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Kirche in WDR 3 | 13.09.2014 | 07:50 Uhr

Stille sitzen

Sprüchesammeln – das war schon immer meine Leidenschaft. Wie viele Hefte habe ich schon vollgeschrieben mit klugen, mit lustigen Sprüchen. Denk-würdiges eben. Zu Hause haben wir eine Magnetwand, da wird jeder Spruch angepinnt, der uns in die Finger fällt, Spruchkarten finden dort ihren Platz.

Guten Morgen!

Zu meinen Favoriten zählt ein Spruch von Frank Goosen: „Woanders ist auch Scheiße“. Der Satz mit dem Kraftausdruck ist ein Klassiker mittlerweile, erfolgreich vermarktet auf Fußmatten und T-Shirts. Der Spruch steht in meinem Büro im Regal. Habe ich Frust bei der Arbeit erinnert der Spruch mich daran, dass es in der Welt draußen auch nicht besser ist. Und da passt dann auch die raue Sprache.

Von ganz anderem Kaliber, aber nicht weniger spannend ist da ein Spruch, der jetzt ganz neu an meiner Magnetwand hängt:

„Heilig wird man durch Stillesitzen.“ Den kannte ich bis vor kurzem noch nicht. Eine neue Errungenschaft!

Der Satz stammt von Meister Eckhart. Der lebte im 13. Jahrhundert und war ein bedeutender Theologe und Philosoph. Die Kirche verdächtigte ihn problematischer Lehren. „Gott sei ein Nichts“ – wer so etwas schreibe und denke, so meinten die damaligen Kirchenleute, bewege sich hart an der Grenze der Irrlehre.

Bereits als Jugendlicher ist Eckhart von Hochheim in den Orden der Dominikaner eingetreten. Später bekleidete er dort hohe Ämter. Berühmt ist er bis heute unter dem Namen Meister Eckhart. Und man findet seine Bücher zumeist in der Abteilung „Mystik“.

Wenn er predigte, war Meister Eckhart aber kein abgehobener Theoretiker, alltagstauglich musste die Predigt sein – darauf kam es ihm an. Da überrascht nicht, dass eine Sammlung seiner Gedanken den Titel trägt „Predigten, Traktate, Sprüche“. Also auch: Sprüche! Dabei war Meister Eckhart wahrlich kein Sprücheklopfer!

„Heilig wird man durch Stillesitzen!“ – Was könnte der Meister gemeint haben? Heiligkeit erlangen durch Nichtstun? Stillesitzen ist ja ziemlich schwierig für hyperaktive Zeitgenossen – und davon gibt es immer mehr. Im Stillesitzen liegt Unterbrechung, Enthaltung von Aktivität: nichts tun, nur sitzen und schauen, nur horchen und spüren.

Aber wem fällt es nicht schwer, die Alltagsroutinen zu unterbrechen, dem rasch sich drehenden Hamsterrad zu entkommen. Manche brauchen auch die Raserei des Alltags, um sich zu beweisen, wie wichtig sie sind.

Ja es gibt Menschen, die halten es bei sich gar nicht aus.

Das „Allein sein“ aushalten: da wird der Ort gleichgültig. Ich stelle mir vor, wie ich „einfriere“, egal wo ich gerade bin, um einfach still zu sitzen. Das geht an jedem Ort, ja der allertäglichste Ort kann es sein. Meister Eckhart ist davon überzeugt: Still da zu sitzen – da kann der alleralltäglichste Ort der wichtigste werden. Und vielleicht liegt darin ja sogar höchste Aktivität, gesammelte Aufmerksamkeit.

Da kommen Gedanken, die sonst keinen Raum haben. Da stellt sich ein neuer Blick ein auf die Welt. Der Alltag verschwindet. Eine Chance für andere Gedanken.

Vielleicht passiert ja Erstaunliches: „Heilig wird man durch Stillesitzen“, hat Meister Eckart gesagt. Heiligkeit müssen wir dabei doch gar nicht anstreben, aber einmal wirklich in Stille zu sitzen – das wär‘s. Der Versuch ist es wert!

Aus Essen grüßt Sie Markus Potthoff.

Copyright Vorschaubild: CCO Pixabay

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