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Kirche in WDR 2 | 15.05.2015 | 05:55 Uhr

Tacheles

Autorin: Manchmal muss man Tacheles reden. Farbe bekennen. Klar Stellung beziehen. Neulich war es mal wieder so weit. Doch der Reihe nach:

Im Internet gibt es immer wieder diese Massenmails - und manche Gerüchte sind auch nach Jahren nicht totzukriegen. So zum Beispiel ein Kettenbrief, der schon im Jahr 2011und 2013 für Empörung sorgte vor allem in Baden-Württemberg. Darin hieß es: Ab sofort sei das traditionelle „Grüß Gott“ an Schulen verboten.

Denn: der Gruß könne muslimische Mitschüler beleidigen. Es hagelte Proteste und viele Bürger schickten der Landesregierung eine Beschwerde nach der anderen.

Das Land gab damals allerdings schnell Entwarnung: Das „Grüß Gott“ bleibt erhalten. „Und im Übrigen haben sich auch nie Muslime darüber beschwert, dass im Namen Gottes gegrüßt wird“, hieß es damals aus dem Staatsministerium. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Umso erstaunter war ich, als ich vor ein paar Tagen genau diese Kettenmail von einem Bekannten aus Nordrheinwestfalen geschickt bekam. Was hat er denn mit dem „Grüß Gott“ aus Baden-Württemberg am Hut, dachte ich. Irgendetwas muss ihn dazu motiviert haben, diese mail an einen ganzen Kreis von Menschen weiterzuschicken. Ganz harmlos fragt er am Anfang: „Da ist schon einiges Wahres dran, oder?” Also begann ich zu lesen. Ein paar fettgedruckte Sätze sprangen mir ins Auge:

Sprecher: “Dies ist unser Staat, unser Land, unsere Lebensart, und wir gönnen Einwandern gerne jede Möglichkeit, dies alles und unseren Wohlstand mit uns zu genießen.“

Autorin: So steht es in der Kettenmail, die mein Bekannter weitergeleitet hat.

Sprecher: „Aber wenn Sie nichts anderes tun als reklamieren, stöhnen und schimpfen über unsere Fahne, unser Gelöbnis oder unseren Lebensstil, dann möchte ich Sie ganz dringend ermutigen, von einer anderen, großartigen deutschen Freiheit Gebrauch zu machen, nämlich vom Recht uns zu verlassen, wenn es ihnen nicht passt.”

Autorin: Ganz nach dem Motto: wir haben ja nichts gegen Ausländer, aber… Und weiter:

Sprecher: „Verstehen Sie das bitte nicht falsch, ich bin keineswegs gegen Einwanderung, aber Anpassung muss sein!”

Autorin: Ich war echt fassungslos. Solch ausländerfeindliche Sätze finden Unterstützung in meinem Bekanntenkreis?

Ja, dachte ich, und solche Sätze bestätigen das Studien-Ergebnis der Uni Leipzig zum Thema rechtsextremistische Einstellungen in Deutschland. Jeder Fünfte in der Bundesrepublik ist demnach ausländerfeindlich eingestellt und jede Zwanzigste auch antisemitisch. Die sogenannte „Mitte-Studie“ von 2014 zeigt: Es gibt bei allen rechtsextremen Aussagen einen hohen Anteil Unentschiedener. Das heißt, es gibt viele Menschen, die mit rechtsextremen Aussagen sympathisieren.

Und solche befinden sich jetzt also in meinem Bekanntenkreis?

Ich war gespannt, ob sich jemand aus dem angeschriebenen Verteiler auf diesen provozierenden Inhalt zu Wort melden würde. Und tatsächlich – einer schrieb zurück.

Sprecher: “Auch wenn noch ca. 2/3 der Menschen in NRW einer christlichen Kirche angehören, dürfen sie nicht davon ausgehen, dass alle anderen sich anpassen müssen.“

Autorin: Meint er, im Gegenteil:

Sprecher: „Christ sein bedeutet Andersdenke genauso zu akzeptieren. Demokratie ist, auch die Rechte von Minderheiten zu achten. Wir alle sind nur Gast auf dieser Erde und auch in Deutschland. Ich halte diese mail für eine unqualifizierte Volksverhetzung.”

Autorin: Mutig, dachte ich, so klar Position zu beziehen. Aber genau das braucht es. Wenn sich Fremdenfeindlichkeit so subtil verbreitet – unter dem Deckmantel “Das muss man doch mal sagen dürfen“, dann reicht es nicht mehr aus, nur auf Demos zu gehen. Dann muss auch im Bekanntenkreis Tacheles gesprochen werden. Und die Fremdenfeindlichkeit in der Mitte unserer Gesellschaft öffentlich werden. Das ist meine Antwort.

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