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Hörmal | 26.12.2016 | 07:45 Uhr

Stephanustag

Für Katholiken, die heute in den Gottesdienst gehen, ist der zweite Weihnachtstag alljährlich so eine Art Bruchlandung in der Realität. Denn da hören sie eine Geschichte, die so gar nicht passt zu „süßer die Glocken nie klingen“ und zum weihnachtlichen Fried- und Freudentaumel.

Lesungstext im katholischen Gottesdienst ist nämlich die Geschichte vom Heiligen Stephanus. Dessen Todestag wird heute begangen. Der Apostel Stephanus war der erste Märtyrer, will heißen: der erste Blutzeuge für den Glauben an Jesus, dessen Geburt gestern ja noch gefeiert wurde.

Ich empfinde das als ziemlich krasses Wechselbad der Gefühle: Gestern noch das Fest mit Geschenken, das Fest des Friedens, das Fest der Geburt Jesu und heute der Tod einer seiner Anhänger: Stephanus, religiös verfolgt und umgebracht. Auf einmal wird es ernst in Glaubenssachen. Todernst.

So machen beide Ereignisse zusammen an zwei Tagen hintereinander nur deutlich, um wie viel es bei der Ausübung von Religion gehen kann und wie todernst gelebte Religion sein kann.

Der Stephanustag macht die ganze Weihnachtsidylle weniger süßlich und er macht zugleich das, worum es in Glaubenssachen geht, weniger naiv. Der Stephanustag steht damit eher für einen realistischen Umgang mit Religion.

Ich habe nämlich den Verdacht, dass heutzutage überhaupt wenig wahrgenommen wird, wie todernst es immer noch um Religion steht und damit um die Menschen. Immer noch gibt es heute Blutzeugen, die ihr Leben lassen müssen wegen der eigenen religiösen Überzeugung: Da werden Muslime in Indien von Hindus verfolgt , oder muslimische Gruppen bekämpfen sich gegenseitig wie Schiiten und Sunniten im Irak und Syrien . Insgesamt hat die Christenverfolgung weltweit zugenommen, und in einigen Teilen Europas ist der Anstieg an antisemitischen Übergriffen zu beobachten. Nein, das ist nicht Weihnachten mit Frieden auf Erden. Schon gar nicht, wenn aus religiösem Fanatismus unschuldige Menschen getötet werden, wie bei religiös motivierten Terroranschlägen.

Wer realistisch auf die Religionen schaut, muss eingestehen, dass keine Religion per se gefeit ist vor Religionsterror, also vor der Verfolgung Andersgläubiger, weder aktiv noch passiv. Es ist mit dem Frieden auf Erden offenbar nicht leichter geworden. Oder liegt es im Grunde nicht an den Religionen und an den Religionsstiftern, sondern vielmehr an den Menschen, die eine Religion ausüben? Lernen die Menschen an sich nur schwerlich etwas aus der Geschichte dazu – vor allem dann, wenn es um Religion geht?, frage ich mich.

Einer jedenfalls hat etwas dazu gelernt. Das erfahren diejenigen, die heute in den Gottesdiensten die Geschichte von der Steinigung des Stephanus hören. Der hat nämlich vor seinem Tod etwas getan, was Jesus den Verfolgten aufgetragen hat und was offenbar zeitlose Mahnung ist (Mt 5,44): „Betet für die, die euch verfolgen!“

Das ist eine große Herausforderung, das Gebet für die Feinde: Für mich ist es bei den gegebenen Realitäten vielleicht das wichtigste Mittel gegen Religionsterror.

*Vgl.: Thomas Klatt, Christen unter Druck, Deutschlandfunk in: http://www.deutschlandfunk.de/religionsfreiheit-christen-unter-druck.886.de.html?dram:article_id=348999

Vgl.: Michael Thumann An der Wurzel des IS-Dschihadismus, Zeit online in: http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-12/sunniten-schiiten-syrien-krieg-ursachen-islamischer-staat

Vgl.: Verfolgung von Christen nimmt weltweit dramatisch zu, Fokus online in: http://www.focus.de/politik/ausland/s-open-doors-verfolgung-von-christen-hat-stark-zugenommen_id_5206867.html

Vgl.: Religionsfreiheit weltweit 2014-2016. Ein Überblick: https://acnmercy.org/wp-content/uploads/2016/11/BX_ACN-Religious-Freedom-Report-_DE_D.pdf

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