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Hörmal | 16.08.2015 | 07:45 Uhr

Sommermärchen trotz Todesfall

Auch die Katholiken hatten mal ein „Sommermärchen“ und es begann heute vor 10 Jahren, in Köln. Aus allen Ländern der Welt waren sie hier her gekommen, denn damals begann der Weltjugendtag. Der Papst, frisch gewählt und Deutscher, hatte quasi ein Heimspiel. Die Atmosphäre war ansteckend – nicht nur für hartgesottene Katholiken.

Ich selbst war damals Mitte Zwanzig, hatte mein Theologiestudium fast beendet und war froh, mich mal nicht dafür entschuldigen zu müssen, gläubig zu sein, ja katholisch. Glauben und Kirche – das hatte auf einmal etwas Leichtes.

Aber fast wäre das Märchen tragisch ausgegangen: Denn mitten in den Start des Weltjugendtags platzte die Nachricht über einen schlimmen Todesfall. Der geschah nicht in Köln, sondern in Burgund, in Frankreich. Eine geistig verwirrte Frau hatte den 90-jährigen Frère Roger beim Abendgebet niedergestochen, den Gründer der ökumenischen Bewegung von Taizé.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie mich die Nachricht des Todes am frühen Eröffnungsabend traf. Denn seit ich das erste Mal als Jugendlicher in Taizé gewesen war, habe ich große Sympathien für diese Bewegung. Woche für Woche leben dort tausende Jugendliche zusammen. Ich hatte Frère Roger noch selbst erlebt und seinen Umgang mit jungen Menschen. So einfach wie das Essen und die Gesänge, so einfach war seine Botschaft: „Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast, und sei es noch so wenig.“

Der Tod von Frère Roger heute vor 10 Jahren betraf viele, die nach Köln gekommen waren, nicht zuletzt einige seiner Mitbrüder. Die hatten zu seinem Todeszeitpunkt ein Gebet in der Kölner Agneskirche gestaltet. Aber – und das hatte mich nachhaltig beeindruckt: Selbst in diesem schrecklichen Moment, behielten die Brüder Fassung und sogar Zugewandtheit. Sie wollten sogar, dass nicht nur für Frère Roger gebetet wird, sondern auch für die Attentäterin.

Und sosehr die Tage in Köln auch geprägt waren durch den Mord an Frère Roger: Dieser Weltjugendtag wurde doch zu einem Sommermärchen, war getragen von einer besonderen Leichtigkeit.

Genau das hat damals verwundert und zugleich beeindruckt: Kein Wegwischen dieser Tat. Aber auch keine bodenlose Bestürzung. Sondern hier waren Menschen versammelt, die spürbar eine andere Haltung zum Tod hatten. So schlimm der Tod – nicht nur von Frère Roger – auch ist: Hier waren Menschen zusammen, die an die Botschaft glaubten, dass der Tod nie das letzte Wort hat.

Später habe ich erfahren: Beim Abendgebet in Taizé, kurz nachdem Frere Roger ermordet wurde, sangen die Mönche und Gäste dort: „Laudate omnes gentes“ – „Lobt Gott, alle Völker“. Das könnte zynisch klingen – ja, sogar ignorant. Aber für mich ist damit eine tiefe Einsicht verbunden, dich ich hautnah erleben konnte – das war damals mein Sommermärchen. Glauben verschafft eine gewisse Haltung, die selbst ein schlimmer Abschied nicht erschüttern muss: Man kann das Erlösung nennen. Oder: Leichtigkeit. Und vielleicht entspricht ja dieser Umgang mit dem Tod genau dem, wovon Frère Roger immer sprach: „Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast, und sei es noch so wenig.“

Copyright Vorschaubild: Weltjugendtag rdesoras CCBY-SA 2.0 flickr

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