#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr2 

evangelisch

Kirche in WDR 2 | 12.11.2014 | 05:55 Uhr

Sozial eingefroren

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein Dauerthema in der Arbeitsmarkt- und in der Sozialpolitik. Jeder will es. Aber so richtig funktioniert es nicht. In der Regel geht das zu Lasten von Frauen. Es müsste mehr Teilzeitbeschäftigung geben und Arbeitszeiten müssten flexibler sein.

Auf eine andere Idee sind jetzt Großkonzerne wie Apple und Facebook gekommen. Diese Firmen legen großen Wert darauf, dass gerade auch hochqualifizierte Frauen bei ihnen auf Dauer bleiben und Karriere machen. Wenn da der Wunsch nach Kindern dazwischenfunkt, heißt die Lösung: einfach später gebären. Das klingt zunächst noch nicht besonders revolutionär. In allen Industrieländern ist ja zu beobachten, dass Frauen viel später Mütter werden als früher. Allerdings tickt die biologische Uhr: Je älter Frauen werden, desto mehr lassen Qualität und Quantität der Eizellen nach, und die Chance auf eine komplikationsfreie Schwangerschaft sinkt. Um diesem Dilemma zu entgehen, zahlen Apple, Facebook und Co. ihren jungen weiblichen Mitarbeiterinnen neuerdings auf Wunsch das Einfrieren von Eizellen.

Technisch ist das schon länger möglich. Neu ist, dass es jetzt zum Instrument der Berufspla-nung wird. Einfach die Eizellen in jungen Jahren, wenn sie noch super intakt sind, auf Eis legen, und später, wenn der große Karrierehype abflaut, auch noch in fortgeschrittenem Alter Eins-A-Wunschkinder in die Welt setzen. Einschließlich der erforderlichen Hormonbehand-lungen und Maßnahmen zur Embryoneneinpflanzung lässt sich der fortschrittliche HighTec-Arbeitgeber den Spaß rund 10.000 Dollar pro Angestellte kosten.

Die Firma Apple legt Wert auf die Feststellung, dass das nur ein freiwilliges Angebot zur Erhöhung der Berufschancen junger Frauen ist. Das heißt: Die Verpflichtung, bei Firmeneintritt schon mal vorsorglich ein paar Eizellen tiefkühlen zu lassen, steht nicht im Arbeitsvertrag. Vielleicht kommt das ja noch. Jedenfalls sind wir wieder einen wichtigen Schritt vorangekommen auf dem Weg zum Ziel der allumfassenden Planbarkeit: Wer mit dem störungsfreien beruflichen Aufstieg genug Geld verdient hat, kann nach Auto und Eigenheim zu einem späteren Zeitpunkt auch noch ein bisschen Leben anschaffen. Und dass man sich für die Suche nach den passenden Samenspendern mehr Zeit lassen kann, wird zum guten Schluss, wer weiß, sogar die Zahl der gescheiterten Partnerschaften senken.

Dass speziell IT- und Internet-Giganten anfällig für die Idee der Machbarkeit aller Dinge sind, ist ja keine Überraschung. Hier verbinden sich solche Wahnvorstellungen nun noch mit der offenbar populär gewordenen Überzeugung, der Mensch sei Herr über Leben und Tod. Dass es nicht die geringste Garantie dafür gibt, dass man ein Kind einfach mal eben zehn Jahre später zur Welt bringen kann, interessiert hier eben so wenig wie die Frage, warum Arbeitsplätze und Berufskarrieren so frauenfeindlich strukturiert sind, wie sie es sind. Stattdessen wird man Mama, wenn andere Oma werden, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob das, was technisch geht, denn auch sozial funktionieren wird.

Die Methode zum Einfrieren der Eizellen heißt übrigens „Social Freezing“. Dass sie die soziale Kälte fördert, ist wohl unbestreitbar.

evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen