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Kirche in WDR 2 | 21.09.2016 | 05:55 Uhr

Startkapital

Mit einem goldenen Löffel im Mund wurde ich nicht geboren. Sie vermutlich auch nicht. Aber Startkapital gibt es irgendwie trotzdem für alle. Klar, die Familie – die hat den größten Anteil an dem, wer wir sind. Auch nicht zu unterschätzen: Der Ort, an dem ich groß geworden bin.

Es macht schließlich einen Unterschied, ob ich als Kind in einem kleinen Dorf im Sauerland oder in der Kölner Südstadt lebe. Ob ich immer beim Schützenumzug dabei war oder beim Karneval. Ob ich Tante Emma in ihrem Laden persönlich kannte oder zwischen diversen Kaufhäusern wählen konnte. Ich zum Beispiel bin in einer Kleinstadt aufgewaschen, Ahlen in Westfalen, das liegt zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Mein Zuhause war mitten in der Zechensiedlung. Für mich als Kind normal: Väter im Schichtdienst, Staub in der Luft und Nachbarn, die nicht nur meine Sprache sprechen.

In den letzten Monaten ist mir erst so richtig aufgegangen, wie sehr mich das fürs ganze Leben geprägt hat! Türken, Griechen, Polen, Spanier und Italiener – für uns waren das Nachbarn, Schulfreunde, Arbeitskollegen.

Da wurde in der einen Küche Gulasch, und in der Nachbarküche Börek gekocht. Für die einen war der Vorgarten die Visitenkarte, stets gepflegt, für die anderen ein praktischer Treffpunkt fürs Familienpicknick. Manche gingen sonntags in den Gottesdienst, andere trafen sich zum Freitagsgebet in der Moschee. Die einen hörten WDR 4, die anderen türkische Musik, die bis heute ein wenig fremd in meinen Ohren klingt.

Unsere Zechensiedlung war ein buntes Gemisch von Sprachen und Kulturen. Was heute für viele bedrohlich klingt, war für mich Alltag. Ich bin echt dankbar, dass ich so aufgewachsen bin. Dass ich von klein auf erlebt habe, dass keine Kultur die Bessere ist.

Dass es eine Bereicherung ist, wenn andere Kulturen Einzug halten. Nicht nur für den Speiseplan. Ich konnte erfahren, das Zusammenleben möglich ist, selbst wenn es Sprachbarrieren gibt. Ich durfte erleben, dass sich die Seelsorger der christlichen und der muslimischen Gemeinde gegenseitig besuchten. Und damals haben sie zusammen für die Menschen Partei ergriffen, die ihnen anvertraut waren, zum Beispiel, als es um die Schließung der Zeche ging. Und weil ich das selbst erlebt habe, was für viele heute so abstrakt und bedrohlich klingt, kann ich sagen: Auf jeder Seite des Gartenzauns leben Menschen, die ein gutes Leben wollen und das auch verdient haben.

Die Kölner sagen: Jeder Jeck is anders. Recht haben sie. Diese Weisheit sollte sozusagen interkulturell gelten: Vom Rhein über den Ruhrpott bis ins tiefste Sauerland – denn damit lebt sich‘s echt gut!

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