt eine Melodie zu diesem Text schreiben konnte, ist großes Glück, denn die Songschreiberin selbst hat alles darangesetzt, eine Veröffentlichung ihrer Zeilen zu verhindern. Julie Hausmann fand das, was sie geschrieben hatte, nicht gut. Sie nannte ihre Verse.

Sprecherin 1: … schwach und unvollkommen …

Autor: Und genauso fühlte sie sich selbst auch. Die deutsch-baltische Dichterin fand sich nicht hübsch und war oft kränklich. Dass sich der Liedtext im Jahre 1862 dann doch den Weg in die Öffentlichkeit bahnte, ist einer Freundin und einem Berliner Theologen zu verdanken. Und dass ´So nimm denn meine Hände´ nach über 150 Jahren immer noch weltberühmt ist, liegt an der Aussage der Textzeilen selbst.

Musik 1:

In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Laß ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

Autor: Olga von Karp ärgert sich maßlos über ihre Freundin.

Sprecherin 2: „Wie kann man nur so stur sein!?“

Autor: Denn gerade eben hat sie Julie Hausmann besucht. Und eben diese gute und sehr begabte Freundin hat wieder einmal betont, kein einziger Vers, den sie verfasst, wird jemals den Weg in die Öffentlichkeit finden. Obwohl Olga von Karp sie so sehr darum gebeten hat.

Sprecherin 1: „Du hast mich schon so oft gefragt, liebe Freundin. Doch selbst wenn Du mich jeden Tag bitten würdest. Meine Antwort lautet immer: Nein! Meine Verse sind schwach und unvollkommen. Du bist sowieso einer der wenigen Menschen, der meine Aufzeichnungen lesen darf.“

Autor: Mit gesenktem Kopf und über die Worte ihrer Freundin grübelnd macht sich Olga von Karb auf den Nachhauseweg. Doch schon nach wenigen Schritten kommt ihr eine Idee.

Sprecherin 2: „Wer sagt denn, dass ich die Einzige bleiben muss, die dich um eine Veröffentlichung bittet, meine liebe Freundin!?“,

Musik 2: Instrumental

Autor: Vielleicht begann der Triumphzug des Liedes ´So nimm den meine Hände´ so. Historisch belegt ist jedenfalls die Tatsache, dass Olga von Karp den zur damaligen Zeit sehr bekannten Dichter und Theologen Gustav Knak über das Talent ihrer Freundin informiert. Dieser zeigt sich sehr beeindruckt und bittet Julie Hausmann um die Erlaubnis, ihre Lieder und Gedichte veröffentlichen zu dürfen. Julie Hausmann willigt schließlich ein, aber sie verbietet Knak ihre Namensnennung. Und meint außerdem:

Sprecherin 1: „Und sollte auch nur ein Herz durch diese schwachen, unvollkommenen Lieder erfreut werden, so wäre das ja eine Gnade, deren ich nimmer werth bin, für die ich wieder singen und loben wollte mein Lebenlang.“

Autor: Aus dem erhofften EINEN Herzen werden unzählige. 1862 erscheint der Sammelband ´Maiblumen – Lieder einer Stillen im Lande´. Der Inhalt berührt die Menschen so sehr, dass die Texte von Julie Hausmann 1865 bereits in der dritten Auflage erscheinen. Besonders der Text zu ´So nimm denn meine Hände´ trifft den Nerv der Leserinnen und Leser der damaligen Zeit und ist bis heute weltberühmt. Eine Geschichte mit Happy End. Unzählige Menschen wurden und werden von den Zeilen Hausmanns und Friedrich Silchers Melodie ermutigt und ergriffen.

