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Kirche in WDR 3 | 03.12. 2018 | 07:50 Uhr

Spruchkarte

Guten Morgen!

Neulich sitze ich bei meiner Schwägerin am Schreibtisch. Sie ist pensionierte Lehrerin und hat eine ganze Reihe von Zetteln und Karten Sprüchen in ihrem Arbeitszimmer. Auf einem der Zettel steht: „Ich weiß, was ich denke, wenn ich höre, was ich sage“. „Na“, denke ich. „Da hat sie sicher so ein paar Kandidaten aus ihrer ehemaligen Schule vor Augen, die immer sofort was zu sagen haben. Und direkt losflöten, ohne erstmal drüber nachzudenken. Bevor man das Mundwerk einschaltet, ist es halt gut, das Gehirn zu benutzen. Ansonsten merkt man erst, was man gedacht oder vielmehr: nicht gedacht hat, wenn man hört, was man sagt. Diesen Typ „ich rede bevor ich denke“, gibt es in jedem Lebensalter.

„Ich weiß, was ich denke, wenn ich höre, was ich sage.“ Man muss den Spruch nicht nur negativ deuten. Denn tatsächlich kann reden helfen, sich über etwas klar zu werden, Gefühle und Gedanken zu ordnen. Als Seelsorger erlebe ich das: Da kommt jemand zu mir und spricht sich im wahrsten Sinne des Wortes aus. Meine Aufgabe ist es dann: ausreden lassen. Und manchmal passiert es dann, dass er oder sie sich nach einem solchen Besuch mit den Worten verabschiedet: „Danke für diese Zeit. Sie haben mir sehr geholfen“. Obwohl ich eigentlich nur zugehört habe.

In meine Gedanken hinein platzt der Ruf meiner Schwägerin aus dem Wohnzimmer: „Der Kaffee ist fertig.“ Beim Kaffee erzähle ich ihr und meinem Schwager von meinen Gedanken zu dem Spruch. Mein Schwager fragt: „Kennst du denn auch die fromme Version davon? Die heißt: Ich weiß, was ich glaube, wenn ich höre, was ich bete.“ Eine interessante Variante. Tatsächlich wird ja auch in der Kirche mit großer Regelmäßigkeit geplappert. Bestimmte Gebete werden gedankenlos dahin gesprochen. So, wie zu der Zeit, als Jesus lebte: Da plappern sehr fromme, kluge Theologen und Kirchgänger, gedankenlos die Gebete herunter, wie die Schüler in der Schule. Sie meinen: Eine lange Kette von Wörtern ist ein wirkungsvolles Gebet.

Jesus hat seinen Jüngern daraufhin ein kurzes Gebet an die Hand gegeben. Das Vater Unser. Er hat das in der Bergpredigt getan. Dieses Gebet fasst zusammen, was Christen glauben, wenn sie beten. Wenn ich es laut höre, weiß ich, was ich glaube. Manchmal höre ich es mich selbst und die Banknachbarn neben mir beten und bin plötzlich von dem einen oder anderen Satz besonders berührt. „Ich weiß, was ich glaube, wenn ich höre, was ich bete“.

Ganz besonders bewegt hat mich, wie der schon hoch betagte Heinz Rühmann –das Vater Unser spricht, als er aus der Bergpredigt vorliest:

O–Ton: Heinz Rühmann:

„Unser Vater im Himmel. Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe. Wie im Himmel, so auf Erden. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie wir sie auch unseren Schuldnern erlassen haben. Und führe uns nicht in Versuchung; sondern rette uns von dem Bösen. (Matthäus 6, 9 – 15) (1)

Das Vater Unser. Wenn ich es spreche, merke ich, was ich glaube.

Ihr Pastor Christoph Neumann aus Hemer.

1 Heinz Rühmann, liest die Bergpredigt, Weltbild Wort 1992

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