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Kirche in WDR 2 | 20.04.2015 | 05:55 Uhr

Teilen, was wir glauben

„Ja“, sagt der alte Meister, „Religion kann den Jungs ja nicht schaden.“ So denken manche in der Branche. Ich bin Lehrer an einem Berufskolleg für Metalltechnik und bei einigen Klassen unterrichte ich „nur“ Religion. Wenn dann Sprechtag ist und die Meister in der Schule vorbeischauen, kommt eigentlich keiner bei mir vorbei. Viele gehen lieber zu den berufsspezifischen Fächern. Die sind wichtiger für eine erfolgreiche Ausbildung. Kann ich auch verstehen. Aber: Der alte Meister vor mir, schon kurz hinter der Rentengrenze, sieht das offensichtlich nicht so. „Kann ja nicht schaden,“ sagt er, „wenn die was über Religionen und unsere Werte lernen. Gerade jetzt, wo man überall auf Religionen stößt. Nicht nur zu Hause.“

Ganz vernünftig. Ein bisschen einseitiger hört man das auch von altgedienten Kollegen, wenn darüber nachgedacht wird, was die Schülerinnen und Schüler im Fach Religion so lernen sollen. Die sollen nämlich mal lernen, welche Werte in unserer Gesellschaft wichtig sind. Und überhaupt: Wie man sich so benimmt im Betrieb. Und in der Schule. – Kein Wunder, dass das die Schülerinnen und Schüler nicht interessieren würde.

Aber was würden die denn gerne im Religionsunterricht lernen, die Auszubildenden? Bei mir im Unterricht sitzen Christen aller Konfessionen, Muslime, Religionslose und manchmal auch Juden, Hindus, Sikhs, Buddhisten, Jesiden und noch ganz andere gemeinsam beisammen. Für die meisten gilt: Wenn sie sich überhaupt auf das Fach Religion einlassen – und das wollen weiterhin die Allermeisten – dann wollen Sie vor allem etwas wissen über die verschiedenen Weltreligionen, über den Islam und das Judentum, über merkwürdige Sekten und die Illuminati, die angeblich die Weltgeschicke kontrollieren. Sie sind neugierig auf die Kirchen und ihre Machenschaften, Kreuzzüge und Hexenverbrennungen.

Und manchmal nervt es mich als Religionslehrer, wenn ich nur so eine Art Best of von „Terra X“ und „Galileo“ wiederholen soll – Hauptsache spektakulär, blutig, exotisch oder verschwörerisch.

Aber: Wenn sich meine Metalltechnik-Schüler dann mal auf so ein Thema eingelassen haben, dann kommen mit der Zeit doch Fragen auf, die sehr viel wichtiger und vor allem persönlicher sind: An welchen Gott glauben die (oder wir) eigentlich? Welchen Sinn macht es, ein gutes Leben zu führen, wenn andere mit miesen Tricks weiter kommen als ich? Ist das Leben eine Prüfung und was bekomme ich dafür als Lohn – und wann? Sind die Religionen eigentlich alle gleich wahr? Warum geht von Religionen Gewalt aus, obwohl sie eigentlich mehr den Frieden predigen als alle anderen?

Wenn es dann um solche Sachen geht, dann bin ich schon lange der Meinung des alten Meisters: Schaden kann das nicht. Und überhaupt: An welchem Ort gelingt es sonst noch, miteinander über das zu reden, was wir glauben, was uns im Innersten bewegt? Gerade jetzt, wo man überall auf Religionen stößt. Nicht nur zu Hause.

Copyright Vorschaubild: Teilen Marcus Sümnick CCBY-SA 2.0 flickr

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