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Kirche in WDR 5 | 04.05.2018 | 06:55 Uhr

"Suche Frieden"

„Suche Frieden“ schreibt sich der Katholikentag in diesem Jahr auf die Fahnen. „Na, das sagen ja gerade die Richtigen“, werden da bestimmt einige denken: „Das sind doch die mit den Kreuzzügen, den Hexenverbrennungen, der Inquisition und den Missbrauchsfällen. Dass die Frieden suchen, wird höchste Zeit!“

Zweifelsohne: In der Geschichte des Christentums und der katholischen Kirche gibt es eine Menge Ereignisse, Vorfälle und Verhaltensweisen, die beschämen. Im Jahr 2000 hat Papst Johannes Paul II. im Namen der ganzen Kirche um Vergebung gebeten: für Intoleranz, Gewalt und Diskriminierung von Christen gegenüber anderen Religionen, Andersdenkenden und Minderheiten; für den Missbrauch von Macht oder Reichtum und für Menschenrechtsverletzungen durch kirchliche Instanzen oder Vertreter. Und trotz aller Vergebungsbitten auch der Päpste Benedikt und Franziskus: Besonders die Verbrechen sexualisierter Gewalt bleiben zutiefst beschämend – für mich persönlich, für jeden einzelnen Christen und die Kirche insgesamt.

All das steht konträr zu einer Botschaft, die – wie kaum eine andere – aus dem Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt herausweist, von Bösem und noch Böserem. Die Botschaft von Jesu Christus bezeugt eine radikal andere Haltung, so revolutionär, dass sie die Welt bis heute zu verändern vermag: Gewaltverzicht statt Gewaltanwendung, Vergebung statt Vergeltung, Nächstenliebe statt Hass, Frieden statt Feindschaft – das ist der Weg Jesu. „Liebt Eure Feinde“ – allein dieser Satz von ihm hat die Welt bewegt, dabei erscheint er nach vielen Maßstäben nicht nur unserer Zeit geradezu irre. Jesus ist diesen radikalen Weg mit solcher Konsequenz gegangen, dass er sogar am Kreuz noch betet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.

Und daher: Bei allem, was der Kirche und kirchlichen Akteuren beschämender Weise vorgeworfen werden kann: Die Radikalität der Botschaft Jesu hat die Welt verändert. Sie hat abertausende von Christen dazu gebracht, wehrlos in den Tod zu gehen – bis hin zu Edith Stein, Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp und den vielen Märtyrern unserer Tage. Sie hat zahllose Christen in Jesu Nachfolge mitgerissen, sich für friedvollere, gerechtere und sozial verträglichere Verhältnisse einzusetzen – bis hin zu Wilhelm-Emmanuel von Ketteler, Franz Hitze, Agnes Neuhaus oder Oskar Romero. Sie hat unendlich viele Menschen begeistert, um sich für Arme, Obdachlose, Kranke, an den Rand oder unter die Räder Geratene einzusetzen – bis hin zu Damian de Veuster oder Mutter Teresa.

Insofern ist „Suche Frieden“ in der Tat das richtige Leitwort nicht nur für den Katholikentag, nächste Woche in Münster, sondern mehr noch für eine Kirche, die Beides kennt und um Beides weiß: um ihre beschämende Rolle als Brandstifterin, Kriegstreiberin und Gewalttäterin, wie um ihre grandiose Rolle als Friedensstifterin und Versöhnerin. Gerade in dieser Ambivalenz bleibt das Leitwort „Suche Frieden“ Verpflichtung und Ansporn. Auch künftig wird die Kirche, werden Christen, werde ich hinter dem Ideal Jesu Christi und seiner Botschaft zurückbleiben. Irre mögen sie vielleicht erscheinen, Jesu Weg und Botschaft, irreal sind sie nicht. Sie bleiben richtungsweisend für jede Suche nach Frieden.

Dieser Ansicht ist Klaus Winterkamp aus Münster.

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