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Kirche in WDR 5 | 03.05.2018 | 06:55 Uhr

"Suche Frieden"

Heute feiern Christen unterschiedlicher Konfessionen weltweit das Fest der Apostel Philippus und Jakobus. Sie gehörten zum engsten Kreis Jesu, begleiteten sein irdisches Wirken und gelten als Zeugen seiner Auferstehung. Deshalb behalten sie bleibende Bedeutung für das christliche Leben, mögen sie auch schon lange verstorben sein. Das Zeugnis der Apostel gilt gerade deshalb als besonders wahrhaftig und glaubwürdig, weil sie – wie Philippus und Jakobus – bereit waren, für die Botschaft von der Auferstehung sogar ihr Leben hinzugeben. Wenn da nichts dran gewesen wäre, hätten sie das gewiss nicht getan. Insofern war ihr Zeugnis von Anfang an maßgeblich für die christliche Lehre und deren Wahrheit. Für das kirchliche Selbstverständnis war es immer wichtig, sich auf die Verbindung mit den Aposteln berufen zu können. Das war in den Streitigkeiten um die Kirche bis hin zum Dreißigjährigen Krieg, der vor 400 Jahren ausbrach, ein entscheidendes Kriterium im jeweiligen Bewusstsein, die „wahre“ Kirche zu sein.

Deswegen aber Kriege zu führen, ist uns heute fremder denn je. Doch bei dem europaweiten Krieg von 1618 bis 1648 ging es neben Herrschafts-, Standes- und regionalen Ansprüchen zwischen Katholiken und Protestanten gerade darum: um den rechten, um den wahren Glauben. Gewaltsam durchgesetzten Wahrheitsansprüchen stehen wir heute fassungslos gegenüber – ob sie religiös, politisch, wissenschaftlich oder wie auch immer begründet sein mögen. Das allerdings ist noch nicht lange so und alles andere als selbstverständlich.

Allein die katholische Kirche hat 1965 Jahre gebraucht, ehe sie mit dem II. Vatikanischen Konzil das Recht auf Religionsfreiheit anerkannte. Erst seitdem kann sie auch in anderen Religionen Züge erkennen, die „nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet“ – wie das Konzil aus heutiger Sicht vielleicht zaghaft, aber 1965 für katholische Verhältnisse geradezu revolutionär formuliert hat. Das wäre 1648 beim Westfälischen Frieden noch undenkbar gewesen. Deshalb hat man damals darauf verzichtet, die Wahrheitsfrage zu erörtern. Nicht nur in Kriegszeiten gibt es immer mehrere Wahrheiten gleichzeitig. Den damaligen Verhandlern war bewusst: wenn wir wirklich Frieden wollen, können wir die ganze und letzte Wahrheit nicht klären.

Dennoch war der Westfälische alles andere als ein fauler Friede. Auf seiner Basis waren viele weitere Klärungen und Entwicklungen möglich – bis hin zu den Erklärungen des II. Vatikanischen Konzils. Auch auf dem Katholikentag, der in der nächsten Woche in Münster stattfindet, wird es nicht nur die eine Wahrheit geben. Das macht schon sein Leitwort „Suche Frieden“ deutlich. Niemand allein weiß, wie Frieden geht oder dauerhaft möglich ist: in der Welt und ihren Kriegsgebieten, in Europa und unserem Land, zwischen den Religionen, Konfessionen, Kirchen und überall sonst. Auch die katholische Kirche allein weiß das nicht und beansprucht auch nicht, es zu wissen. Wer wirklich Frieden sucht, muss mit mehreren Wahrheiten leben.

Noch einmal zum Apostel Philippus, dessen Gedenktag heute ist: Wann immer er in der Bibel auftaucht, wird er als Vermittler dargestellt: zwischen den Aposteln, zwischen suchenden Juden und Jesus, zwischen Jesus und bedürftigen Zeitgenossen – zwischen verschiedenen Wahrheiten sozusagen. Philippus baute Brücken und diente so dem Frieden. Darin bestand sein apostolisches Zeugnis. Wenn Sie und ich heute, der Suche nach Frieden dadurch dienen, dass wir, wo immer es möglich ist, Brücken bauen, ist das ebenso ein apostolisches Zeugnis – meint Klaus Winterkamp aus Münster.

II. Vatikanisches Konzil, Nostra aetate, Erklärung über das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen, Nr 2.

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