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Choralandacht | 17.09.2016 | 07:50 Uhr

Such, wer da will, ein ander Ziel (eg 346)

Musik 1 (Choral, Strophe 1):

Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden;

mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gründen.

Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund,

all Feind zu überwinden.

Sprecherin (Overvoice):

Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden;

mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gründen.

Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden.

Autor: Der Choral „Such, wer da will, ein ander Ziel“ gehört zu den Klassikern im Evangelischen Gesangbuch. Am morgigen Sonntag ist er das sogenannte „Wochenlied“ im evangelischen Gottesdienst und auch sonst wird er in den Kirchen oft und gern gesungen. Dann geht es darum, sich im Glauben zu vergewissern. Damit das Ziel klar ist.

Die Geschichte des Liedes beginnt mit einer Hochzeit. Der Königsberger Domkantor Johann Stobäus vertonte 1613 ein Gedicht für ein Brautpaar. In Königsberg blühte die sogenannte Kasualdichtung. Bei jedem erdenklichen Anlass wurden Gedichte vorgetragen. Man kondolierte zum Trauerfall oder gratulierte zur Hochzeit mit ein paar Versen. Zehn Jahre später schrieb der Theologe Georg Weissel ein ganz anderes Festgedicht zu dieser Musik – nämlich eines zu seiner eigenen Einführung als Pfarrer an der Altroßgärtner Kirche. Es war der dritte Advent 1623 und das Evangelium des Sonntags war die Frage Johannes des Täufers, wer dieser Jesus von Nazareth sei.

Sprecher: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?

Autor: So ließ Johannes seine Jünger fragen.

Sprecher: Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt. (Mt 11,3-5)

Autor: Ist dieser Jesus der Messias, der Retter? Soll man ihm folgen? „Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden; mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gründen“ – für Georg Weissel ist die Sache klar. Er verbindet seine Amtseinführung als Pfarrer mit diesem Evangelium und formuliert ein Bekenntnis: Christus allein ist der Maßstab. Kein ander Ziel, das noch zu suchen, und kein anderer Retter, der noch zu finden wäre.

Musik 1 (Choral, Strophe 2):

Such, wer da will, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben;

hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben.

Uns wird das Heil durch ihn zuteil, uns macht gerecht der treue Knecht,

der für uns ist gestorben.

Sprecherin (overvoice): Such, wer da will, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben; hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben.

Uns wird das Heil durch ihn zuteil, uns macht gerecht der treue Knecht,

der für uns ist gestorben.

Autor: Einen inneren Kompass zu haben, ist gut. An bestimmten Werten festzuhalten, kann eine Art Navigationshilfe sein. Welche Werte versuche ich, in meiner Familie vorzuleben? Gelingt das? Wonach entscheide ich, welchen politischen Angeboten ich traue? Bewährt es sich? Wenn ich mich ehrenamtlich engagiere, wofür genau setze ich mich dann ein? Was trägt, was hilft? Das muss ich ja erst mal herausfinden. „Such, wer da will, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben“, dichtet Georg Weissel. Es gibt viele Angebote. Und oft steckt nichts dahinter. Zurzeit sind rechtpopulistische Kreise in Europa stark. Ihre Parolen sind einfach. Für viele ist das eine Versuchung. In Großbritannien konnte man jetzt zugucken, wie schnell sich manche Wortführer wegducken, wenn es erst wird. Dann haben sie doch keine Lösungen. Die Versprechungen waren leer, die Gesellschaft ist darüber gespalten, der Schaden ist da – und aufräumen müssen andere. Nothelfer, die nicht helfen.

Andere Zeiten, andere Fragen: Unser Textdichter hatte vor 400 Jahren wahrscheinlich die Heiligen vor Augen, die in der römisch-katholischen Kirche angerufen werden. Der Lutheraner denkt allein an Christus. Der kann helfen, keiner sonst. Woran erkennt man den, der helfen kann? Das Evangelium, der Bibeltext, über den Georg Weissel am 3. Advent 1623 zu predigen hat, beschreibt es: Der wirkliche Helfer steht auf der Seite der Armen und kümmert sich um die, die in der Gesellschaft am Rand stehen. Er führt Menschen zusammen, die sich gegenseitig ausgrenzen. Bei ihm, bei Jesus Christus, ist das Heil zu finden. Da wird das Leben ganz. Alles andere: ein Irrweg.

