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Kirche in WDR 2 | 21.06.2015 | 05:55 Uhr

Sonnenwende

Erst einmal die gute Nachricht: Heute – am 21. Juni – beginnt der Sommer. Mich lässt das an Urlaub und Erholung denken, an Sonne, Licht und lange Abende draußen.

Jetzt die schlechte Nachricht: Ab heute werden die Tage wieder kürzer, denn heute ist Sommersonnenwende. Ich darf gar nicht daran denken, dass es jetzt schon wieder auf Herbst und Winter zugeht. Ja ich mag die langen hellen Tage lieber als die kurzen und dunklen. Und ich kenne Menschen, die richtig unter der dunklen Jahreszeit leiden, depressiv werden, und daher versuchen, möglichst im Winter in wärmere und hellere Gegenden zu verreisen.

Dass die Tage ab dem 21. Juni kürzer und ab dem 21. Dezember wieder länger werden, bestimmt die Jahreszeiten und auch die Fruchtbarkeitszyklen auf der Erde. Kein Wunder, dass schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte die Sonnenwenden religiös gedeutet wurden und sich Rituale um diese besonderen Tage entwickelten. Die Menschen hatten früher bei abnehmender Tageslänge vielleicht keine Depressionen wegen Lichtmangel – oder vielleicht auch doch –, aber sie hatten Angst, die Sonne könnte vielleicht einmal ganz erlöschen. Umgekehrt freuten sie sich, als die Sonnenkraft wieder zunahm. Und so entzündeten sie gerade in den Nächten der Sonnenwende große Feuer, um der vermeintlich schwachen Sonne Kraft zuzuführen.

An die Stelle solcher heidnischen Feiern traten später dann christliche Feste, auch wenn die Termine heute nicht mehr ganz übereinstimmen. Da wurde dann Weihnachten das Geburtsfest Jesu am 25. Dezember gefeiert zur Zeit der Wintersonnenwende und die Geburt von Johannes dem Täufer, dem Vorläufer Jesu am 24. Juni zur Sommersonnenwende. Manchen Feuerritus hat man auch beibehalten. So werden in einigen Gegenden bis heute in der Johannisnacht große Feuer abgebrannt.

Johannes ist laut Bibel genau ein halbes Jahr älter als Jesus (Vgl. Lk 1,36), weshalb das Ganze sehr schön passt zwischen Sommer- und Wintersonnenwende. Im Mittelalter hat man dazu noch eine weitere biblische Erklärung gegeben. Johannes sagt nämlich über Jesus: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30). Und das verstand man so: Mit dem Fest der Geburt Jesu an Weihnachten werden die Tage länger und umgekehrt mit der Geburt des Johannes werden die Tage wieder kürzer. Entscheidend dabei war aber, dass man in der Sonne ein Symbol für Christus sah. Und der wurde gefeiert als unbesiegter Sonnengott, wie es schon die Römer in der Antike taten.

Ich weiß natürlich: Wenn jetzt die Tage wieder kürzer werden und deshalb so mancher trübselig oder sogar depressiv wird, dann helfen alle diese naturwissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge nur wenig. Und auch die Vorstellung, dass es in einem halben Jahr wieder bergauf geht mit den Tagen, bringt jetzt nicht wirklich Hilfe. Das sind eben die Dinge, die ich nur hinnehmen kann – aber nicht ändern. Und solange bleibt mir vielleicht nur, mich darüber zu freuen, dass jetzt erst einmal der Sommer beginnt.

Copyright Vorschaubild: Jamie McCaffrey CCBY 2.0 flickr

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