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Kirche in WDR 3 | 24.05.2014 | 07:50 Uhr

Stark weil schwach

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer.

Was fällt Ihnen zu Angelina Jolie ein? Schönste Frau Hollywoods, Oscarpreisträgerin, Lebensgefährtin von Brad Pitt, Mutter von einem halben Dutzend Kinder – aber ziemlich sicher noch etwas anderes: Brustamputation! Vor fast genau einem Jahr gab Jolie bekannt, dass sie sich beide Brüste amputieren ließ. Vorsorglich: aus Angst vor Krebs. Durch einen Gentest wurden bei ihr Genmutationen festgestellt, die Brustkrebs auslösen können. Es handelte sich dabei um eine erbliche Variante. Jolies Mutter und Tante starben an Brustkrebs. Die Schauspielerin wurde als Heldin gefeiert.

Und die schöne Jolie, sie lächelt in die Kamera. So als wollte sie sagen: Seht her, ich muss keine Angst mehr haben. Die vorsorgliche Amputation scheint für sie die beste Lösung gewesen zu sein. Und wer weiß wirklich, wie er sich in dieser Situation entscheiden würde. Ich wüsste es nicht. Das Leben vieler Menschen, bei denen Krebs diagnostiziert behandelt wurde, wird bestimmt von einer permanenten Angst. Es ist die Angst vor der nächsten Untersuchung. Diese Angst beeinträchtigt das Leben ungemein.

Ich frage mich, was mir mehr Mut abverlangen würde: die Entscheidung zur Operation und allen damit verbundenen Risiken oder die Entscheidung, auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zu setzen und mich immer wieder mit meinen Ängsten zu konfrontieren. Jolie ist da sehr klar, in der New York Times schrieb sie: „Das Leben hält viele Herausforderungen bereit. Diejenigen, denen wir uns stellen und die wir kontrollieren können, sollten uns keine Angst machen.“

Aber wie ist das mit der Kontrolle und der Angst? Je mehr wir unter Kontrolle haben, desto weniger Angst müssen wir haben? Auf den ersten Blick eine vielleicht einleuchtende Losung: Wir haben Angst, krank zu werden, also gehen wir zum Gesundheitscheck. Wir haben Angst vor Verbrechern, also stellen wir Überwachungskameras auf. Wir haben Angst, dass unseren Kindern etwas zustoßen könnte, also lassen wir sie möglichst nicht aus den Augen.

Wir wollen uns vor möglichem Leid schützen. Ein absolut verständlicher Wunsch. Doch bei genauerem Hinsehen hält die Kontrolle nicht, was sie verspricht. Denn wir machen die frustrierende Erfahrung, dass immer mehr und immer bessere Kontrolle gerade nicht dazu führt, dass unsere Angst abnimmt. Im Gegenteil: Wir merken, dass wir immer sensibler dafür werden, was alles nicht unter Kontrolle ist. Es gibt eben keine lückenlose Kontrolle. Und unsere Angst ist leider ziemlich geübt darin, immer neue Lücken zu finden.

Ich habe auch keine Lösung parat, wie wir aus dieser Spirale von Angst und Kontrolle wieder herauskommen. Ich möchte lediglich einen kleinen rebellischen Gedanken ins Spiel bringen. Er stammt von Paulus: „Wenn ich schwach bin, bin ich stark“, sagt er. Klingt absurd. Sich gerade dann stark zu fühlen, wenn man es nicht ist, wenn man also nicht alles unter Kontrolle hat? Aber genau das könnte gemeint sein: Stark, weil frei. Befreit von der Kontrollwut. Und zugleich bereit, sich den eigenen Ängsten zu stellen. Doch was wäre damit gewonnen? Vielleicht eine neue Haltung. Sie könnte sich darin zeigen, dass nicht mehr die Angst uns diktiert, was zu tun ist, sondern die Hoffnung, dass unsere Angst nicht das letzte Wort behalten wird.

Kommen Sie gut in den Tag! – Ihre Katharina Klöcker aus Münster

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