Musik 1:

Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

Autor: Das Lied hat sich durchgesetzt und ist auch heute noch Bestandteil von vielen kirchlichen Veranstaltungsformen, die teilweise gegensätzlicher nicht sein könnten: Es wird sowohl bei Hochzeiten als auch bei Beerdigungen intoniert. Was für ein Interpretationsspielraum. Bei der Trauerfeier schenkt es Trost und die Hoffnung, den Gestorbenen endgültig in der Obhut Gottes zu wissen. Bei der Hochzeit wird durch den Choral ´So nimm denn meine Hände´ allerdings immer noch ein sehr patriarchisches Menschenbild vermittelt, wenn die Braut vom Brautvater zu Silchers Klängen und Hausmanns Worten in der Kirche an den Bräutigam übergeben wird. Dabei ist doch allein die Verbreitungsgeschichte fast schon ein Beweis der Emanzipation der Frauen.

Es wäre doch sehr langweilig, ja beinahe trostlos, wenn die berühmten Werke der damaligen Zeit nur mit Namen wie Heinrich Heine, Theodor Fontane oder Theodor Storm gekennzeichnet wären. Julie Hausmann, die sich selbst eher als graue Maus sah, versetzte der früheren Musiker- und Dichterbranche einen wichtigen Farbklecks. Das hatte sie nicht geplant. Dankbar war sie trotzdem. Und den Adressaten ihrer Dankbarkeit benennt sie auch ziemlich genau. Lebensrückblickend wird sie im Alter folgendermaßen zitiert:

Sprecherin 1: „Wenn ich zurückblicke auf meine durchlaufene Lebensbahn, kann nicht anders, als des Herrn Weisheit und barmherzige Führung loben und preisen! Da er mir irdischen Besitz und ein liebliches Äußeres versagt und mir Kränklichkeit als eine Mitgabe verliehen hat, mußte ich die Freuden der Welt entbehren, und sie hatten auch keine Anziehungskraft für mich, denn ich war dadurch, daß ich mein inneres Leben und meine Liedergabe pflegen durfte, reichlich entschädigt.“

Musik 2: Instrumental

Autor: Ich schließe mich ihrer Meinung an und finde, das ist typisch Gott. Denn was Hausmann als ´des Herrn Weisheit´ und ´barmherzige Führung´ benennt, nenne ich einen unnachahmlichen Schachzug, der zeigt: Qualität setzt sich durch und es kommt dann noch auf Inhalte und nicht einzig auf die äußere Verpackung an. Gottes Taktik war schon immer: ´Diejenigen, die keiner so richtig auf dem Zettel hat, die kommen bei mir ganz groß raus. ´ Das war bei den biblischen Protagonisten Abraham, Mose, Petrus und Co. nicht anders. So unsicher Julie Hausmann in ihrem äußeren Auftreten auch war, so treffsicher und selbstbewusst war sie doch in ihrer Wortwahl. Sie schreibt:

Sprecherin 1: „Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, …“

Autor: … und wenig später:

Sprecherin 1: „ … du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht.“

Autor: Zweifel und kindliches Vertrauen. Ein schwaches Herz und ein fester Glaube. Genau durch diese Gegensätze lasse ich mich auf das Lied ein, nehme es ernst und fühle mich verstanden. Zweifel gehören zum Glauben und dürfen zugelassen werden. Nur weil ich mir nicht alles erklären kann, heißt es aber noch lange nicht, dass ich nicht doch glaube. Im Gegenteil: Manchmal ist es genau das, was mich in Extremsituationen durchhalten lässt:

Musik 1:

So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

Musikinformationen:

Musik1:

CD-Name: Die Wunschlieder

Tracktitel: So nimm denn meine Hände

Track-Nr.5 / CD 1

Komponist: Friedrich Silcher

Texter: Julie Hausmann

Chor: ERF-Studiochor

Leitung: Gerhard Schnitter

Verlag: ERF-Verlag

LC-Nr.: 06314

Label: ERF-Verlag

Best.Nr.: 312088152

EAN: 9783866660052

Musik 2:

CD-Name: Singt, singt dem Herren neue Lieder

Tracktitel: So nimm denn meine Hände

Komponist: Friedrich Silcher

Texter: Juli Hausmann

Interpret: Carl-Gustav Naumann, Helmut Gleim, Jürgen Irmscher (Orgel)

Verlag: Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen

LC-Nr.: 99999

Label: Selbstvermarkter

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