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Sonntagskirche | 24.08.2014 | 08:55 Uhr

Subiaco und seine „sehr enge Höhle“

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!

Ur-laub ist dem Wortsinn nach die Erlaubnis weggehen zu dürfen. Darum musste etwa ein Ritter seinen Lehnsherrn fragen. Heute bedeutet Urlaub laut Duden schlichtweg „dienst- oder arbeitsfreie Tage, die der Erholung dienen.“ Damit sind die Gewichte klar verteilt: Der Schwerpunkt liegt auf der Arbeit. Damit die gut funktioniert, wird Erholung gewährt.

Dabei geht es bei Erholung doch wohl um weit mehr als die Wiederherstellung der erforderlichen Arbeitskraft. Erholung klingt für mich danach, sich selber wieder einzuholen, zu sich zu kommen statt immer nur außer sich zu sein vor lauter Anforderungen und Beanspruchungen. Bei sich sein - statt sich immer wieder zusammenzureißen.

Und darum führt unsere heutige „Ohrenreise durch Italien“, die ich in diesen August-Sonntagen mit Ihnen unternehme, ins Städtchen Subiaco. Nach Veneto und Emilia Romagna in den letzten Wochen machen wir einen Sprung 400 Kilometer südlich in die Region Lazium. Genauer gesagt: nach Sacro Speco, ein schmuckes Klösterchen in den Bergen, das wie ein Schwalbennest auf 600 Metern Höhe über dem Städtchen Subiaco am Taleohügel klebt. Mit einer schmalen Schlucht beginnen hier die Simbruiner Berge, über und über von dicht an dicht stehenden Bäumen bewaldet, als läge satt grüne Seide in sanftem Faltenwurf über den Felsen. Weit, weit ins Land geht der Blick, beruhigt das Auge und bald den ganzen Körper, und man steht und schaut und staunt. Wo vor 1500 Jahren noch ein Stausee Kaiser Neros lag, fließt heute tief unten im Tal ein Flüsschen, dessen Rauschen bis nach Sacro Speco heraufklingt.

Ansonsten aber ist Ruhe allüberall: im Blick über die Hügelwälder, in der Stille des Ortes, in der Ehrfurcht vor dem, was hier geschah. Und selbst die Menschen aus dem 100 Kilometer westlich gelegenen lauten Rom zieht es gern nach Subiaco, nach Sacro Speco - im Sommer allemal, weil die Luft hier oben so frisch und frei und sauber schmeckt.

Nicht der Zerstreuung, sondern der Sammlung wegen suchte und fand Benedikt von Nursia vor 1500 Jahren diesen Ort. Während seiner Studienzeit in Rom der bewegten Zeiten aus moralischem Verfall und Völkerwanderung überdrüssig, zog es ihn zu dem, was man heute ein „bewusstes Leben“ nennen würde, zu einem Leben freilich, das für ihn nur mit Gott zu denken war. Benedikts menschlich-geistlicher Aufstieg begann mit dem Abstieg in die Erde, in eine „ganze enge Höhle“, wie es heißt, als Einsiedler. Tief im Berg wird sie bis heute verehrt, rundherum wurde das Klösterchen errichtet. Unvorstellbar, wie Benedikt drei Jahre in diesem schmalen Felsenraum zu verbringen, hier zu hausen, hier zu wohnen.

Doch genau dies ist das wesentliche Stichwort: „Allein, unter den Augen Gottes, wohnte er in sich selbst“, schreibt Papst Gregor der Große wenige Jahre nach Benedikts Tod. Da sitzt man nun als Besucher in dieser Höhle, gönnt sich die Ruhe, gönnt sich diesen „Ur-Kern“ und bekommt es mit einem Satz zu tun, der so gar nicht nach Theologie klingt - sondern der eine Haltung meint, eine Grundhaltung des Menschseins: Bei sich sein, in sich wohnen.

Hier ist das Fundament der erdigen Spiritualität der Benediktiner, die nicht überhöht in den Himmel entführt, sondern in die Tiefe menschlicher Existenz, in den „sehr engen Raum“. Benedikt hat hier leibhaftig erfahren, was er später geistvoll in seiner Regel schreibt. Da ermutigt er dazu, den eigenen Weg zum Ziel, zur Fülle, zu sich, zu Gott nicht verwirrt von Angst zu verlassen, der „am Anfang nicht anders als eng sein kann“; am Ende aber verheiße er ein weites Herz und „unsagbares Glück der Liebe“.

In sich wohnen - latinisch: habitare secum. Die Mönche nennen sogar ihr Gewand danach: „Habit“. Einer von ihnen sagte mir in Sacro Speco: „Benedikts bei-sich-wohnen, diese Art der Selbsterfahrung, heißt nichts anderes, als in der Gegenwart Gottes zu leben. Es ist ein und dasselbe.“ Offensichtlich muss man tief hinabsteigen, um das zu erkennen. Nicht nur in Subiaco.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sonntag! Aus Münster verabschiedet sich Ihr Markus Nolte.

(Copyright Vorschaubild: Markus Nolte, Münster)

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