Musik 2: Orgel, instrumental

Sprecherin (Strophe 3, overvoice): Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret;er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein; denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret.

Autor: Gerade noch hat unser Textdichter gelehrt und gepredigt, was es mit Jesus Christus auf sich hat, jetzt mahnt er, bittet eindringlich: Sucht das Heil nicht auf falschen Wegen! Hier gibt es kein „sowohl – als auch“, kein „hier so – da anders“, je nachdem, ob es um Frömmigkeit oder Politik geht. Es geht ums Ganze. „Er ist der Herr und keiner mehr, der euch das Heil gewähret.“ Ich stelle mir vor, wie diese Liedstrophe am 3. Advent 1934 gesungen wurde. Wie klang das in einer Kirche, die mit den Hakenkreuzfahnen der Nazis ausgekleidet war, und wo der Pfarrer die Predigt mit „Heil Hitler!“ beendete? Wie klangen dieselben Worte in einer Gemeinde der Bekennenden Kirche, in der Widerstand organisiert wurde? Jesus Christus ist Herr, keiner sonst kann euch Heil versprechen. Fromme Worte entfalteten plötzlich politische Zündkraft. Die bekennende Kirche formulierte damals auf ihrer Synode in Barmen:

Sprecher: Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften.

Autor: Das alles wirkt plötzlich aktuell. Die Mitte der Gesellschaft, die heute Anfang 50jährigen –angekommen in Beruf und Familie, viele persönliche Ziele erreicht – sie wirken oft so abgestumpft, tun so gleichgültig. Es sind dieselben, die vor gut 30 Jahren auf den Ostermärschen für Frieden und Abrüstung auf die Straßen gingen, viele jedenfalls, die Früchte aus Südafrika boykottierten, weil dort Apartheid herrschte, die durchaus einen Kompass hatten für das, was richtig oder falsch war. Sie waren damals mit Mehmet und Miray genauso befreundet wie mit Sven und Katharina und sorgten dafür, dass die rechten Republikaner nicht in die Aula kamen.

Und heute? Belanglosigkeiten. Facebook teilt mit, Jan sei gestern Abend zwölf Kilometer gelaufen oder Birgitt habe erfolgreich am Basiskurs einer Grill-Akademie teilgenommen. Gemeinsame Aufreger sind vielleicht noch, dass der Flughafen in Berlin noch nicht fertig ist oder Deutschland im Halbfinale gegen Frankreich verloren hat. Man verabredet sich zum Picknick im Park. Da geht es eigentlich nur noch um die Frage, wer den Nudelsalat mitbringt.

Das wird in Zukunft nicht reichen. Denn es treten Akteure auf, die wieder Heil versprechen, einfache Lösungen. Die plötzlich ganz allein bestimmen wollen, was wahr ist oder falsch, wer dazugehört und wer nicht, welche Religion genehm ist und welche Hautfarbe.

Georg Weissel konnte nicht ahnen, welche Wirkung seine Verse zu anderen Zeiten entfalten. In der vierten Strophe wird er persönlich. Wenn die Zeiten rau sind, wenn sich um mich herum so viel verändert, dann muss ich nämlich eine innere Heimat haben. Einen Ort, an dem ich mich sicher fühle. Wohin ich immer wieder zurückkehren kann. Dann weiß ich, was sich bewährt und was mich trägt. Dann kann ich leben und entscheiden.

Musik 1 (Choral, Strophe 4):

Meins Herzens Kron, mein Freudensonn, sollst du, Herr Jesu, bleiben;

lass mich doch nicht von deinem Licht durch Eitelkeit vertreiben;

bleib du mein Preis, dein Wort mich speis, bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr,

an dich stets fest zu glauben.

Musikinformationen:

Musik 1

CD-Name: Befiehl du deine Wege

Titel: Such, wer da will, ein ander Ziel

Text: Georg Weissel

Melodie: Johann Stobäus

Chor: Jubilate Chor

Leitung: Wilfried Mann

Verlag: Schulte & Gerth Verlag, Asslar

Label: 06160

LC-Nr. SG

Musik 2

CD-Name: Walcha: Chorale Preludes, Vol. 2 / Track 16

Titel: Such, wer da will, ein ander Ziel

Text: unbekannt

Melodie: Helmut Walcha

Interpret: Wolfgang Rübsam

Verlag: unbekannt

Label: Naxos

LC-Nr. 05537

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