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Kirche in WDR 2 | 24.03.2015 | 05:55 Uhr

Talentscout

Neue Komplimente braucht das Land! Ich meine das ernst: Wann haben Sie zuletzt ein Kompliment gemacht? Ein Ehrliches, das jemanden im besten Sinne getroffen hat, weil er sich in seiner Sache richtig erkannt fühlte? Ist ja gar nicht so einfach, so ein Kompliment. Und dennoch so enorm wichtig.

Schon lange ist es her, da hat eine Frau dazu ein wunderbares kleines Gebet verfasst: „Lehre mich, am andern Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch bewundernd zu erwähnen.“

Theresa von Avila war das. Die heilige Mystikerin Theresa, die in vier Tagen 500 Jahre alt würde. Mich beeindruckt bis heute ihr Humor, ihre Fähigkeit auch über sich selbst zu lachen, ebenso wie ihre tiefe Suche nach einem Leben mit Gott.

Theresa von Avila hatte einen guten Blick für das Wesentliche, das beweist mir das eben zitierte Gebet. Denn was für eine große Kunst ist es, was für eine Gabe, wenn ich an einem anderen Menschen ein wirklich unerwartetes Talent entdecke! Und wenn ich es dann noch ins Wort bringen kann. Das ist doch ein Geschenk! Eine der wenigen Win-Win-Situationen im Leben. Denn es ehrt beide: denjenigen, der das Kompliment macht genauso wie den, der es erhält.

Um ein echtes Kompliment im Sinne der klugen Theresa zu machen, brauche ich echtes Interesse am Anderen. Ich entdecke erstmal, bevor ich verteile.

Was schlummert da an Talenten in den Menschen um mich herum? Solche, die nicht gleich offensichtlich sind, die ich nicht erwartet hätte - und die er oder sie vielleicht selbst noch nicht entdeckt hat. Das ist eine Suche nach lauter kleinen Selbstverständlichkeiten, die das Zusammenleben schön machen.

Mein Gewinn liegt darin, zu entdecken, mit wem ich es da eigentlich zu tun habe. Talentfrei ist niemand, da bin ich sicher. Selbst an denen, die mir das Leben eher schwer machen, gibt es Eigenschaften zu entdecken, auf die man nicht verzichten mag, nicht verzichten sollte. Auch wenn ich mir wohl eher die Zunge abbeißen würde, als diese Eigenschaften lobend zu erwähnen.

Wobei: Vielleicht läge ja genau darin die Kraft des ehrlichen Komplimentes, wenn ich das mal in Worte fassen würde? Womöglich die Kraft, das Verhältnis zwischen uns zu wandeln? Es käme auf den Versuch an: Was passiert, wenn ich selbst dem ein ehrliches Kompliment mache, der mir das Leben schwer macht? Gut: die Chance steht 50/50, dass ihn das Kompliment wandelt. Aber es wandelt mich. Und meine Sicht auf den Anderen.

Wäre doch herrlich, wenn mir mehr und mehr die Vorzüge meiner Mitmenschen ins Auge springen, statt ihrer Macken!

Und weil sie so schön sind, hier noch einmal die knapp 500 Jahre alten Worte von Theresa – das Stoßgebet für alle, die mehr ehrliche Komplimente machen wollen: „Lehre mich, am andern Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch bewundernd zu erwähnen.“

Copyright Vorschaubild: Oliver Ruhm CC BY 2.0 flickr

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