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Kirche in WDR 5 | 05.05.2018 | 06:55 Uhr

"Suche Frieden"

Na, liebe Hörerinnen und Hörer, heute Morgen schon in den Spiegel geschaut – oder noch nicht? Verstehen könnte ich es, schließlich macht uns, was wir da wahrnehmen, ja nicht immer zufriedener. Zu viele Pfunde oder Falten, der Bauch zu groß, der Busen zu klein, die Beine zu kurz! Nun, wegschauen macht weder schöner noch jünger und schon gar nicht zufriedener. Wer halbwegs im Frieden mit sich selbst leben will, muss den Tatsachen ins Auge sehen, oder – schöner ausgedrückt – sich wahr-nehmen. Das bedeutet, mich selbst und mein Leben so zu sehen, wie es nun mal ist, es weder zu beschönigen noch zu verschlechtern. Nehme ich mich selbst wahr, sehe ich, wie ich wirklich bin.

Mehr noch als der Spiegel eignet sich aus christlicher Perspektive das Gebet zur Selbstwahrnehmung. Ob es der alttestamentliche Psalm, das Vater unser, die ganz persönliche oder nebenbei formulierte Bitte ist – im Gebet kommt das Leben zum Ausdruck, wie es ist – mit seinen Licht- und Schattenseiten, seinem Sinn und Unsinn, seiner Tiefe und seinen Untiefen. Indem ich Erfreuliches und Belastendes vor Gott bringe, Glück und Leid, Hoffnungen und Sorgen, stehe ich zu dem, was ist – oder eben auch nicht ist, was fehlt oder schlecht ist. Wie ich bin und wie mein Leben ist, brauche ich im Gebet weder schön zu reden noch zu verschweigen, gerade weil ich ja davon ausgehe, dass Gott darum weiß, wie es um mich und mein Leben bestellt ist. Mit solchem Beten ist es wie mit Liebenden, die sich ihre Liebe gestehen nicht obwohl, sondern gerade weil sie um diese Liebe wissen.

Darum wird auf dem Katholikentag, der ab Mittwoch bei uns in Münster beginnt, natürlich auch gebetet: laut und still, in großer Gemeinschaft und ganz privat, mit seit Jahrhunderten weitergebebenen Formeln und in völlig eigenen Worten. Im Gebet werden wir wahr-nehmen und vor Gott zur Sprache bringen, was uns in Frieden mit uns selbst und unseren Mitmenschen, in dieser Welt und mit Gott leben lässt. Wir werden aber ebenso ins Gebet nehmen, was nicht allein Christen unzufrieden sein lässt – an der Welt und ihren Gesellschaften, im menschlichen, religiösen, politischen und sonstigen Zusammenleben.

Egal, ob vorm Spiegel oder vor Gott: es bleibt leider dabei, dass mir längst nicht alles gefällt, was ich da an mir wahrnehme. Wir mögen vielleicht nicht so sein, wie wir uns selbst gerne hätten. Aber vor Gott kann diese Wahr-nehmung doch ein ganz eigenes Selbstbewusstsein schenken. Sie kann zu der Erkenntnis führen, dass wir wer sind vor ihm – in unseren Abhängigkeiten, mit unseren unbefriedigten Bedürfnissen, wegen unserer Sehnsucht nach Liebe, Freundschaft und gelingenden Beziehungen. Wir sind wer – mit den Fehlschlägen und Unglaubwürdigkeiten, den mutwillig vertanen Chancen, den verspielten Stärken, den unliebsamen Vorfällen in unseren Lebensgeschichten. Wir sind wer – in unseren Gebrechen, wegen unserer Krankheit, mit allen Handicaps oder Beschränkungen, die wir uns weder gewünscht noch ausgesucht haben. Wir sind wer – mit all dem und ohne all das, was wir gerne an uns und in unserm Leben hätten. Wir alle sind wer vor Gott!

Diese Erkenntnis mag uns nicht den Frieden mit uns selbst schenken, den wir uns wünschen, aber dass sie uns wenigstens für heute etwas zufriedener machen kann, das glaubt Klaus Winterkamp aus Münster.

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