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Hörmal | 01.11.2014 | 07:45 Uhr

Süßes oder Saures

„Süßes, sonst gibt's Saures!“ „Trick or Treat!“

In meiner Zeit als Pfarrer im südlichen Münsterland vor 20 Jahren kam der Brauch gerade in Deutschland auf. Verkleidete Kinder ziehen von Haus zu Haus und bitten um Süßigkeiten oder drohen einen Schabernack an, eben: Süßes oder Saures. Der Brauch kommt aus Amerika und erfreut sich auch bei uns immer größerer Beliebtheit am Vorabend von Allerheiligen, beziehungsweise Halloween – dieser amerikanische Name des Festes hat sich ja zeitgleich mit dem Brauch bei uns eingebürgert. Dabei sind solche Bitt- oder Bettelzüge – auch Heischegänge genannt – nichts Neues. Schon lange ziehen Kinder durch die Straßen an St. Martin zum Beispiel. Allerdings drohen sie nicht. Und beim Sternsingen an Dreikönige bitten sie sogar nicht für sich, sondern für Kinder in der ganzen Welt, die in Not sind.

„Trick or Treat“ kenne ich seit meiner Jugendzeit und zwar durch die Comics von Charlie Brown und seinen Freunden. Charly Brown gehört zu den Verliererfiguren in dieser Welt. Er scheitert beim Baseball, seiner Lieblingssportart, ist unglücklich verliebt in ein rothaariges Mädchen und an Halloween geht er immer leer aus. Es kommt sogar schlimmer: Wenn seine Freunde Süßigkeiten bekommen, wirft man ihm immer einen Stein in die Sammeltüte. Den Streich, den er beim „Trick or Treat“ androht – den bekommt er quasi selbst gespielt. Charlie Brown ist aber nicht der Typ, der jetzt erst recht Saures austeilt, also Böses mit Bösem, vergilt. Nein, Charly Brown, diese tragisch melancholische Comicfigur geht einfach zur nächsten Haustür und versucht es aufs Neue – leider auch wieder vergeblich.

Der Erfinder von Charly Brown, der Zeichner Charles M. Schulz, hat einmal gesagt, dass die meisten Menschen vielmehr damit vertraut sind, zu verlieren als zu gewinnen. Vielleicht macht ja gerade das Charlie Brown so sympathisch, weil man sich mit ihm so gut identifizieren kann: Verlieren gehört zum Leben einfach dazu.

Aber mir ist Charlie Brown darüber hinaus wegen seiner Haltung so sympathisch: Charlie Brown gibt trotz der Frustrationen und Enttäuschungen die Hoffnung nicht auf. Das ist echt bewundernswert, er versucht es immer wieder und fängt neu an – auch wenn ihm sauer mitgespielt wurde, wie beim Sammeln der Süßigkeiten an Halloween.

Und genau diese Haltung passt zu Halloween, oder besser zum Fest Allerheiligen: Die Hoffnung, am Ende nicht zu verlieren, sondern zu gewinnen. Die Hoffnung also, dass es am Ende gut wird. Das war jedenfalls die Überzeugung der Menschen, die als Heilige heute gefeiert werden: Die Hoffnung, dass das eigene Leben trotz Enttäuschung und Scheitern bei Gott vollendet wird.

So eine Art von Vollendung – vielleicht nicht hier auf Erden, aber im Jenseits, das wäre echt etwas Süßes! Ich weiß: Das kann ich nicht erzwingen – also gerade nicht „Trick or Treat!“ „Süßes, sonst gibt's Saures!“ Nein, das kann ich tatsächlich nur erhoffen.

Copyright Vorschaubild: Monkeywing CCBY-2.0 flickr

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